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Prozess am Leipziger Amtsgericht: Rentner schubst Kind auf die Straße

Prozess am Leipziger Amtsgericht: Rentner schubst Kind auf die Straße

"Es ist nicht korrekt, dass Radfahrer auf dem Fußweg unterwegs sind. Das passiert leider alle Tage. Allerdings berechtigt es niemanden dazu, sie deshalb zu schubsen oder zu stoßen.

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Verhandlung am Leipziger Amtsgericht. Angeklagter schubste Jungen von Fahrrad. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Leipzig. " Das sagte Amtsrichterin Gabriele Kosbab am Dienstag mit Nachdruck zu einem 69-jährigen Angeklagten.

Auch wenn Peter S. ein derart rabiates Verhalten vehement bestritt, war die Richterin dennoch von seiner Schuld überzeugt. Sie verurteilte ihn wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr sowie vorsätzlicher Körperverletzung zu 600 Euro Strafe (60 Tagessätze à 10 Euro).

Der Vorfall in Leutzsch liegt bereits gut anderthalb Jahre zurück. Benjamin H. radelte am Abend des 13. November 2012 neben der Straße Am Ritterschlößchen zum Fußballtraining, als ihm der Angeklagte, eine Frau und deren vierjähriger Enkel entgegenkamen. Auf dem Fußweg. Sie wollten zu einem Laternenumzug. "Der Mann sagte zu mir, ich soll auf dem Radweg fahren und schubste mich. Mein Lenker drehte ein, ich fiel hin und lag mit dem Kopf auf der Straße", berichtete der jetzt 14-Jährige.

Rad und Junge waren so unglücklich verkeilt, dass er nicht mehr allein aufstehen konnte. Mehrere Pkw hielten daraufhin an, so dass dem Kind, das eine Prellung am rechten Knöchel, mehrere Hämatome und einen Schock erlitt, geholfen wurde. Der Angeklagte und seine Begleitung indes waren weitergelaufen. Unter den Autofahrern, die stoppten, befand sich auch Heike G., damals mit ihren Kindern unterwegs. "Ich sah, wie der Herr den Jungen mit ausgestrecktem Arm vom Fahrrad stieß. Absichtlich. Ich war entsetzt", so die 46-jährige Augenzeugin vor Gericht. Sie sei dem Mann zu Fuß gefolgt, habe ihn zur Rede gestellt. "Zunächst kam keine Reaktion. Dann hat er versucht, mich abzuschütteln. Ich dachte schon, ich bekomme Schläge." Das sei jedoch nicht passiert. Die Sachbearbeiterin wich Peter S. nicht von der Seite, bis Polizei kam.

Damals sagte der Senior, er sei sich keiner Schuld bewusst. Dabei blieb er auch am Dienstag. Seiner Darstellung nach gab es, als der Radfahrer ihn passierte, an Unterarm und Schulter eine Berührung. "Ich war entrüstet, hob den Arm, als er schon vorbei war und fragte, was das soll", so der Angeklagte. Von einem Sturz will er nichts mitbekommen haben. Sein Verteidiger plädierte auf Freispruch, die Staatsanwaltschaft allerdings auf schuldig und 700 Euro Strafe. Ursprünglich hatte der Angeklagte 2100 Euro (60 Tagessätze à 35 Euro) zahlen sollen. Aufgrund seines Einspruchs gegen den Strafbefehl war die Verhandlung anberaumt worden.

Wegen der geringen Rente setzte das Gericht die Sanktion herunter, kalkulierte das Mitverschulden des Jungen ein. Seinen Angaben zufolge nutzte er aus Angst, auf die verkehrsreiche Straße zu geraten, nicht den sehr schmalen Radweg, wollte am Fußgängerüberweg die Straßenseite wechseln.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.06.2014

Sabine Kreuz

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