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Prozess gegen Messerstecher vom Westwerk beginnt am Landgericht

Psychisch gestörter Täter Prozess gegen Messerstecher vom Westwerk beginnt am Landgericht

Gut ein Jahr nach der Messerattacke auf einen Türsteher und zwei Polizisten in Lindenau geht die Staatsanwaltschaft von versuchtem Totschlag aus. Die Behörde ist allerdings der Auffassung, dass der Angreifer (44) dafür nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, weil er schuldunfähig ist.

(Symbolfoto)

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. In einem sogenannten Sicherungsverfahren, das gestern am Landgericht begann, soll entschieden werden, ob Jörg T. weiterhin gefährlich für die Allgemeinheit ist und er dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen werden muss. Ein Gutachter hatte eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. In der Tatnacht, am 8. Juni 2014, hatte T. als Gast einer Party im „Westwerk“ an der Karl-Heine-Straße zunächst eine Auseinandersetzung mit drei Frauen. „Als er mir die Brille wegnahm, dachte ich erst an Spaß. Doch er gab sie mir nicht wieder“, berichtete Judith K. (28) gestern. Als ihr sein starrer Gesichtsausdruck auffiel, bat sie zwei Freundinnen um Hilfe – die Situation eskalierte.

Einer Frau versetzte der Mann einen Faustschlag ins Gesicht. Die Folgen: aufgeplatzte Lippen und ein abgebrochener Zahn. Die Security setzte den Schläger sofort vor die Tür, wobei es zu Komplikationen kam. Wie Staatsanwältin Katrin Minkus sagte, zog Jörg T. ein Küchenmesser mit 20 Zentimeter langer Klinge, wollte damit Türsteher Maxim K. (22) in die Brust stechen. „Er nahm tödliche Stichverletzungen in Kauf“, so die Staatsanwältin weiter. Geistesgegenwärtig wehrte Maxim K. den Angriff ab. „Ich dachte, es war ein Teleskopschlagstock“, berichtete der 22-Jährige, der Nebenkläger im Verfahren ist. Dann aber habe er Blut und den Stich gesehen. Noch immer verspüre er an der linken Hand ein Taubheitsgefühl.

Die Polizei wollte Jörg T. schließlich festnehmen. Der Aufforderung, das Messer fallenzulassen, kam der 44-Jährige aber nicht nach. „Trotz Ansprache und Pfefferspray-Einsatzes zeigte er keine Reaktion“, so Staatsanwältin Minkus. Zwei Polizeibeamte schossen daraufhin auf den Angreifer – er wurde am Oberkörper und rechten Arm getroffen und schwer verletzt. Das gegen die Beamten eingeleitete Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung im Amt ist inzwischen wieder eingestellt worden.

„Es tut mir leid, was passiert ist“, sagte Jörg T. gestern. Er habe unter Todesangst gelitten. „Ich war im Wahn, Parasiten in mir zu haben.“ Der Monteur, der in den 90er-Jahren auch als Handwerker an der Oper gearbeitet hatte, wurde bereits ab 2001 psychiatrisch behandelt, nahm 2014 jedoch keine Medikamente ein. „Jetzt kann ich mich relativ sicher bewegen – ohne Waffen“, erklärte er gestern. Urteil: voraussichtlich am 13. Juli.
Sabine Kreuz

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