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Polizeiticker Leipzig Opfer nach Überfall in Leipziger Bordell: „Ich schrie wie am Spieß“
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Opfer nach Überfall in Leipziger Bordell: „Ich schrie wie am Spieß“
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11:09 10.10.2018
Der brutale Übergriff auf einen Bordell-Besucher in Leipzig – ein Fall für das Amtsgericht. (Symbolbild) Quelle: dpa
Leipzig

Sein geplanter Bordell-Besuch endete für einen Informatiker aus Leipzig mit einem Fiasko. Noch bevor der 33-Jährige überhaupt eine der Damen in dem Studio in Sellerhausen-Stünz aufsuchen konnte, wurde er im Treppenhaus überfallen, verprügelt und bestohlen. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus, die zwei Männer wegen besonders schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung anklagte. Am Dienstag begann am Amtsgericht der Prozess.

„Ich schrie wie am Spieß“, schilderte der Betroffene, der auch Nebenkläger ist, als Zeuge. Doch keine der Türen in dem Wohnungsbordell öffnete sich, niemand half. Es war der 1. Mai 2018 kurz nach 5 Uhr morgens. Der Vorfall habe ihn „psychisch mehr getroffen“ als gedacht. Er leide an Depressionen, sei arbeitslos. Der 33-Jährige nahm deshalb auch die Betreuung vom Verein Opferhilfe Sachsen und von Opferanwältin Anne Prestrich in Anspruch.

Nach seinen Schilderungen traf er in dem Treppenhaus auf drei junge Männer, mit denen er sich zunächst gut unterhalten habe. Sie seien Urlauber, hätten sie erzählt. „Ich bin sehr weltoffen. Mir ist es egal, wo die Leute herkommen. Vielleicht war ich auch blauäugig“, schätzte er nun ein.

Krankenhausreif geprügelt

Gemeinsam habe man geraucht, sich eine Flasche Bier geteilt und Drogen – Crystal – genommen. „Jeder hatte was dabei, wir ließen uns gegenseitig probieren.“ Als er sich bückte, bekam der 33-Jährige laut Staatsanwalt Jan Eggers einen Schlag mit der Bierflasche auf den Hinterkopf. „Ich verstand gar nicht, was passiert“, so der Geschädigte. „Ich hatte Fäuste im Gesicht und am ganzen Körper. Ich kämpfte um mein Leben und schlug auch zurück.“ Erst kurz vor dem Bordell-Besuch habe er 500 Euro abgehoben, um sie dort auszugeben. Das Geld jedoch hätten ihm die Unbekannten geklaut.

Das Opfer erlitt eine stark blutende Kopfplatzwunde und kam ins Krankenhaus; zumindest zwei der drei Täter konnten gefasst werden – einer noch in der Nacht, der andere etwa drei Wochen später. Die beiden sitzen seither in Untersuchungshaft. Es handelt sich um Jamil S. (20) und Ahmad A. (18), Asylbewerber aus Afghanistan beziehungweise aus dem Iran.

„Finanziell ruiniert“

Noch vor der Polizei hatte sich Jamil S. als „unschuldig“ bezeichnet und seine beiden damaligen Begleiter bezichtigt, sie hätten die Geldbörse wegnehmen wollen. Am Dienstag präsentierte der 20-Jährige eine Version, wonach er 500 Euro in einem Casino gewonnen hätte. Zur Gewalt sei es nur wegen eines Streits um die Drogen gekommen.

Und der Mitangeklagte Ahmad A. wiederum will nicht geschlagen und auch nichts weggenommen haben. Vielmehr sei er dazwischengegangen. Drei andere Anklagevorwürfe – Beleidigung und Widerstand gegen Polizisten sowie Drogenhandel – gab er einer Erklärung seines Verteidigers André Röhrich zufolge zu.

Der Informatiker erkannte vor Gericht beide als seine einstigen Peiniger wieder und belastete sie schwer. Er selbst geht jetzt zum Entzug in die Klinik. „Ich habe mich auch finanziell ruiniert.“ Der Prozess geht am 25. Oktober weiter.

Von Sabine Kreuz

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