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Polizei nimmt nach Schlägerei in Leipzigs vier Männer fest - "Es bestand Tötungsabsicht"

Polizei nimmt nach Schlägerei in Leipzigs vier Männer fest - "Es bestand Tötungsabsicht"

Leipzig. Die Leipziger Polizei ermittelt nach der schweren Schlägerei in der Leipziger Eisenbahnstraße wegen versuchten Totschlags.

Vier Männer wurde inzwischen festgenommen. „Es bestand Tötungsabsicht, entsprechende Äußerungen sind gefallen“, sagte Polizeisprecher Andreas Loepki gegenüber LVZ-Online.

Am Sonntagabend hatten sich gegen 21.45 Uhr Syrer und eine irakische Familie eine handfeste Auseinandersetzung vor einem Wohnhaus an der Einertstraße geliefert. Die Prügelei hat laut Loepki eine Vorgeschichte. Am Sonnabend war ein 15-jähriger Junge der irakischen Familie gegen 14 Uhr zunächst von zwei Syrern überfallen worden.

Die beiden Peiniger hatten es offenbar auf das Handy des Jugendlichen abgesehen. Der 15-Jährige, als Sportringer kampferfahren, habe sich zunächst gewehrt. Als ein dritter Schläger sich einmischte, sei sein Widerstand allerdings gebrochen gewesen. „Der Junge wurde zusammengeschlagen“, berichtete Loepki. Vorher habe er noch einen Messerangriff parieren können. Nach Angaben der Polizei soll der Jugendliche zuvor seine Gegenüber beleidigt und provoziert haben.

Der Iraker habe in den Folgestunden gemeinsam mit seinen Geschwistern in sozialen Netzwerken im Internet recherchiert und auf diesem Weg die Identität seiner Angreifer vom Nachmittag herausgefunden. Die Familie plante eine Anzeige bei der Polizei. Ein 26-jähriger mutmaßlich beteiligter Syrer bekam von den Plänen Wind und bat für 21 Uhr zu einem „klärenden Gespräch“ in ein Bistro an der Eisenbahnstraße.

Treffen im Bistro

Damit bekam die Auseinandersetzung aber erst noch zusätzlichen Schwung. Der 26-Jährige, laut Ermittler wegen anderer Delikte bereits polizeibekannt aber nicht zur Bewährung auf freiem Fuß, drängte die Iraker, zumindest auf die Anzeige zu verzichten. In dem Schnellrestaurant eskalierte die Situation vollends. Warum ist noch unklar.

Beide Gruppen, die Polizei geht von bis zu 30 Personen aus, lieferten sich zwischen Bistro und dem Mehrfamilienhaus an der Einertstraße regelrechte Jagdszenen. „Dabei kamen Messer, Zaunlatten, Steine und Eisenstangen zur Anwendung“, so der Polizeisprecher. Zeugen wollen auch Schüsse gehört haben. Das konnte die Polizei aber nicht bestätigen.

Die Familie rettete sich in letzter Sekunde ins Haus und hielt die Einganstür zu. Der Mob wütete dennoch weiter, schlug die Türfenster ein und traktierte die Menschen im Treppenhaus mit ihren Waffen. Als wenige Minuten später die Beamten eintrafen, waren die Beteiligten bereits geflüchtet.

Polizei wartet im Krankenhaus

„Im Laufe der Nacht erschienen aber mehrere Mitglieder beider Gruppen in Leipziger Krankenhäusern“, teilte Loepki weiter mit. Dort warteten bereits die Ermittler auf sie und nahmen zunächst die Personalien auf. Acht Personen seien verletzt worden, vier von ihnen schwer. Zwei Betroffene mussten sogar auf die Intensivstation verlegt werden. Eine Frau erlitt lebensbedrohliche Schnittverletzungen und wurde notoperiert. Laut Loepki schwebt die 22-Jährige aber nicht mehr in Lebensgefahr. Bei ihr handelt es sich nach Angaben der Beamten um die Schwester des 15-jährigen Irakers.

Für die Polizei beginnt nun die Kleinarbeit. Wer hat welche Taten begangen, wer ist verantwortlich für die wilde Prügelei? Laut Loepki befinden sich inzwischen vier Personen in Gewahrsam. Drei von ihnen müssen sich wegen versuchten Totschlags verantworten, darunter auch der 26 Jahre alte mutmaßliche Schläger vom Sonnabend. Er steht im Verdacht, der irakischen Frau die schweren Verletzungen mit einem Messer beigefügt zu haben. Seine beiden Kumpanen sind 24 und 31 Jahre alt.

Im Laufe des Montags sollen Haftbefehle beim Ermittlungsrichter beantragt werden. Weitere Tatvorwürfe sind: gefährliche Körperverletzung und schwerer Landfriedensbruch. In diesem Zusammenhang hat die Polizei einen 29-Jährigen vorläufig festgenommen.

Die Ordnungshüter will laut Loepki jetzt noch stärkere Präsenz im Stadtviertel zeigen. Der Konflikt solle nicht erneut aufflammen.

Zeugenhinweise nehmen die Ermittler direkt im Polizeipräsidium an der Dimitroffstraße 1 oder telefonisch unter der Rufnummer 0341 / 9664 6666 entgegen.

Matthias Roth

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