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Pleite für die Anklage: Drogenprozess in Leipzig geplatzt

Es geht um Grundstoff für 2,3 Tonnen Crystal Pleite für die Anklage: Drogenprozess in Leipzig geplatzt

Böse Schlappe für die Leipziger Staatsanwaltschaft: Der Prozess gegen einen Leipziger Pharmahändler ist am Dienstag am Landgericht Leipzig vorerst geplatzt.

Die Angeklagten beim Prozessbeginn vor dem Landgericht Leipzig.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Die zuständige Kammer hob auch den Haftbefehl gegen den 33-Jährigen und einen 46 Jahre alten Mitangeklagten ohne Auflagen auf. Wann die Verhandlung von vorn startet, ist noch offen.

Die Verteidiger hatten zu Beginn des Prozesses, noch vor der Verlesung der Anklage, beantragt, das Verfahren auszusetzen und ihre Mandanten umgehend aus der U-Haft zu entlassen.

Gut eine Stunde lang begründeten die Anwälte, weshalb aus ihrer Sicht gegen das Recht auf einen fairen Prozess verstoßen werde. Akten seien der Verteidigung nicht oder nicht vollständig übermittelt worden. Die Anklage der Staatsanwaltschaft sei „misslungen“.

Die in Drogensachen erfahrene Staatsanwältin Elke Müssig konterte: Das im Strafprozess geltende Beschleunigungsgebot erlaube auch, die Ermittlungen vorläufig abzuschließen. Zudem sei es gängige Praxis, dass Unterlagen auch nachgereicht würden.

Spätes Rechsthilfeersuchen

Die Kammer mochte der Argumentation der Anklägerin nicht folgen. Besonders bemängelten die Richter, dass „Aktenkonvolute“ noch nach Anklageerhebung aufgetaucht seien. Kritisch bewerteten die Juristen vom Landgericht auch, dass die Staatsanwaltschaft erst am 15. Juni ein Rechtshilfeersuchen an tschechische Kollegen geschickt hätten. Die Beamten aus dem Nachbarland sollen Erkenntnisse darüber sammeln, ob der verarbeitete Crystal-Grundstoff tatsächlich aus Leipzig stammt. Das Bundeskriminalamt hatte bereits im Februar ein solches Hilfsersuchen angeregt.

Der Beschluss der Kammer ist unanfechtbar. Wann wieder verhandelt wird, ist unklar. Die bereits bis in den Dezember anberaumten Termine wurden aufgehoben. Die Staatsanwaltschaft muss nun ihre Anklage nachbessern.

Der Leipziger Pharmahändler Peter F. steht wegen des Rekordfundes eines Crystal-Grundstoffes vor Gericht. Der Mann soll nach Angaben des Landgerichts Leipzig insgesamt 4,1 Tonnen Chlorephedrin bestellt und nach Tschechien weitergegeben haben. Dort soll die Chemikalie in Drogenküchen zu Crystal weiterverarbeitet worden sein.  

Deutsche und tschechische Drogenfahnder hatten im vorigen November in Leipzig und Prag eine Reihe Verdächtiger festgenommen. Insgesamt 2,9 Tonnen Chlorephedrin wurden beschlagnahmt. Noch nie sei in Deutschland so eine große Menge sichergestellt worden, hieß es damals. Aus der Chemikalie hätten laut Bundeskriminalamt 2,3 Tonnen Crystal im Straßenverkaufswert von 184 Millionen Euro hergestellt werden können.

Sparkasse erstattet Anzeige

Einem Bericht des Spiegel zufolge brachte die Sparkasse die Ermittler auf die Spur des Angeklagten. Auf dem Geschäftskonto des Mannes seien Bareinzahlungen von mehr als 890.000 Euro eingegangen. Auch auf das Konto der Mutter sollen hohe Beträge gebucht worden sein. Das Geldhaus habe Geldwäsche vermutet und den Kunden angezeigt.

Dem Magazin zufolge hat F. das Chlorephedrin in der Schweiz gekauft und als „Erprobungsware“ deklariert. Später will er den Stoff in Hamburg vernichtet haben lassen. Die Ermittler glauben aber, dass der 33-Jährige nicht den Drogengrundstoff entsorgen ließ, sondern statt dessen zum Verwechseln ähnliches Streusalz, welches er für ein Schnäppchen von unter 1000 Euro in einem Leipziger Baumarkt besorgt haben soll.

Das Chlorephedrin habe er laut Spiegel dann an Mittelsmänner verkauft. Es sei in ein Auto verpackt und auf dem Parkplatz an der Red Bull Arena abgestellt worden. Dort hätten es die Zwischenkunden angeblich übernommen. Später soll es dann nach Tschechien weitergereicht worden sein.

Das Landgericht Leipzig muss nun klären, was der 33 Jahre alte Pharmahändler tatsächlich von den Drogenküchen wusste. Die Anklage wurde allerdings schon im Vorfeld stark eingedampft. Statt 13 ließ die Strafkammer nur einen einzigen Beihilfe-Fall überhaupt zur Hauptverhandlung zu.

Den Richtern fehlte es an Beweisen, dass aus dem Chlorephedrin in Tschechien tatsächlich Crystal produziert wurde. Der bloße Handel mit der Chemikalie ist nämlich nicht strafbar.

Sabine Kreuz/Matthias Roth

 

Leipzig Landgericht 51.333586 12.371381
Leipzig Landgericht
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