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Probe für den Ernstfall: Leipziger Polizei übt für Terroranschlag

500 Einsatzkräfte beteiligt Probe für den Ernstfall: Leipziger Polizei übt für Terroranschlag

Um 23.14 Uhr ertönt der erste Knall. Menschen laufen wild umher, schreien panisch nach Hilfe, einige gehen zu Boden. Der östliche Teil des Leipziger Hauptbahnhofs verwandelt sich in diesen Minuten in ein Horror-Szenario.

Mehr als 500 Beamte der Bundespolizei waren am Dienstagabend bei der Terrorübung am Leipziger Hauptbahnhof im Einsatz.

Quelle: Dirk Knofe

Leipizg. Um 23.14 Uhr ertönt der erste Knall. Menschen laufen wild umher, schreien panisch nach Hilfe, einige gehen zu Boden. Der östliche Teil des Leipziger Hauptbahnhofs verwandelt sich in diesen Minuten in ein Horror-Szenario, das in den vergangenen Jahren immer wahrscheinlicher geworden ist: Die Bundespolizei probte hier in der vergangenen Nacht für den Ernstfall eines terroristischen Anschlags.

Platzpatronen und Knallkörper sorgten dabei für eine Menge Lärm, weshalb die Öffentlichkeit – eigentlich unüblich für eine solche Übung – zuvor informiert wurde. Dabei schienen aber die Besucher des Hauptbahnhofs ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein: Bis auf die extrem hohe Polizeipräsenz ließ nichts darauf schließen, dass eine derartige Übung auf dem Programm stand. Keine Schilder, keine Hinweise. So erlebte der ein oder andere Pendler, der gegen Mitternacht seinen Zug betrat oder verließ, eine unerwartete, nicht von allen positiv aufgenommene Überraschung.

Andere, die schon informiert waren, tummelten sich hingegen um den Übungsbereich, der das oberste Stockwerk in Höhe der östlichen Vorhalle umfasste. Zu sehen gab es aber nichts: Die Polizei schirmte das Feld mit Sichtschutzzäunen erfolgreich vor neugierigen Blicken ab. Neben der ohrenbetäubenden Tonkulisse war deshalb das einzige, was von außen wahrzunehmen war, der Rauch, der aus den gezündeten Nebelgranaten aufstieg.

Rauch, Leute liegen am Boden, simulierte Explosionen: Das war die Terror-Übung am Leipziger Hauptbahnhof am Dienstagabend. Das Szenario sollte so realistisch wie möglich sein, der Bahnverkehr jedoch sollte weiterlaufen.

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Merbitz: Terrorgefahr ist Realität

Drei Durchgänge von jeweils einer knappen Dreiviertel Stunden Länge wurden zwischen 23 und 4 Uhr nachts durchgeführt. Mehr als 500 Einsatzkräfte waren beteiligt, 200 davon Statisten, die die panische Atmosphäre mit ihren Schreien so authentisch wie möglich machten. Gut 100 waren waren zudem als Beobachter tätig: Mit Kameras wurde die Szenerie zur späteren Analyse aufgezeichnet, in einem abgeschirmten Bereich tummelten sich – bewaffnet mit Oropax – leitende Polizeikräfte aus der ganzen Republik.

Darunter war auch Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz. Der zeigte sich vom Gezeigten schwer beeindruckt. „Die Gefahr von Terrorismus ist in Deutschland inzwischen Realität“, sagte er abschließend. „Deshalb ist es wichtig, dass besonders die Einsatzkräfte, die zuerst vor Ort sind, auf so etwas vorbereitet sind.“ Meint: Im Fokus der Übung standen nicht Sondereinsatzkommandos, sondern Streifen- und Bundespolizisten, Rettungssanitäter und auch das Sicherheitspersonal der Deutschen Bahn. Überzeugend war für ihn vor allem die Realitätsnähe sowie die Arbeit der Statisten, die die Beamten ganz bewusst einem hohen Stressfaktor aussetzen sollten. Das Ganze sei nicht nur eine taktische Probe, „sondern vor allem eine Übung für den Kopf. Es wird nicht die letzte sein.“

Es war deutschlandweit die erste Übung diesen Ausmaßes im Herzen einer Großstadt. Drei Attentäter, bewaffnet mit Sprengstoff, Granaten und Schnellfeuergewehren sah das Szenario vor, das an der Akademie der Bundespolizei entwickelt und in ein Regiebuch gegossen wurde. Jörg Baumbach, Präsident der Bundespolizeidirektion Pirna, bilanziert am Tag danach: „Die Bundespolizei vor Ort hat schnell, aktiv und entschlossen gegen die Täter vorzugehen, und genau das haben wir erfolgreich gesehen. Diese Übung hat meinen Einsatzkräften alles abverlangt.“ Die Ergebnisse und Erfahrungen dieser Nacht werden nun direkten Einfluss auf künftige Trainingsmaßnahmen haben. Baumbachs Pressesprecher Christian Meinhold begründet die Wahl Leipzigs als Schauplatz damit, dass der größte Bahnhof Mitteldeutschlands organisatorisch die besten Voraussetzungen geboten habe. „Kein Grund zur Sorge: Es besteht keine besondere Gefahrenlage hier in Leipzig.“

Ebenfalls unter den Beobachtern war Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. „Es gibt mehr als 5000 Bahnhöfe in Deutschland. Die Reisenden wollen Sicherheit. Um die zu gewährleisten, muss die Polizei so etwas regelmäßig proben – auch wenn es bedauerlich ist, dass das inzwischen erforderlich ist.“ Um die Sicherheit der Öffentlichkeit auch weiterhin zu gewährleisten, brauche es aber neben mehr Personal auch eine größere Anzahl angemessener Trainingsanlagen. Abhilfe schaffen soll unter anderem das Programm „Lebensbedrohliche Lagen“: Es sieht vor, dass jeder Polizist in Deutschland mindestens einmal an einer solchen Übung wie der im Hauptbahnhof teilnimmt.

Christian Neffe

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