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Prozess um Doppelmord in Leipzig: Spielt der Angeklagte den Kranken?

Landgericht hört Psychiater an Prozess um Doppelmord in Leipzig: Spielt der Angeklagte den Kranken?

Spielt er nur den psychisch Kranken oder war Faouzi A. (37), als er das tunesische Ehepaar in Leipzig getötet, die Leichen zerstückelt und im Naturbad Bagger versenkt hat, tatsächlich schwerst gestört? Dazu wurde gestern am Landgericht Leipzig ein Psychiater befragt.

Vor Prozessbeginn im Landgericht: Justizbeamte nehmen dem Angeklagten Faouzi A. die Handfesseln ab. Er sitzt seit August 2016 in Untersuchungshaft

Quelle: André Kempner

Leipzig. Spielt er nur den psychisch Kranken oder war Faouzi A., als er das tunesische Ehepaar in Leipzig getötet, die Leichen zerstückelt und im Naturbad Bagger in Thekla versenkt hat, tatsächlich schwerst gestört? Will der 37-jährige mutmaßliche Doppelmörder möglicherweise als schuldunfähig oder zumindest als vermindert schuldfähig gelten? Psychiater Mohammad Hasan versuchte darauf am Dienstag vor dem Landgericht, am mittlerweile elften Tag des Prozesses um den Doppelmord vom 23. Juli vorigen Jahres, Antworten zu geben.

„Ich bin ein kranker Mensch, ich brauche Medikamente.“ Diesen Satz habe ihm der Angeklagte gleich zu Beginn seiner Untersuchungen gesagt, so der Sachverständige vor Gericht. Berichtet habe ihm Faouzi A. zudem, dass mehrere seiner Familienmitglieder in Tunesien psychisch krank seien. „Es gibt aber keine Bestätigung dieser Familienanamnese“, so der Gutachter. Dass Faouzi A. 2003 einen Motorradunfall erlitt, in dessen Folge er Anfälle erleide und seither auch Stimmen höre, beruht allein auf eigenen Angaben. „In der Haftzeit seit August vorigen Jahres hatte er nie einen epileptischen Anfall, Zeugen haben dazu nie etwas beobachtet“, sagte Oberstaatsanwältin Claudia Laube. Sie erwähnte einen Vorfall in einer Zelle, bei dem der Angeklagte zwar nicht ansprechbar gewesen sei. Da habe er jedoch simuliert, so Laube.

Laut jüngster Untersuchungsbefunde besteht keine hirnorganische Beeinträchtigung, auch keine Intelligenzminderung. Zudem wurden Angaben des Angeklagten, in Leipzig massiv Drogen genommen zu haben, durch eine Haaranalyse entkräftet. Die Tests hätten nur einen geringen Konsum binnen drei Monate vor der Tat ergeben, zitierte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf aus Protokollen.

Tatsächlich bekommt Faouzi A. Neuroleptika – die Nervendämpfungsmittel sollen seine Aggressionen reduzieren. Nach seiner Unterbringung zunächst in der Justizvollzugsanstalt Dresden hatte der 37-Jährige massiv randaliert. Nach einem Bericht flutete er einen Haftraum, riss einen Heizkörper aus der Wand, zerstörte damit ein Fenster, um über Glasscherben zu verfügen. Schließlich wurde er in die Leipziger Haftanstalt verlegt.

Psychiater Hasan beschrieb den Angeklagten als sehr aggressiv, gefühlskalt, impulsiv, distanzlos und misstrauisch. „Er verletzt sich auch immer wieder selbst, hat zahlreiche Narben am ganzen Körper“, so der Psychiater. Er attestierte dem Angeklagten eine kombinierte Persönlichkeitsstörung. Sollte Faouzi A. den Doppelmord tatsächlich geplant und das Ehepaar aus Habgier umgebracht haben – wovon die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage ausgeht – war er laut Gutachter in seiner Steuerungsfähigkeit nicht eingeschränkt und daher voll schuldfähig. Nach seiner Version will der Angeklagte das Paar allerdings im Streit um ausstehenden Lohn getötet haben. Bei einer Tat im Affekt und dem Verlust der Impulskontrolle wiederum sei von einer verminderten Schuldfähigkeit auszugehen, so der Gutachter.

Das Gericht wird sein Urteil über Faouzi A., der in Tunesien und Deutschland massiv wegen Körperverletzungen und Diebstahls vorbestraft ist, voraussichtlich am 1. September verkünden.

Von Sabine Kreuz

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