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Onkel gesteht Missbrauch seiner zehnjährigen Nichte: Bewährungsstrafe für 43-Jährigen

Amtsgericht Onkel gesteht Missbrauch seiner zehnjährigen Nichte: Bewährungsstrafe für 43-Jährigen

Er ist ihr Onkel und ihr schlimmster Peiniger zugleich: Ein Leipziger (43) hat im Juli 2014 seine damals zehn Jahre alte Nichte sexuell missbraucht. Am Montag wurde er vom Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Symbolbild

Quelle: Archiv

Leipzig. Sven P. (*) passte regelmäßig auf das Mädchen auf, wenn seine Schwester nicht zu Hause war. Auch am 20. Juli vorigen Jahres war der Möbelpacker aus diesem Grund in der Gohliser Wohnung, seine Schwester war zu ihrem Freund gefahren. Er hatte zuvor mit Kumpels schon ein Feierabendbier getrunken, berichtete er am Montag vor Gericht, leerte später eine halbe Flasche Wodka und spielte mit seinem Handy. Seine Nichte Sandy lag währenddessen auf dem Sofa und sah fern.

Was dann passierte, erfüllt für die Staatsanwaltschaft den Tatbestand des schweren sexuellen Missbrauchs. Der Angeklagte räumte die Vorwürfe umfassend ein. "Mein Mandant möchte auf jeden Fall dem Kind ersparen, vor Gericht aussagen zu müssen", so Verteidiger Jürgen Kohlen. "Es tut ihm alles sehr leid und er schämt sich gewaltig dafür." Er habe auch den Wunsch, sich zu entschuldigen, möchte aber dem Mädchen eine direkte Konfrontation ersparen.

Bei einer polizeilichen Vernehmung zwei Monate nach der Tat hatte Sven P. noch eine andere Tatversion herbeifantasiert: Demnach soll das Mädchen sich ihm bereits auf der Toilette genähert und später dann auf dem Sofa völlig nackt provozierend ihre Beine gespreizt haben. "Wie verträgt sich das mit ihrer Aussage, dass es ihnen leidtut?", wandte sich Opferanwalt Ingo Stolzenburg direkt an den Angeklagten. Seine Mandantin leide nach wie vor unter den Folgen der Tat. "Der Zorn ist sehr groß, weil der Angeklagte versucht hat, das Mädchen für alles verantwortlich zu machen, das bringt die Seele zum Kochen."

Auch innerhalb der Familie sei keineswegs der Täter derjenige, von dem sich alle abwenden, berichtete er. Vielmehr gingen die anderen Familienangehörigen zur Mutter des Mädchens auf Distanz, weil diese Strafanzeige erstattet hatte. "Ich habe meine Schwester gebeten, mich nicht mehr anzurufen", so Sven P., er wolle "mit dieser Frau" nichts mehr zu tun haben.

Für das Strafmaß spielten die familiären Verwerfungen allerdings keine Rolle. Hier wog vor allem das umfassende Geständnis des bisher nicht vorbestraften Angeklagten schwer. Ohne seine Aussage wäre Sven P. für mehrere Jahre hinter Gitter gekommen. So aber plädierte selbst die Staatsanwaltschaft dafür, ihn zu zwei Jahren Haft, ausgesetzt zur Bewährung, zu verurteilen. Sven P. sei nicht pädophil veranlagt, so die Anklagebehörde. Vielmehr suche er, enthemmt durch Alkohol, nach einem Sinnersatz, weil es aus irgendwelchen Gründen mit erwachsenen Frauen nicht klappe.

Nebenklage und Verteidigung schlossen sich der Forderung der Staatsanwaltschaft an. Auch das Gericht folgte dem und legte die Bewährungszeit auf drei Jahre fest. In dieser Zeit muss Sven P. monatlich 50 Euro zugunsten seines Opfers zahlen - insgesamt 1800 Euro. Erfüllt er diese Bewährungsauflagen nicht, muss er doch noch für zwei Jahre ins Gefängnis. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Eine Sache gab der Verteidiger seinem Mandanten am Ende im Plädoyer mit auf den Weg: Wenn Sandy erwachsen sei, werde Sven P. versuchen müssen, ihr zu erklären, wie es zu alldem kommen konnte. Und das dürfte für den Verurteilten wohl die schwerste und wichtigste Aufgabe zugleich sein.

(*Namen geändert)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.09.2015
Frank Döring

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