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Obduktion: Leiche aus dem Elsterbecken ist männlich – 39 Vermisste in Leipzig

Obduktion: Leiche aus dem Elsterbecken ist männlich – 39 Vermisste in Leipzig

Leipzig. Bei der Leiche aus dem Leipziger Elsterbecken handelt es sich um einen Mann. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstagnachmittag in einer gemeinsamen Erklärung bekannt.

Die Identität des Opfers sei aber nach wie vor ungeklärt. "Wir haben einfach noch nicht genug Anhaltspunkte", sagte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz gegenüber LVZ-Online.

Den Gerichtsmedizinern lagen zwei Arme, ein Torso und ein weiteres Körperteil zur Untersuchung vor. Damit habe sich zwar das Geschlecht, nicht aber das Alter oder der genaue Zeitpunkt des Todes bestimmen lassen, so Schulz weiter. Auch zum Tathergang könne bisher keine genaue Aussage gemacht werden. 

„Die Umstände des Todes liegen noch sehr im Ungefähren“, erklärte der Oberstaatsanwalt. Jetzt beginne die Kleinarbeit. „Ich hoffe in naher Zukunft auf weitere Erkenntnisse“, meinte Schulz. Er geht von einem bestialischen Tötungsverbrechen aus.

Kopf und Beine des Opfers fehlen bislang

Mit rund 60 Beamten hatte die Polizei am Dienstag weiter nach Leichenteilen am und im Elsterbecken gesucht. Seit 8.30 Uhr durchkämmten die Polizisten die Böschung, nahmen jetzt einen größeren Uferabschnitt ins Visier: Zwischen Palmengartenwehr, Zeppelinbrücke und bis zur Hans-Driesch-Straße erstreckte sich das Suchgebiet.

Die Ordnungshüter suchten den Kopf und die Beine des Opfers. Mit langen Stäben stocherten die Beamten im Uferbewuchs des Elsterbeckens. Dabei förderten sie außer einer Menge Unrat eine Tasche zu Tage. Kriminaltechniker fanden darin ein Messer. Auch andere Gegenstände wie Schuhe, Stiefel oder Kleidungsstücke zogen die Polizisten aus dem Schlamm. Derzeit deutet noch nichts darauf hin, dass die Fundteile etwas mit dem Verbrechen zu tun haben. Die Beamten nahmen sie aber zur weiteren Begutachtung mit.

Suche auf angrenzende Parkflächen ausgeweitet

Wie schon am Vortag versammelten sich am Dienstag zahlreiche Schaulustige, um das Geschehen zu beobachten. Am Montag hatten Polizisten von einigen der Anwesenden die Personalien aufgenommen. Offenbar schließen die Beamten nicht aus, dass sich unter den Beobachtern auch den Täter befindet. Auf Nachfrage wollten die Ermittler das allerdings nicht bestätigen.

Bereits am Montag wurde das Luppewehr geöffnet, um so den Wasserpegel im Elsterbecken zu senken und die Arbeit der Ermittler zu erleichtern. Bei der Suche am Dienstag kamen zwei speziell ausgebildete Hunde zum Einsatz, die Leichengeruch auch im Wasser erschnüffeln können.

Eine anstrengende Prozedur für die Tiere, von der sie sich nach kurzem Einsatz immer wieder erholen müssen. Trotz intensiver Suche schlugen die Vierbeiner nicht an. Die Polizei geht dem Vernehmen nach auch davon aus, dass der Kopf und die Beine der Leiche möglicherweise an einem anderen Ort abgelegt wurden. "Die Suche wurde am Mittag auch auf die angrenzenden Parkgebiete und auf weitere Gewässerläufe ausgedehnt", so Polizeisprecherin Anke Fittkau gegenüber LVZ-Online.

Polizei will Profiler bei der Tätersuche einsetzen

 

Die Beamten sprechen von einem "Puzzle", das nun nach und nach zusammengesetzt werden müsse. Sobald es konkrete Hinweise auf die Identität des Opfers gibt, wollen die Ermittler diese mit den Vermisstenmeldungen bundesweit abgleichen. Auch ein Abgleich mit einer DNA-Datei solle erfolgen. In Leipzig werden derzeit 39 Menschen vermisst. Darunter seien aber auch viele Anzeigen die schon zehn und mehr Jahre zurücklägen. In den vergangenen sechs Monaten seien zehn Menschen als vermisst gemeldet worden. Wie viele Männer darunter seien, war zunächst nicht zu erfahren.

Am Mittwoch wollen die Beamten erneut am Elsterbecken suchen. Daneben sei in den nächsten Tagen auch der Einsatz eines so genannten Profilers denkbar. „Momentan ist es dafür aber noch zu früh“, sagte Polizeisprecher Mario Weigelt. Man müsse erst die weiteren Auswertungen der Obduktion abwarten. Ein Fallanalytiker benötige genaue Anhaltspunkte. Unter anderem sei es wichtig, ob die Gliedmaßen fachmännisch vom Leib getrennt wurden. "Erst wenn solche und ähnliche Fragen geklärt sind, kann sich ein Profiler mit der Sache befassen", so Weigelt. Bis dahin solle auch keine Sonderkommission gegründet werden. Der Fall bleibe unter Federführung des Mordkommissariats.

Matthias Roth

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