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Prozess in Leipzig nach Missbrauch an behindertem Mädchen

Angeklagter Freund des Vaters Prozess in Leipzig nach Missbrauch an behindertem Mädchen

Er war für sie ein väterlicher Freund – und wurde ihr schlimmster Alptraum: Ein 69 Jahre alter Mann soll zwischen Weihnachten 2014 und August 2016 die geistig behinderte Tochter einer befreundeten Familie regelmäßig sexuell missbraucht haben.

Angeklagter Norbert H. (rechts) mit seinem Verteidiger Malte Heise.
 

Quelle: Kempner

Leipzig.  Er war für sie ein väterlicher Freund – und wurde ihr schlimmster Alptraum: Ein 69 Jahre alter Mann soll zwischen Weihnachten 2014 und August 2016 die geistig behinderte Tochter einer befreundeten Familie regelmäßig sexuell missbraucht haben.

Staatsanwältin Juliane Zech legte dem Angeklagten Norbert H. zum Prozessauftakt am Mittwoch 41 Fälle zur Last, teilweise in Tateinheit mit Körperverletzung. In Einzelfällen habe er auch Fotos davon gemacht. Laut Anklage war er mit Simone S. (42) befreundet, deren Tochter Nicole (*) war alle zwei Wochen bei dem älteren Mann zu Besuch und übernachtete bei ihm. Regelmäßig sei es dabei zum Geschlechtsverkehr gekommen, heißt es in der Anklage. Das Mädchen war damals elf Jahre alt. Aufgrund eines frühkindlichen Hirnschadens ist Nicole jedoch zu 80 Prozent behindert und war zur Tatzeit auf dem Entwicklungsstand einer Sechsjährigen. Lange Zeit schwieg sie über die Pein, die sie ertragen musste. Zumal Norbert H. nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft nach jedem Übergriff gedroht habe, dass er ihre Freundinnen missbrauchen würde, wenn sie ihn verrate. Doch irgendwann erzählte sie ihrer Oma etwas. Und auch bei ihrem Psychologen, den sie seit frühester Kindheit regelmäßig aufsucht, berichtete sie über die quälenden Missbrauchsfälle. „Ich hätte das nie von ihm gedacht“, sagte ihre Mutter über den Mann, der die Freundschaft zur Familie ausgenutzt haben soll, um sich an der Kleinen zu vergehen.

Dabei ist Norbert H. bereits einschlägig vorbestraft. Der Vater von drei Kindern, dessen zwei Ehen in die Brüche gingen, missbrauchte schon seine heute 35-jährige Tochter, saß deshalb von 2000 bis 2002 hinter Gittern. Eine zweite Verurteilung ist aktenkundig, weil er sich am Kind von Bekannten verging.

Im aktuellen Fall wurden – im Ergebnis eines Rechtsgesprächs – 26 der 41 angeklagten Fälle vorläufig eingestellt, weil die dafür zu erwartende Strafe nicht ins Gewicht falle. Und: Die 3. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Norbert Göbel sicherte dem Angeklagten im Falle eines Geständnisses einen Strafrahmen zwischen fünfeinhalb und sechs Jahren Haft zu. Man wollte damit dem Opfer eine qualvolle Zeugenvernehmung vor Gericht ersparen. Über seinen Verteidiger Malte Heise räumte Norbert H. 15 Missbrauchsfälle im Schlafzimmer und Wohnzimmer seiner Wohnung ein. „Er hat das Heranwachsen des Kindes miterlebt“, so Heise, „es war ihm klar, dass das Mädchen bei den Taten noch im Kindesalter war.“ Auch einen Übergriff an einem Badesee gestand er. Diese Tat war bereits Gegenstand eines Verfahrens am Amtsgericht Grimma. Doch der Prozess platzte im Dezember 2016, nachdem der Angeklagte die Schülerin bedroht hatte, wenn sie gegen ihn aussagen sollte.

Eine Sicherungsverwahrung nach der Haftzeit hielt der psychiatrische Gutachter Matthias Lammel für nicht notwendig. Der Angeklagte wolle im Gefängnis eine Therapie machen, was erfolgversprechend wäre. Norbert H. sei jemand, der seine eigenen Bedürfnisse über die gesellschaftlichen Normen stelle, eine krankhafte Pädophilie liege nicht vor.

Der Prozess wird am 15. Mai fortgesetzt. (*Name des Opfers geändert)

Von Frank Döring

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