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Polizeiticker Leipzig Planenschlitzer gesteht Staubsauger-Coup
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Planenschlitzer gesteht Staubsauger-Coup
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06:01 28.08.2018
Angeklagter Dawid P. Quelle: André Kempner
Leipzig

Sie plünderte Lkw-Ladungen und setzte dabei auf professionelle Arbeitsteilung: Eine Bande von Planenschlitzern machte im Frühjahr im großen Stil Autobahn-Rastplätze rund um Leipzig unsicher. Nun legte ein Mitglied am Montag beim Prozess am Amtsgericht ein Geständnis ab – und verließ das Justizgebäude als freier Mann.

„Nachschauer“ und „Entleerer“

Dawid P. (40) spielte in der durchorganisierten Bandenstruktur wohl eher eine untergeordnete Rolle. Nach Erkenntnissen der Ermittler bestand die Planenschlitzer-Gang aus zwei Gruppierungen: Die „Nachschauer“ spionierten mögliche Ziele aus, indem sie an den Planen der Lkw unauffällige, kleine Schnitte setzten und dann mit einer Teleskopkamera die Ladung begutachteten. Damit habe man herausfinden wollen, ob stehlenswertes Gut geladen war und ob es Abnehmer dafür gibt, erklärte Staatsanwalt Ralph Hornig. Erwies sich ein Laster als lohnenswert, kamen die „Entleerer“ ins Spiel. Sie folgten dem Lkw mit einem Kleintransporter und räumten nachts im Schutz der Dunkelheit die Ladefläche leer.

Hubschrauber mit Wärmebild

Der aus Polen stammende Angeklagte sollte den Tatvorwürfen zufolge Schmiere stehen, als seine fünf Komplizen in der Nacht zum 16. Mai am Rastplatz Birkenwald auf der A 14 zwischen Leipzig-Mitte und -Nord zuschlugen. Aus einem ungarischen Lkw holten sie mehr als 200 Staubsauger und versuchten dann auch noch, aus einem anderen Laster Fahrräder zu stehlen. Dawid P. parkte währenddessen mit einem Mercedes an der Einfahrt des Rastplatzes, wie er vor Gericht einräumte, um seine Kumpane zu warnen, wenn die Polizei eintrifft. Das klappte jedoch nicht so gut. So konnte ein Zivilfahnder der Kripo unbemerkt die Tatverdächtigen beobachten und Verstärkung anfordern. Kurz darauf war ein Polizei-Hubschrauber in der Luft und filmte mit einer Wärmebildkamera, wie die Bande den Lkw plünderte.

1000 Zloty Belohnung

Gegen 2.15 Uhr nahmen Beamte Dawid P. fest, er kam in Untersuchungshaft. Einsatzkräfte folgten auch dem Transporter mit dem Diebesgut. Doch plötzlich stoppte der Fahrer mitten auf der Autobahn, rannte weg und ließ das Auto voller Staubsauger zurück. Die anderen Täter schlugen sich noch an der Raststätte in die Büsche. „Ich habe mitgemacht, weil ich Geld verdienen wollte“, gestand Dawid P., die Bande habe ihm für den Job 1000 Zloty, etwa 240 Euro, versprochen. Als Bauarbeiter in Polen bekomme er monatlich 2500 Zloty. Seine Lebensgefährtin ist arbeitslos, am 6. August kam das gemeinsame Kind zur Welt.

Untersuchungshaft „schrecklich“

Angesichts der Einkommenssituation sei das angebotene Geld fürs Mitmachen „nicht unerheblich“, wie Richterin Ines Walther erklärte. Die Vorwürfe wiegen dennoch schwer. „Derartige Taten führen zu einer erheblichen Unruhe, nicht nur bei Lkw-Fahrern“, so die Richterin. Daher war es einzig sein Geständnis, das Dawid P. vor einem längeren Knastaufenthalt bewahrte. Das Gericht hatte ihm zugesichert, im Falle einer Einlassung eine Bewährungsstrafe auszusprechen. Die drei Monate in Untersuchungshaft empfand der Beschuldigte bereits als „schrecklich“. Mithin wurde er wegen gemeinschaftlichen schweren Bandendiebstahls zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, wie es auch die Staatsanwaltschaft beantragt hatte. Verteidiger Denis Matthies forderte für seinen Mandanten vier Monate weniger.

Von Frank Döring

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