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Nur wenige NPD-Anhänger protestieren vor Leipziger Moschee - Imam verurteilt Aufmarsch

Nur wenige NPD-Anhänger protestieren vor Leipziger Moschee - Imam verurteilt Aufmarsch

Die NPD-Kundgebung in der Leipziger Roscherstraße hat am Sonnabend mit Verspätung begonnen. Ursprünglich hatten die Rechtsextremen ihren Aufmarsch in unmittelbarer Nähe zur Al-Rahman-Moschee für 12 Uhr angemeldet.

Leipzig. Bis gegen 14 Uhr waren allerdings nur vereinzelte Teilnehmer an der Kreuzung zur Berliner Straße nördlich des Hauptbahnhofes eingetroffen. Zum selben Zeitpunkt versammelten sich bereits rund 150 Gegendemonstranten.

Am frühen Nachmittag wuchs die Zahl der Neonazis zunächst auf 50, später waren es nach Polizeiangaben etwa 80 Teilnehmer. Sie hielten NPD-Plakate in die Höhe. Parteichef Holger Apfel trat ans Rednerpult, nachdem der Lautsprecherwagen verspätet eingetroffen war. Der Grund für die Verzögerung sei bislang unklar, teilte Polizeisprecher Daniel Kapferer am Nachmittag mit.

Am anderen Ende der Roscherstraße machten die Protestierenden um das Aktionsnetzwerks „Leipzig nimmt Platz“ mit Sprechchören auf sich aufmerksam. „Wir werden niemals dulden, dass Nazis den öffentlichen Raum für ihre Hasspropaganda nutzen“, hatte Linken-Politikerin Juliane Nagel zuvor angekündigt. Gegen Rassismus wollten unter anderem auch ihr Parteikollege Volker Külow sowie Monika Lazar und Jürgen Kasek von Grünen vor Ort Flagge zeigen. "Ich hätte mir mehr Gegendemonstranten gewünscht", sagte Nagel noch am Nachmittag, "grob geschätzt 200 sind einfach zu wenige." Auch wenn sie einigen Ansichten des Imams kritisch gegenüberstehe: "Heute ging es darum, ein Zeichen gegen die NPD, gegen Rassismus und Intoleranz zu setzen."

Aber auch die NPD hatte offenbar Probleme mit der Mobilisierung. Nur etwa 20 der Anhänger kamen aus Leipzig, weitere reisten aus dem Umland an. Jürgen Kasek gab jedoch zu bedenken, dass sich der rechte Nachwuchs inzwischen in freien Kameradschaften organisiert. "Da wächst eine neue Generation heran." Von der Kameradschaft aus Möckern sollen fünf Personen vor Ort gewesen sein, sagte Nagel.

Imam freut sich über Unterstützung durch Demonstranten und dankt der Polizei

„Ich verurteile, dass Religion für politische Ziele missbraucht wird, wie es die NPD tut“, sagte der Imam der Moschee, Hassan Dabbagh. Er bedauere zudem, dass die Politiker der Stadt – abgesehen von den Gegendemonstranten – keinen Standpunkt bezogen hätten. Dem schloss sich auch Kasek an. Der Imam dankte Polizei und Gegendemonstranten für ihren Einsatz, dafür dass sie ein Zeichen gegen Rassismus und Islamophobie gesetzt haben. "Man kann nur mit dem Kopf schütteln", so Dabbagh, "dass einige Menschen nicht mit anderen Menschen friedlich zusammenleben möchten."

Die Polizei war unterdessen mit mehreren Hundertschaften vor Ort, um die Demonstrationen abzusichern und beide Lager zu trennen, erklärte Sprecher Kapferer. Aus Sicht der Einsatzkräfte ist die Lage weitgehend ruhig. Zuvor hatte Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz mit den Beamten über den Einsatz gesprochen. Jürgen Kasek lobte das Einsatzkonzept der Polizei. Durch den breiten Sicherheitskorridor seien Konfrontationen zwischen den einzelnen Gruppen vermieden worden. Es blieb friedlich. "Ich hätte mir mehr Nähe gewünscht", kritisierte hingegen Juliane Nagel, "um auch mit Lautstärke ein Zeichen gegen Rechts setzen zu können."

Am Morgen war die Roscherstraße gesperrt worden, die Stadtverwaltung rief Autofahrer dazu auf, die Straße zu meiden. Fußgänger sollen den Abschnitt jedoch weiter passieren dürfen, um in die angrenzenden Gebäude – darunter die Moschee – gelangen zu können. Die NPD-Kundgebung war am Mittwoch vom Ordnungsamt unter strengen Auflagen genehmigt worden.

Fotos vom NPD-Aufmarsch und der Gegendemo in der Roscherstraße 2012:

maf / fel / joka

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