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Polizeiticker Leipzig Prozess um Haus-Explosion in Leipzig: Denis S. bereut zutiefst
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Prozess um Haus-Explosion in Leipzig: Denis S. bereut zutiefst
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16:24 23.05.2018
Denis S. im Landgericht. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

„Ich habe unendlich viele Schuldgefühle. Es tut mir alles wahnsinnig leid. Ich bereue zutiefst.“ Diese Worte richtet der wegen elffachen Mordversuches angeklagte Denis S. (29) in einem Brief an seine frühere Nachbarin Anke W. (38) aus Leipzig-Meusdorf. Das Schreiben an die bei der Haus-Explosion im Barclayweg lebensgefährlich verletzte Bewohnerin kommt einem Geständnis gleich.

Hans Jagenlauf, Vorsitzender Richter am Landgericht Leipzig, verliest das Schreiben bei der Prozessfortsetzung am Mittwoch auf Antrag von Verteidiger Stephan Bonell. Selbst werde sich sein Mandant zunächst nicht äußern, sagt der Anwalt.

Die Staatsanwaltschaft wirft Denis S. vor, am 7. Oktober 2017 gegen 14 Uhr seine Drei-Raum-Wohnung in die Luft gesprengt zu haben. Er soll bis zu 20 Liter Kraftstoff als Brandbeschleuniger ausgegossen haben. Laut Anklage plante er, über seine Hausratversicherung Leistungen in Anspruch zu nehmen. Die Entzündung des entstandenen Luft-Gas-Gemisches sorgte für eine gewaltige Explosion.

„Die Tragweite und die Ausmaße waren mir nicht bewusst“, heißt es im Brief. Alles sei „unfassbar“. „Ich weiß nicht, was mich veranlasst hat, so etwas Schreckliches zu tun... Jeder fragt sich, warum? Ich kann es mir selbst nicht erklären“, zitiert der Richter. Er habe niemanden verletzen wollen, beteuert der Angeklagte.

Beschuldigter: „Ich habe Strafe verdient“

Denis S. schreibt, dass ihn Depressionen und Zukunftsängste geplagt hätten. Denn kurz zuvor sei er arbeitslos geworden, teilt der Bäcker mit, der zuletzt Auslieferungsfahrer für Essen auf Rädern war. Und: Er habe für seinen kleinen Sohn eine bessere Zukunft gewollt, so der alleinerziehende Vater. Dem Vernehmen nach lebt das Kind jetzt bei der Mutter des Angeklagten. „Es war eine Kurzschlussreaktion“, heißt es weiter in dem am 18. April verfassten Schreiben.

„Ich habe Strafe verdient. Ich wünschte, ich wäre gestorben.“ Er habe sich in Haft auch schon öfter selbst verletzt.

Anke W., an die der Entschuldigungsbrief adressiert ist, war an jenem Tag am schlimmsten betroffen. Als Mieterin im obersten Stock des fünfgeschossigen Mehrfamilienhauses blieb ihr der Fluchtweg durch das Treppenhaus versperrt. Als sie sich vom Balkon retten wollte, stürzte sie in die Tiefe und erlitt schwerste Verletzungen.

Drei weitere Bewohner wurden verletzt. Viele verloren ihr Zuhause, ihr Hab und Gut, wie sie am Mittwoch als Zeugen schilderten. Einige bekamen den Sachschaden durch ihre Versicherung ersetzt, andere wie der ehemalige Lokführer Frank S. (74) kämpfen immer noch darum. Allein der Schaden an dem LWB-Gebäude betrug mindestens 1,2 Millionen Euro.

Franziska L.: „Ich wollte eigentlich nach Leipzig ziehen“

Im Zeugenstand am Mittwoch auch: Franziska L. (29), die Lebensgefährtin des Angeklagten. Mit der Verkäuferin aus Gera hatte Denis S. eine Wochenendbeziehung. Sie bricht in Tränen aus, als Richter Jagenlauf sie nach den Beweggründen ihres Freundes für „diese Handlung“ fragt. „Ich kann es mir nicht vorstellen, nicht erklären.“ Denis S. hält den Blick gesenkt. Sie schaut ihn nicht an. „Ich wollte eigentlich nach Leipzig ziehen“, sagt sie zu ihren einstigen Plänen.

Franziska L. bestätigt vor Gericht, dass Denis S. am Tattag in Gera war. Während sie aber um 12.15 Uhr zu einer Beerdigung aufbrach, habe er in ihrer Wohnung bleiben, später Inline-Skates fahren wollen. Wie die Frau ging auch die Polizei anfangs davon aus, dass sich Denis S. zur Tatzeit gegen 14 Uhr in Thüringen aufhielt. Die Ermittlungen führten dann jedoch zur Verhaftung des 29-Jährigen am 23. Oktober. Seither ist er in Untersuchungshaft.

Nach Aktenlage war Denis S. auch gegenüber dem Psychiater weitgehend geständig. Das Gericht hat bis 15. Juni noch drei Prozesstage geplant.

Von Sabine Kreuz

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