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Polizei-Psychologin nach Leipziger Leichenfund: Täter oft aus direktem Umfeld der Opfer

Polizei-Psychologin nach Leipziger Leichenfund: Täter oft aus direktem Umfeld der Opfer

Leipzig/Hannover. Nach dem Fund einer zerstückelten Leiche am Leipziger Elsterbecken stellt sich die Frage: Was treibt Menschen zu einer solch grausamen Tat? Mit diesem Thema beschäftigt sich Sibylle Dörflinger, Leiterin der Zentralstelle für Gewaltdelikte des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen.

Sie ist Expertin für die operative Fallanalyse, eine Methode, die in den USA als Profiling bezeichnet wird, und vor zehn Jahren den Weg nach Deutschland gefunden hat.

„Jeder Täter spricht durch seine Tat", sagt Dörflinger. „Wir analysieren sie, schließen daraus auf die Motive und können so ableiten, welcher Personenkreis in Frage kommt", erklärt die Psychologin gegenüber LVZ-Online. Dabei greifen die Experten für operative Fallanalyse - im LKA Niedersachsen sind es insgesamt fünf - auf die Ergebnisse der Spurensicherung und die Untersuchung der Gerichtsmediziner zurück.

Dass ein Opfer zerstückelt wird, ist laut Dörflinger eher die Ausnahme. Lediglich 44 solcher Fälle habe es zwischen 1966 und 2009 in Deutschland gegeben. „Das Zerteilen steht dabei in unmittelbarem Zusammenhang mit der Tötung", weiß die Expertin. „Wer zerstückelt hat, hat auch getötet."

Opfer werden häufig aus pragmatischen Gründen zerlegt

In zwei von drei Fällen sei die Tötung jedoch nicht beabsichtigt. „Meist eskalieren Konflikte, zum Beispiel, wenn Drogen oder Alkohol im Spiel sind. Dann ist die Wahrnehmung verzerrt und die Hemmschwelle für Gewalt niedriger", erklärt Dörflinger. Die Opfer würden in diesem Fall aus eher pragmatischen Gründen zerlegt, um die Leiche unbemerkt zu beseitigen. „Die Täter sind überwiegend Männer zwischen 30 und 40 Jahren. Bildungsgrad oder Beruf spielen dabei keine Rolle. Das Zerteilen der Leichen ist daher kein Phänomen einer bestimmten sozialen Schicht oder Zugehörigkeit", betont Dörflinger. Häufig würden die Leichenteile von den Tätern in der Nähe ihrer Wohnorte im Freien, Wäldern oder Gewässern abgelegt. „Oft ist der Tatort die Wohnung von Täter oder Opfer", so Dörflinger.

Während sich bei einer Verstümmelung von Genitalien meist auf ein Sexualdelikt schließen ließe, könne ein nackter Leichnam auch andere Gründe haben. „Das kann aus eher pragmatischen Gründen geschehen. Eine nackte Leiche lässt sich unter Umständen einfacher zerteilen als eine bekleidete", erklärt Dörflinger.

„Wir suchen nach dem normalen Bürger von nebenan"

Weitere, jedoch weniger häufige Motive seien die Befriedigung sexueller Fantasien durch das Zerteilen der Leiche oder der Wunsch, das Opfer zu vernichten. „In diesem Fall töten die Täter ihre Opfer aus Hass und Wut. Die Tötung ist ein Exzess, eine Art Overkill, der dann in Zerstückelung endet", weiß Dörflinger. Diese Motive machten jedoch lediglich fünf bis zehn Prozent der Fälle aus. Oft kämen die Täter aus dem direkten Umfeld der Opfer. „Häufig wird fälschlicherweise angenommen, die Täter seien psychotisch. Dies ist jedoch extrem selten der Fall", hat die Expertin erlebt. „Wir suchen eher nach dem normalen Bürger von nebenan."

Stefanie Büssing

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