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Nicht zu fassen: Leipzigs schlimmster Zechpreller

Nicht zu fassen: Leipzigs schlimmster Zechpreller

Wenn Nico W. (31) einkehrt, schrillen bei Gastronomen die Alarmglocken. Der Mann ist Leipzigs schlimmster Zechpreller. Aktuell laufen mehr als 70 Ermittlungsverfahren gegen ihn.

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Quelle: dpa

Leipzig. Betroffen ist nach Informationen der Polizei nahezu jedes Lokal in der Innenstadt. Holm Retsch vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga: "In den vergangenen 25 Jahren ist es noch nie passiert, dass ein Einzelner in einer solchen Fülle Zechprellerei begeht."

Allein in dieser Woche tauchte Nico W. zweimal auf dem Radar der Ordnungshüter auf: Am 1. Mai ließ er sich in der Gottschedstraße bewirten - wie üblich, ohne zu bezahlen. Zwei Tage zuvor reiste er per Taxi von Radebeul nach Leipzig - eine Strecke von etwa 115 Kilometern - und blieb die Rechnung schuldig.

Es sind die vorerst letzten Fälle einer Serie von Betrügereien, die selbst erfahrene Polizeibeamte erstaunt. Im Jahr 2002 tauchte der Drogenkonsument erstmals im polizeilichen Auskunftssystem auf. Zu Zechprellereien komme es verstärkt seit 2009, berichtete Polizeisprecher Andreas Loepki auf LVZ-Anfrage, "insbesondere im letzten und im laufenden Jahr". Über 70 Verfahren habe die Polizeidirektion Leipzig deshalb aktuell in Bearbeitung, eine Vielzahl sei bereits abgeschlossen. So sollte Anfang April am Amtsgericht ein Prozess gegen Nico W. wegen einer Reihe von Tatvorwürfen stattfinden, doch der Angeklagte blieb der Hauptverhandlung fern.

Dabei gilt ein Prozesstermin schon als Teilerfolg. Denn die polizeilichen Möglichkeiten, gegen den Zechpreller vorzugehen, sind beschränkt, räumte Loepki ein. Sofern der Täter rechtzeitig erkannt wurde, sei er zeitweise in Gewahrsam genommen worden. "Nach einer Tat werden regelmäßig Platzverweise ausgesprochen", so der Sprecher. "Aufgrund der Vielzahl möglicher Tatorte erreichen die Mittel allerdings keine generalpräventive Wirkung und sind ohnehin nur von eingeschränkter Dauer."

Angesichts der hohen Zahl von Straftaten gehen die Ermittler davon aus, dass Nico W. allein in der Innenstadt nahezu jede Tatmöglichkeit bereits genutzt hat: Hotels, Restaurants, Bars, Cafés, Biergärten, Tankstellen. Aber auch Läden und Lokale in anderen Stadtteilen und sogar in Dresden fallen ins Beuteschema des vollbärtigen Betrügers. So speiste er Ende März im Hotel im Sachsenpark und bedrohte dann die Angestellten mit einer Spielzeugpistole. Zwei Wochen zuvor hatte er der Verkäuferin einer Bäckerei am Dorotheenplatz eine Schere an den Hals gehalten und dabei eine Flasche Saft ausgetrunken. Die Tatvorwürfe reichen von Schwarzfahren und Diebstahl über Betrug bis zu Hausfriedensbruch und Drogendelikten. Allerdings waren die einzelnen Fälle nie so schwerwiegend, dass aus Sicht der Behörden ausreichende Haftgründe vorgelegen hätten. Vereinzelt berichteten Zeugen, der Täter habe geistig verwirrt gewirkt. Mithin könnte Nico W. vor Gericht womöglich eine Schuldunfähigkeit attestiert und er in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden.

Doch vorerst müssen Gastronomen weiter auf der Hut sein. Nächste Woche will der Hotel- und Gaststättenverband eine Warnmeldung herausgeben. "Geschädigte sollten Strafanzeige erstatten", so Dehoga-Chef Retsch. "Zudem brauchen wir weitere Informationen, um uns einen Überblick über das Ausmaß des Schadens verschaffen zu können." Für die Dehoga-Mitglieder ist es eine Art Déjà-vu: Schon im April 2011 hatte der Verband wegen Nico W. eine Warnung veröffentlicht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.05.2014

Doering, Frank

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