Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Physiotherapeut beteuert am Leipziger Landgericht: Witwe auf Wunsch getötet

Prozess um Mord Physiotherapeut beteuert am Leipziger Landgericht: Witwe auf Wunsch getötet

Der wegen Mordes an einer reichen Witwe angeklagte Physiotherapeut bestreitet, sie aus Habgier umgebracht zu haben. Vielmehr habe er die 90 Jahre alte Frau in ihrer Villa in Leipzig-Probstheida auf ihr Verlangen hin getötet. „Ich wollte sie erlösen“, so der 63-Jährige.

Am Landgericht Leipzig: Der Angeklagte will nicht erkannt werden.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der wegen Mordes an einer reichen Witwe angeklagte Physiotherapeut bestreitet, sie aus Habgier umgebracht zu haben. Vielmehr habe er die 90 Jahre alte Frau in ihrer Villa in Leipzig-Probstheida auf ihr Verlangen hin getötet. „Ich wollte sie erlösen“, sagte der 63-Jährige, der sich am Donnerstag vor dem Landgericht Leipzig mehr als vier Stunden zu den Anklagevorwürfen äußerte.

Die Staatsanwaltschaft lastet Wolfgang H. an, die allein lebende Seniorin in der Nacht vom 28./29. Juli vorigen Jahres zunächst mit einem Äther-getränkten Tuch betäubt und ihr dann in ihrem Bett ein Kissen auf das Gesicht gedrückt zu haben. Die Frau, die dabei auch Verletzungen am Oberkörper erlitten hatte, war laut Obduktionsergebnis erstickt.

Den Schilderungen des Angeklagten zufolge hatte er die Zahnarzt-Witwe („eine Grand Dame“ mit Pelzen und viel Schmuck, wie er sagte) und ihren Lebensgefährten bereits 2013 kennengelernt. Sie hätten physiotherapeutische Leistungen gewünscht, so sei es zu seinen Hausbesuchen in der Villa gekommen. Erst Ende Mai 2015 habe ihn dann Edith A., die keine Kinder hatte, plötzlich angerufen und um Unterstützung beziehungsweise Betreuung gebeten. „Meine Ehefrau hat danach die Bankgeschäfte übernommen, ich Garten, Haus, Auto und Arztbesuche.“ Nachdem der Lebenspartner der Seniorin im Juli 2015 gestorben war, habe Edith A. oft der Lebensmut verlassen. „Zu ihrem 90. Geburtstag Ende Juni 2016 war sie aber wie ausgewechselt, richtig happy.“ Danach jedoch sei sie sehr hinfällig, sehr schwach geworden. Sie habe ihren toten Partner, den sie Bärchen nannte, sehr vermisst. Auf ihren Wunsch hin habe er deshalb eine Flasche Äther aus der Apotheke besorgt. In der Tatnacht, in der er erstmals wegen des schlechten Gesundheitszustandes mit in der Villa übernachtete, habe sie gesagt: „Bitte hilf mir, ich habe solche Schmerzen, hole die Flasche. Ich will zu meinem Bärchen.“ Seiner Interpretation nach habe sie sterben wollen. „Sie war so lebensmüde.“ Er habe nur getan, was sie verlangte. Dazu der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf: „Aber Sie sind doch kein kleiner Junge!“

Der Richter konfrontierte ihn mit einer Vielzahl von Zeugenaussagen aus den Akten. Demnach hatte die 90-Jährige etlichen Personen erzählt, dass Wolfgang H. und seine Frau ihr nach dem Leben trachten würden, hinter ihrem Geld her seien und sie um 40 000 Euro zur Eigenheim-Kredit-Finanzierung angebettelt hätten. Der Hausärztin waren solche Anschuldigungen auch bekannt. So wurde am Todestag ein Rechtsmediziner eingeschaltet, der die Polizei alarmierte. Der Angeklagte kann sich die Beschuldigungen nicht erklären: „Ich habe ihr nie einen Cent weggenommen.“ Für die Hilfe habe er zuletzt 200 Euro monatlich erhalten.

Am 31. Juli 2016 zeigte sich Wolfgang H., Vater eines erwachsenen Sohnes, selbst bei der Polizei an. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Seiner Ehefrau, seiner dritten, schreibt er regelmäßig Briefe aus dem Gefängnis. Auch sie soll in dem bis 2. März laufenden Prozess vernommen werden.

Von Sabine Kreuz

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Leipzig
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Hier erreichen Sie das Ordnungsamt

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Leipziger Ordnungsamt. mehr