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Polizeiticker Leipzig Partnerin des Pferdehofkillers will Freispruch
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Partnerin des Pferdehofkillers will Freispruch
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21:13 24.05.2018
Vor Prozessbeginn im Landgericht: Die Angeklagte Silva M. mit ihrem Verteidiger Stephan Bonell. Quelle: Foto: Christian Modla
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Leipzig

Das Ziel? „Freispruch für meine Mandantin“, kündigt Verteidiger Stephan Bonell gleich zu Beginn der Berufungsverhandlung am Donnerstag an. „Oder zumindest eine geringere Strafe“, fügte er hinzu. Nach dem Mord auf dem Pferdehof in Leipzig-Knauthain verhandelt das Landgericht Leipzig gegen die Lebenspartnerin des Killers.

Die Angeklagte Silva M. (38) hatte Berufung gegen das Ersturteil vom 11. Juli 2017 eingelegt. Der Entscheidung des Amtsgerichts als Erstinstanz zufolge hat die Restaurantfachfrau durch die Vortäuschung eines Erbes ihren Freund, den Österreicher Hermann H. (50), in die Verschuldung getrieben.

Staatsanwaltschaft will höhere Strafe

Er hatte sich bei vier Freunden insgesamt 377 000 Euro geliehen, um den Lebensunterhalt des Paares zu bestreiten, meint das Amtsgericht. Wegen Betruges solle Silva M. deshalb für zwei Jahre und drei Monate in Haft – ein Strafmaß, das nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Auch die Staatsanwaltschaft legte Rechtsmittel ein, sie will eine höhere Strafe.

Wie berichtet, ließ Silva M. ihren Lebenspartner Hermann H. (50), den sie 2011 nach ihrem Umzug von Leipzig nach Österreich kennengelernt hatte, über Jahre hinweg im Glauben, in Kürze eine Millionenerbschaft anzutreten. Dabei sollte es sich um einen Hof mit 5000 Hektar Land in Leipzig handeln. Sie erzählte ihm, dass ihr Vater gestorben sei.

Der Österreicher war wohl in der Hoffnung, das geborgte Geld vom Erbe seiner Freundin zurückzahlen zu können. Ihrer Darstellung nach war der Knauthainer Pferdehof-Besitzer Rocco J. (52) – als angeblicher Grundstücksverwalter – der Grund, warum ihr das Erbe vorerst versagt blieb.

Laut Urteil war alles erlogen. Hermann H. fuhr jedoch Ende 2015 nach Leipzig, erschoss Rocco J. und richtete sich danach selbst.

Angeklagte Silva M.: Angst vor Trennung

Verteidiger Stephan Bonell hält das Urteil gegen Silva M. aber für „schlichtweg falsch“. Nicht seine Mandantin habe den Betrug begangen. „Es ist falsch, dass ich mir von den 377 000 Euro eine Einnahmequelle verschafft habe“, heißt es in einer Erklärung der Frau, die Bonell verlas.

„Zum Geld durfte ich Hermann nicht fragen. Er sagte, er sei der Chef in unserer Beziehung.“ Zudem habe er nie erwähnt, in finanziellen Schwierigkeiten zu sein. „2005 hatte er einen Landwirtschaftshandel für einige Millionen verkauft. Ich dachte, er handelt und vermittelt Landwirtschaftsmaschinen“, zitiert Bonell aus der Erklärung.

Im Übrigen habe sie nie mit Hermann H. zusammen gewohnt, sie zudem die meiste Zeit in einem Café gearbeitet. Die Lügengeschichte mit dem Hof („Ja, es ist richtig, dass ich alles erfand.“) habe sie aufrechterhalten – „aus Angst, er würde mich sonst verlassen“. Am 7. Juni will das Berufungsgericht die Zeugen aus Österreich vernehmen.

Von Sabine Kreuz

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