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Prozess nach Unfall auf der Autobahn 14: "Eine Familie aus den Fugen gerissen"

Prozess nach Unfall auf der Autobahn 14: "Eine Familie aus den Fugen gerissen"

Schon als Staatsanwalt Harald Römmer am Morgen im Amtsgericht die Anklageschrift verliest, fließen Tränen. Wilhelm P., der einen Unfall mit tödlichen Folgen auf der Autobahn 14 verursacht hat, sagt weinend: "Alles stimmt.

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Der Unfallort auf der A 14: Hier krachte ein Kleintransporter ungebremst auf einen Ford Fiesta (vorn, Mitte), dessen Fahrer gerade einen Reifen wechselte.

Quelle: Holger Baumgaertner

Leipzig. Es tut mir schrecklich leid." Als der 27-Jährige vor zwei Jahren das Begleitfahrzeug für einen Schwerlasttransport auf dem Weg von Erfurt nach Hamburg steuerte, schlief er am Steuer ein.

Sein Versagen kostete einen 50-jährigen Familienvater aus dem Landkreis Leipzig das Leben. Es war gegen sechs Uhr am 21. August 2012, als sich Michael U. auf dem Weg zur Arbeit befand. Mit einem Reifenschaden blieb sein Ford Fiesta ausgerechnet im Baustellenbereich zwischen den Anschlussstellen Taucha und Messegelände liegen. Der 50-Jährige wollte das vordere linke Rad wechseln und hockte neben seinem Pkw. Zuvor hatte er in ausreichendem Abstand ein Warndreieck aufgestellt und auch die Warnblinkanlage seines Autos eingeschaltet.

Doch darauf reagierte der Angeklagte im Kleintransporter, einem VW T4, überhaupt nicht. "Er fuhr erst in Schlangenlinien vor mir her und dann direkt auf das Auto zu", berichtet ein damaliger Augenzeuge der furchtbaren Kollision - ein Lkw-Fahrer - vor Gericht. "Was wollte ich denn machen?", fragt der 59-Jährige in die Runde. Die Erinnerung fällt ihm schwer. "Es sah schlimm aus."

Kinder ohne Vater

Durch den Zusammenprall erlitt der Fiesta-Fahrer offene Schädelbrüche und weitere schwerste Kopfverletzungen. "Die Ärzte im St. Georg haben um sein Leben gekämpft", so Amtsrichterin Claudia Webers gestern. Vergebens. Michael U. starb am 24. August. Er hinterließ Ehefrau und zwei Söhne, heute sieben und 25 Jahre alt. Die Witwe, Nebenklägerin, bricht immer wieder in Tränen aus: "Unsere Familie war von heute auf morgen zerstört. Mein kleiner Sohn wünschte sich zu Weihnachten, dass wir auf dem Friedhof den Papa wieder ausbuddeln." Sie habe damals ihre Arbeit mit der Begründung verloren, jemanden wie sie - mit einem fünfjährigen Kind - nicht brauchen zu können. Als es um Einzelheiten aus Obduktionsbericht und Dekra-Gutachten geht, verlässt die Witwe den Gerichtssaal.

"Was ist eine gerechte Strafe, wenn ein Mensch durch den Fehler eines anderen zu Tode kam und damit eine Familie aus den Fugen gerissen wird?", fragt Richterin Webers. Sie hoffe, dass durch das Urteil - anderthalb Jahre Haft auf Bewährung - der Rechtsfrieden hergestellt werden könne. Diese Sanktion hat der Staatsanwalt beantragt, Verteidiger Hagen Karisch bezeichnet sie als maßvoll. Wilhelm P., jetzt arbeitslos und in Bad Freienwalde in Brandenburg zu Hause, soll zudem 100 Stunden gemeinnützig arbeiten. Als Fahrer kann der gelernte Verfahrensmechaniker vorläufig nicht arbeiten, denn das Gericht verhängt eine Fahrerlaubnissperre für weitere anderthalb Jahre. Die Papiere hat P. aber längst nicht mehr. Nach mehreren Tempoüberschreitungen wurde er 2013 auch noch mit Drogen am Steuer erwischt. Lange Zeit konnte ihn die Justiz wegen mehrerer Umzüge nicht finden, so dass er mit internationalem Haftbefehl gesucht wurde. Im Mai 2013 kam er für zwei Wochen in Untersuchungshaft.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.06.2014

Kreuz, Sabine

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