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Prozess in Leipzig: Vergewaltiger jammert über Haft

Urteil am Amtsgericht Prozess in Leipzig: Vergewaltiger jammert über Haft

Sie kam von einer stressigen Nachtschicht auf der Intensivstation, als der Fremde über sie herfiel: Eine Krankenschwester ist in Leipzig-Eutritzsch auf offener Straße brutal vergewaltigt worden. Am Mittwoch wurde ihr Peiniger am Amtsgericht zu mehreren Jahren Haft verurteilt.

In Handschellen beim Prozess: Angeklagter Isaam H.
 

Quelle: Kempner

Leipzig..  Sie kam von einer stressigen Nachtschicht auf der Intensivstation, als der Fremde über sie herfiel: Eine Krankenschwester ist in Eutritzsch auf offener Straße brutal vergewaltigt worden. Am Mittwoch wurde ihr Peiniger am Amtsgericht zu mehreren Jahren Haft verurteilt.

 Es war am 11. Dezember 2016 gegen 7.10 Uhr, als Jeanette M. (39) an der Haltestelle „St. Georg“ aus der Straßenbahnlinie 16 stieg, um nach Hause zu gehen. Sie war so müde vom Dienst, dass sie während der Fahrt eingeschlafen war. Doch dann tauchte Isaam H. (30) auf, ein Tunesier, der seit 2013 hier lebt und mit seiner deutschen Ex-Lebensgefährtin zwei Kinder hat. Er sprach sie an, doch die Frau habe ihm „gefühlt hundert Mal“ gesagt, dass er sie in Ruhe lassen soll, so Staatsanwältin Franziska Rüdiger.

Allerdings ließ der Mann sich nicht so einfach abschütteln, verfolgte die Frau. In der Delitzscher Straße drückte er sie laut Anklage gegen ein geparktes Auto, zerrte ihr die Oberbekleidung hoch, biss sie in die Brust und versuchte, sie zu küssen. Dann soll er mit einer Hand in ihre Hose gefasst und mit dem Finger in sie eingedrungen sein. Als er seine Jeans öffnete, gelang es der Frau, sich loszureißen. Er holte sie ein, drückte sie nach Erkenntnissen der Ermittler im Wölkauer Weg gegen mehrere Mülltonnen. Sie stürzte, worauf er sich auf sie legte und, so Rüdiger, erneut versuchte, sie zu vergewaltigen. Wieder wehrte sie sich heftig und konnte flüchten. Zu ihrem Glück bekamen Anwohner etwas mit, und der Mann ließ endlich von ihr ab.

Obwohl die Polizei sofort nach dem Sextäter fahndete und in Tatortnähe einen Personenspürhund einsetzte, bekam sie Isaam H. monatelang nicht zu fassen. Als im März dieses Jahres Bilder des Verdächtigen zur Öffentlichkeitsfahndung freigegeben wurden, ging alles ganz schnell. Seither sitzt der mehrfach vorbestrafte Nordafrikaner in Haft.

Vor Gericht räumte er den Tatablauf ein, stellte die Begegnung mit der übernächtigten Krankenschwester an einem dunklen Wintermorgen jedoch als romantisches Tête-à-Tête dar. „Sie hat mir gefallen“, erklärte er. „Ich habe ihr gesagt, dass ich sie gern kennenlernen würde. Die Reaktion der Dame war sehr positiv. Dann haben wir einander geküsst.“ Der Sex am geparkten Auto und an den umgekippten Mülltonnen sei einvernehmlich gewesen.

Diese Einlassung bezeichnete die Vorsitzende Richterin Ines Walther als „lebensfremd und durch die Aussage des Opfers zweifelsfrei widerlegt“. Jeanette M. hatte in ihrer nichtöffentlichen Vernehmung die Übergriffe so geschildert, wie sie angeklagt waren. Für die tapfere Frau ein schwerer Gang: „Ich bin seit Monaten bei einer Traumatherapie, um das alles verarbeiten zu können“, sagte sie der LVZ. „Jetzt kommt es wieder hoch.“ Noch immer habe sie Angstzustände, schaut sich auf der Straße oft um, meidet dunkle Ecken.

Neben der Aussage des Opfers lagen etliche DNA-Spuren des Beschuldigten vor, die Rechtsmediziner an dem von Hämatomen und Kratzern übersäten Körper der Frau sicherten. „Es besteht kein Zweifel, dass der Angeklagte die Frau vergewaltigt hat“, so Richterin Walther. Trotz einer Alkoholisierung von mehr als drei Promille sei er schuldfähig. Denn nach Informationen der Rechtsmedizin dämpfte das ebenfalls konsumierte Kokain die Ausfallerscheinungen. Das Urteil nach sieben Stunden Hauptverhandlung: Drei Jahre Haft, wobei auch eine Vorstrafe wegen Schwarzfahrens mit einfloss. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und einen Monat gefordert. Verteidiger Friedemann Ahr, der aus Rücksicht auf die Intimsphäre seines Mandanten für das gesamte Verfahren die Öffentlichkeit ausschließen wollte, plädierte auf Freispruch. Am Ende jammerte Isaam H: „Ich habe im Gefängnis fünf Monate meines Lebens verloren.“ Die Richterin gab ihm auf den Weg: „Sie kommen aus einem andern Kulturkreis, aber auch in Tunesien ist Vergewaltigung strafbar. Nehmen Sie zur Kenntnis, dass in Deutschland derartige Taten nicht toleriert werden.“

Von Frank Döring

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