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Postdiebstahl im großen Stil: DHL in Leipzig zieht Konsequenzen

Paketfahrer klaute hunderte Sendungen Postdiebstahl im großen Stil: DHL in Leipzig zieht Konsequenzen

Gestohlen statt geliefert: Fast ein Jahr lang zweigte ein Paketfahrer in Leipzig hunderte Sendungen ab. DHL zog nach LVZ-Recherchen inzwischen Konsequenzen und trennte sich von einer Fremdfirma. Empfänger können darauf hoffen, verschollene Post doch noch zu bekommen.

Bei DHL verschwanden in Leipzig über Monate hinweg hunderte Pakete. Ein 26-Jähriger Fahrer soll sie geklaut haben. Das Unternehmen zog inzwischen Konsequenzen. (Symbolfoto)
 

Quelle: dpa

Leipzig/Zwenkau.  Die Polizei spricht von einem der größten Fälle von Postdiebstahl im Raum Leipzig in jüngster Zeit: Über fast ein Jahr soll ein Fahrer aus Zwenkau hunderte Pakete und Briefe von DHL gestohlen haben. Mindestens 350 Sendungen entwendete der 26-Jährige, der für eine Servicefirma tätig war, öffnete sie und verkaufte den Inhalt im Internet – bis Ermittler dem Mann Anfang April das Handwerk legten. Wie die LVZ erfuhr, hat DHL inzwischen Konsequenzen gezogen. Nach Polizeiangaben waren vor allem Postempfänger im Landkreis Leipzig betroffen – diese können nun darauf hoffen, ihre gestohlenen Sendungen doch noch zu erhalten.

Smartphones und Notebooks im Internet verkauft

Bei der Polizeidirektion Leipzig, die den Fall vergangene Woche bekannt machte, laufen die Ermittlungen aktuell auf Hochtouren. Derzeit erfolge die Datenauswertung, um bereits erstattete Anzeigen dem Diebesgut zuzuordnen, sagte Behördensprecherin Maria Braunsdorf am Mittwoch der LVZ. Rund 350 Sendungen und 192 lose Asservate waren bei der Durchsuchung in der Wohnung des Zwenkauers am 4. April beschlagnahmt worden. Sobald die Pakete durch die Staatsanwaltschaft freigegeben seien, könne eine Übergabe an die Eigentümer erfolgen, so Braunsdorf. Die Sendungsverfolgungsstelle von DHL werde sich dann direkt mit den Empfängern in Verbindung setzen.

Von Juni 2016 bis April 2017 soll der 26-Jährige die Abwesenheit von DHL-Mitarbeitern ausgenutzt haben, um Pakete und Briefe zu stehlen. Er hatte als Fahrer des Servicepartners uneingeschränkten Zutritt zu den Zustellstützpunkten und dem Postfrachtzentrum in Lützschena-Stahmeln. „Inhalte waren neben Telefonen – überwiegend Smartphones – auch Notebooks und diverse andere Gegenstände. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um Wertsachen, sondern teilweise auch Gegenstände mit geringem materiellen, dafür höherem ideellen Wert“, berichtete Braunsdorf. Der Paketfahrer handelte nach bisherigen Ermittlungen als Einzeltäter. Er befindet sich auf freiem Fuß. Da er bislang nicht polizeilich in Erscheinung getreten sei, hätten keine Haftgründe vorgelegen, erklärte Braunsdorf.

Die Sendungen verschwanden laut Polizei im Postfrachtzentrum in Lützschena-Stahmeln

Die Sendungen verschwanden laut Polizei im Postfrachtzentrum in Lützschena-Stahmeln. (Archivfoto)

Quelle: Armin Kühne

DHL trennt sich von Firma und spricht Hausverbot aus

DHL bestätigte auf LVZ-Anfrage, dass es sich um den Fahrer einer beauftragten Fremdfirma gehandelt habe. Der Logistikriese reagierte konsequent: „Dem Fahrer wurde für unsere Objekte ein sofortiges absolutes Hausverbot ausgesprochen und das Transportunternehmen ist außerdem nicht mehr für uns tätig“, teilte Sprecherin Anke Blenn mit. Bei rund 4,3 Millionen täglich zugestellten Päckchen und Paketen sei „nie auszuschließen“, dass einzelne Sendungen verloren gingen. „Die Deutsche Post unternimmt alle sinnvollen Anstrengungen, um die Sicherheit während des Transports und in den Betriebsstätten zu gewährleisten“, betonte Blenn und nannte unter anderem Security-Mitarbeiter, Zugangskontrollen und Alarmanlagen als Beispiele. Sie wies zudem darauf hin, dass DHL bei Paketen im Fall von Verlust oder Beschädigung bis zu 500 Euro hafte – bei einer Versicherung auch für höhere Werte.

Der Paketdieb aus Zwenkau ist im Raum Leipzig aber offenbar kein Einzelfall. Die Polizei ist nach eigenen Angaben aktuell weiteren Postdieben auf der Spur, wie Braunsdorf auf Nachfrage mitteilte. Insgesamt acht Ermittlungskomplexe laufen dazu bei der Polizeidirektion Leipzig, die auch für die Kreise Leipzig und Nordsachsen zuständig ist. „Es gibt noch Fälle, die anderen Tätern zugeordnet werden. Einzelne Personen stehen hierbei bereits unter Verdacht“, erklärte Braunsdorf, ohne Details zum Tatvorgehen zu nennen. Dies könne die Ermittlungen gefährden.

Von Robert Nößler

Was Empfänger bei Paketverlust tun können

Betroffene, die ein Brief oder Paket nicht erhalten haben, sollten laut Polizei zunächst das beauftragte Logistikunternehmen kontaktieren. „Hier kann der Verlust angezeigt und eine Suchmeldung aufgegeben werden. Werden dann Unstimmigkeiten im Sendungsverlauf festgestellt, wird Strafanzeige bei der Polizei erstattet, welche die Ermittlungen aufnimmt“, erklärt Sprecherin Maria Braunsdorf.

Geschädigte könnten aber auch gleich Strafanzeige bei der Polizei stellen – entweder im Revier oder Online. Dabei sollten nach Möglichkeit Absender, Empfänger, Sendungsnummer und konkreter Inhalt mit Individualnummern angegeben werden, empfiehlt die Polizeisprecherin. So können die Gegenstände zur Fahndung ausgeschrieben – und beim Auffinden dem rechtmäßigen Eigentümer zugeordnet werden. nöß

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