Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Polizisten nach Einsatz bei Leipziger Bezirksliga-Spiel vor Gericht

Prozess Polizisten nach Einsatz bei Leipziger Bezirksliga-Spiel vor Gericht

Auftakt im Prozess um einen Polizeieinsatz bei einem Fußballspiel in Zwenkau: Zweieinhalb Jahre nach der Partie stehen zwei Beamte wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt sowie Freiheitsberaubung vor dem Amtsgericht Leipzig.

Im Amtsgericht Leipzig begann am Donnerstag ein Prozess wegen Körperverletzung im Amt gegen zwei Polizisten.

Quelle: LVZ

Leipzig. Ein Fußballfest mit Familien im Publikum sollte es werden. Keineswegs galt die Bezirksliga-Spitzenpartie zwischen dem VfB Zwenkau und der BSG Chemie Leipzig als Risikospiel. Doch am Ende gab es einen Großeinsatz der Polizei in Zwenkau. Medien berichteten über ein „brutales  Vorgehen“ von Beamten, das ein juristisches Nachspiel haben werde.

Zweieinhalb Jahre nach der Partie vom 28. September 2013 begann am Donnerstag unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen am Amtsgericht Leipzig der Prozess gegen zwei Polizisten. Swen G. (36) und Sascha S. (28), damals eingesetzt bei der sogenannten Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE), müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt und Freiheitsberaubung verantworten. Staatsanwalt Ulrich Jakob lastete ihnen an, einen Fan der BSG Chemie „ergriffen, zu Boden geworfen und fixiert“ zu haben. „Dabei erlitt er Schürfwunden und Schmerzen“, so Jakob. Beide Beamte seien nicht zu derartigen Handlungen befugt gewesen, um die Identität feststellen zu können. Marco H. (27), der Betroffene, tritt als Nebenkläger auf. Richterin Andrea Niermann muss klären: War dieses Vorgehen der Beamten verhältnismäßig?

Rainer Wittner und Axel Kaufmann, die Verteidiger der Polizisten, sagen ja, sie wollen auf Freispruch hinaus. Nach Angaben des beschuldigten Polizeioberkommissars Swen G. waren Bereitschaftspolizei und BFE vom ursprünglichen Einsatzort, einem RB-Spiel in Leipzig, abgezogen worden, weil vor dem Spiel in Zwenkau ein dortiger Penny-Markt überfallen worden war. 20 bis 30 schwarz gekleidete, teils vermummte Personen, sollen das Geschäft geplündert, Tabak und Alkohol entwendet haben. Die Täter wurden im Stadion unter den Chemie-Fans vermutet. Nach dem Abpfiff des friedlichen Spiels sollte die Identität Verdächtiger festgestellt werden. „Binnen Sekunden eskalierte aber die Lage“, berichtete der Einsatzleiter vor Gericht.  Die Polizisten seien überrannt, beleidigt und bespuckt worden, sagte ein Zeuge.  

Angeklagter: Einsatz war verhältnismäßig – Kopfschütteln bei Chemie-Fans

„Die Polizei fing an, Fans einzukreisen und keiner wusste, warum. Alles wurde hektisch. Wir fühlten uns ungerecht behandelt“, sagte Marco H., der Nebenkläger. Er habe sich entschlossen, alles per Video aufzunehmen. In dieser Situation entschied sich Oberkommissar Swen G. „für einen taktischen Zugriff“. Denn Chemie-Fan Marco H. sei  verdächtigt worden, an diesem Penny-Markt-Überfall sowie noch an Angriffen auf Beamte im Stadion beteiligt gewesen zu sein. „Seine Flucht musste verhindert werden, der Zugriff war verhältnismäßig“, meinte der Beamte. Er  hatte Sascha S. angewiesen, ihn zu unterstützen. S. äußerte sich nicht vor Gericht.

Im Lager der Chemie-Anhänger wurden die Aussagen der Beamten am Donnerstag mit vehementem Kopfschütteln aufgenommen. "Am heutigen ersten Verhandlungstag offenbarte sich in sehr zynischer Art und Weise, wie die Sicht der Dinge von Beamten der Leipziger Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit/BFE sein kann. Das Opfer des Einsatzes – ein Fan der BSG Chemie – habe ihn beim maßlos übermotivierten Zugriff regelrecht 'angesprungen'", wiederholt Fabian Grundmann, Sprechers des BSG-Rechtshilfekollektivs, fassungslos die Aussage des Beamten. Mehrere Videos vom Geschehen in Zwenkau sollen dagegen aber deutlich die Überzogenheit und Brutalität der Beamten zeigen, so die Anhänger.

Der Prozess wird am 11. Februar fortgesetzt, dann soll es um Unterlagen über die einstigen Identitätsfeststellungen gehen. Wie Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz auf Anfrage sagte, wurden mittlerweile mehrere Personen aus dem Umfeld der BSG Chemie wegen Beleidigung von Polizeibeamten, versuchter Körperverletzung und Widerstandes rechtskräftig zu Geld- bzw. Freiheitsstrafen verurteilt. Der Überfall auf den Penny-Markt indes ist ungeklärt; das Verfahren wurde im März 2014 eingestellt. „Es bestand und besteht der Verdacht, dass die Personen, welche für diese Straftaten im Markt verantwortlich sind, der Ultra-Vereinigung ,Diablos’ der BSG Chemie zuzurechnen sind bzw. dieser nahe stehen.“ Bei einem der darauffolgenden Spiele der BSG Chemie hätten sich unbekannte Anhänger dieser Ultra-Vereinigung mit roten Penny-Plastiktüten vor dem Gesicht fotografieren lassen, so Schulz. Das Bild existiere noch im Internet.

Von Sabine Kreuz / mpu

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Leipzig
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Leipziger Ordnungsamt. mehr