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Pfleger attackiert Blinden mit Wasserbombe – elf Monate auf Bewährung

Pfleger attackiert Blinden mit Wasserbombe – elf Monate auf Bewährung

Weil ein Altenpfleger genervt war von den ständigen Schreien eines Demenzkranken, soll er dem blinden Patienten eine Wasserbombe ins Gesicht geworfen und ihn stundenlang in seinem nassen Bett liegen gelassen haben.

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Der Pfleger wurde zu elf Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt.

Quelle: Daniel Reinhardt (Symbolfoto)

Gestern verhängte das Amtsgericht in diesem schockierenden Fall gegen den Pfleger und eine Kollegin Bewährungsstrafen.

Es war am 19. März vorigen Jahres, als Ralf E. (71) in der Kurzzeitpflege der Ökumenischen Sozialstation lag. Seine Frau Rosmarie (68) hatte einen Arzttermin, konnte sich deshalb nicht um ihn kümmern. Der demente Rentner war bekannt dafür, dass er in fremder Umgebung sehr unruhig war, das Personal auf Trab hielt. Gleichwohl sah die Frühschicht keinen Grund, einzugreifen. Anders die beiden Angeklagten, die zur Spätschicht eingeteilt waren: Laut Staatsanwaltschaft sollen die damalige Pflegedienstleiterin Daniela J. (36), die an diesem Tag aushalf, und Altenpfleger Ronny L. (32) dem Patienten eine Spritze mit dem verschreibungspflichtigen Beruhigungsmittel Tavor verabreicht haben - und zwar gegen den Willen des hilflosen Rentners und ohne ärztliche Anordnung.

Etwa zwei Stunden dämmerte Ralf E. in seinem Bett dahin, bis er orientierungslos und von Angstzuständen geplagt wieder laut schrie. Daraufhin soll Ronny L. einen seiner Einweghandschuhe mit kaltem Wasser gefüllt und dem blinden Patienten ins Gesicht geschleudert haben. "Er wollte ihn damit für sein Verhalten bestrafen und zum Schweigen bringen", so die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage.

Der Pfleger rechtfertigte die Spritze damit, dass der Patient in seinem aufgeregten Zustand angeblich eine Gefahr für sich selbst und andere gewesen sei. Als E. später erneut unruhig wurde, "war es dann irgendwie zu viel", so Ronny L., der seit immerhin elf Jahren als Kranken- und Altenpfleger arbeitete. Vor Gericht erzählte er, den Handschuh mit Wasser gefüllt und nur über dem Kopf des Patienten ausgegossen zu haben. In der polizeilichen Vernehmung hatte er den Wurf aber bereits gestanden: "Es war mir nicht bewusst, dass ich dazu fähig gewesen wäre, einem Patienten einen solchen Handschuh ins Gesicht zu werfen", heißt es in der Akte. Einer Kollegin zufolge soll Ronny L. dies als eine Schocktherapie bezeichnet haben, die er aus seiner Arbeit in der Psychiatrie kenne.

Amtsrichter Stefan Blaschke nannte die Attacke "eine unfassbare Handlung, die eine gefühllose, menschenverachtende Gesinnung offenbart", wertete die Tat als Misshandlung Schutzbefohlener. Hinsichtlich der Injektion hätten sich beide Angeklagten der gefährlichen Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung schuldig gemacht. Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft sah Blaschke in den Taten auch keinen minderschweren Fall.

Daniela J. beteuerte bis zum Schluss, nicht gewusst zu haben, dass keine ärztliche Anordnung für die Injektion vorlag. Ihrer Aussage zufolge sei das Personal in der Kurzzeitpflegestation permanent überfordert gewesen. Die Station sei mit 17 Patienten voll belegt, die Arbeit zu zweit nur schwer zu bewältigen gewesen. Geschäftsführer Gerald W. (44) nannte die Personalsituation vor Gericht hingegen "normal". Nicht normal war, wie Ronny L. überhaupt an das verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel für die Injektion gekommen sein will. Nach seiner Aussage gab es ein geheimes Arzneimitteldepot mit nicht vorschriftsgemäß entsorgten Restbeständen von verstorbenen Patienten. "Das entsetzt mich", so der Geschäftsführer.

Daniela J. wurde zu sieben Monaten Haft, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Altenpfleger Ronny L., vorbestraft wegen Betrugs und Leistungserschleichung, bekam elf Monate auf Bewährung. Außerdem müssen beide jeweils eine dreistellige Summe an den Straßenkinder-Verein zahlen. Schon kurz nach der Tat war ihnen gekündigt worden, aktuell sind sie arbeitslos. Ronny L. erklärte gestern, nie wieder in einem Pflegeberuf arbeiten zu wollen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.03.2015

Frank Döring

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