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Opfer zum zweiten Mal betroffen: „Die Gewalt war schockierend“

Überfall auf Tankstelle in Dölzig Opfer zum zweiten Mal betroffen: „Die Gewalt war schockierend“

Schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung: So lautet die Anklage gegen drei Leipziger, die sich seit Donnerstag wegen des Überfalls auf eine Tankstelle in Schkeuditz-Dölzig (Landkreis Nordsachsen) vom 17. Februar 2016 verantworten müssen. Ein Angestellter wurde bereits zum zweiten Mal Opfer eines nächtlichen Beutezuges.

Der Überfall auf eine Tankstelle in Dölzig (Landkreis Nordsachsen) vom Februar 2016 wird vom Landgericht Leipzig verhandelt.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Im Nachhinein betrachtet war alles „schwachsinnig“, gibt Jens P. zu. Mit zwei Freunden sitzt der 40-Jährige seit Donnerstag wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung auf der Anklagebank im Landgericht. Das Trio muss sich für das unrühmliche Ende einer Geburtstagsfeier verantworten: den Überfall vom 17. Februar 2016 auf die Esso-Tankstelle an der B 181 in Dölzig. Nach anfänglicher Druckserei legen alle ein Geständnis ab.

Es ist kurz vor 3.30 Uhr, als die drei Freunde durch Leipzig kurven und Jens P. fragt: „Wollen wir eine Tankstelle überfallen?“ Sie sind mit einem Opel Omega unterwegs, den der gerade 41 Jahre alt gewordene Sylvio S. schließlich an dem Tankstellen-Laden in der Merseburger Chaussee stoppt. S. bleibt im Wagen, während P. gemeinsam mit Komplize Alexander S. (30) in den Shop stürmt. Der hat nachts üblicherweise geschlossen, verfügt über einen Schalter. Doch ausgerechnet zur Tatzeit ist die Tür offen, weil ein Fahrer die aktuellen Zeitungen geliefert hat, aber schon wieder fort ist. Als die beiden Räuber den Laden betreten, kommt der Nacht-Angestellte Michael M. gerade aus dem Lager. „Überfall, Geld her!“, hätten sie gefordert. Als der damals 55-Jährige die Herausgabe verweigert, wird das Duo brutal. „Die Gewalt war schockierend“, berichtet der Betroffene im Prozess. Mit sechs oder sieben Faustschlägen sei er vom jüngeren Täter niedergeschlagen worden, der ältere habe ihm eine Pistole an den Kopf gehalten. Eine Schreckschusswaffe, wie sich später herausstellt. „Ich dachte, die ist echt“, so der Mann. „Sie haben mich wieder hochgezerrt, einer griff in die Kasse, der andere packte Zigaretten in einen Beutel.“ Laut Anklage handelt es sich um knapp 300 Euro und Tabak im Wert von etwa 3000 Euro.

Als die Täter mit der Beute befasst sind, kann Michael M. in einen Lagerraum flüchten und sich einschließen. Er hat eine Beule am Kopf und Prellungen am Körper. Auch psychisch macht ihm der Überfall zu schaffen, zumal er nicht das erste Mal betroffen ist. Bereits ein Jahr zuvor, im Februar 2015, wird er in derselben Tankstelle zum Schichtwechsel gegen 22 Uhr das Opfer eines Räubers. Auch damals bietet der Angestellte dem Unbekannten Paroli – der flieht ohne Beute. Die jüngsten Erlebnisse von 2016 haben Michael M. außerordentlich beeindruckt, er bezeichnet sie als „eklig“. Danach habe er nur noch seine Ruhe gewollt. „Es war nicht einfach“, schildert er der Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Berthold Pfuhl. Dass der Geschädigte „sehr aufgelöst“ gewesen sei, hat sich auch einer Kripo-Beamtin eingeprägt.

In der Verhandlung entschuldigen sich die drei Angeklagten. „Ich schäme mich zutiefst“, fügt Jens P. hinzu. Dass das Trio überhaupt gefasst werden kann, ist einem aufmerksamen Berufskraftfahrer zu verdanken. Weil dem 35-Jährigen die Fahrweise eines Opel Omega merkwürdig vorkommt, merkt er sich das Kennzeichen. Als er in der Zeitung vom Überfall auf die Tankstelle, in der er Stammkunde ist, liest, meldet er sich bei der Polizei. Oberstaatsanwältin Beate Herber würdigt ausdrücklich sein Verhalten, er habe wesentlich zur Aufklärung beigetragen. Urteilsverkündung: 14. November.

Von Sabine Kreuz

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