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Prozess um Millionenbetrug bei Leipziger Wohnungsbaugesellschaft

Prozess um Millionenbetrug bei Leipziger Wohnungsbaugesellschaft

"Ich betrachte mich als unschuldig." Das stellte Ex-Aufsichtsrat Franz Joachim von M. gestern, am zweiten Tag im Prozess um den Millionenskandal bei der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG (WBG), gleich zu Beginn klar.

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Prozeß im Landgericht Leipzig wegen Wirtschaftsvergehen: Der Angeklagte beteuert seine Unschuld.

Quelle: André Kempner

Der 70-Jährige aus Nürnberg wies am Landgericht Leipzig alle Vorwürfe der Veruntreuung von Geldern zurück.

Vielmehr habe Mehrheitsaktionär Jürgen Schlögel (50) in dem Firmenimperium nach "Gutsherrenart" agiert.

"Ich kämpfe um Freispruch", so der schwer erkrankte 70-Jährige. Selbst während seiner gut anderthalbstündigen Aussage blieb er gestern an ein Sauerstoffgerät angeschlossen. "Es gab für mich damals keine Anhaltspunkte für eine Insolvenz. Ich hatte keinen Grund, misstrauisch zu sein." Wie berichtet, wirft die Staatsanwaltschaft dem einstigen Aufsichtsrat der WBG Untreue durch Unterlassen vor. Er soll nicht verhindert haben, dass trotz Zahlungsunfähigkeit der Firma im Herbst 2005 noch drei Millionen Euro an Schlögel geflossen sind, der Mehrheitsaktionär war.

Laut Staatsanwaltschaft hatte die WBG Leipzig-West ursprünglich 25 sogenannte Inhaberschuldverschreibungen mit einem Gesamtvolumen von 565 Millionen Euro aufgelegt, eingezahlt wurden 382 Millionen. Doch spätestens seit 1. Oktober 2005, als die 17. Inhaberschuldverschreibung fällig war, seien Rückzahlungen und andere Verbindlichkeiten nicht mehr bestritten worden - die Firma war pleite. Um den schweren Betrug von Tausenden Anlegern soll es in einem gesonderten Verfahren erst Ende nächsten Jahres gehen.

Der gelernte Versicherungskaufmann Franz Joachim von M. lernte Schlögel 1985 kennen, wurde von diesem mal hier, mal da eingesetzt. "Da fuhr er noch einen alten BMW", so von M. gestern. "Im Laufe der Jahre änderte sich sein Lebensstil, ich durfte ihn nicht mehr mit du ansprechen." Wie berichtet, feierte Schlögel rauschende Partys, verfügte über einen Luxus- Sportwagen-Fuhrpark. Rund 99 Millionen Euro soll er durch den Betrug von Anlegern kassiert haben. Doch das Verfahren gegen Schlögel wurde wegen dessen Verhandlungsunfähigkeit auf Eis gelegt.

Gemeinsam mit von M. noch auf der Anklagebank: Ex-Vorstand Pierre Klusmeyer (57) und Wirtschaftsprüfer Wolfgang W. (54). Beide äußerten sich gestern noch nicht. Möglicherweise könnte Klusmeyer mit einer Bewährungsstrafe davonkommen, sollte er bei der Prozessfortsetzung am kommenden Dienstag ein Geständnis ablegen. Für Wolfgang W., dem eine Verletzung der Berichtspflicht angelastet wird, beantragte Verteidiger Andreas Meschkat die Einstellung des Verfahrens. Im Gegenzug könne W. 150 Stunden gemeinnützig arbeiten sowie 2000 Euro zahlen. "Das ist nur ein symbolischer Betrag. Denn mein Mandant ist völlig mittellos", so Meschkat.

Der weitere Aufsichtsrat Matthias B., der wie berichtet zum Prozessauftakt nicht erschienen war, so dass Haftbefehl erging, sitzt unterdessen hinter Gittern. Der Rechtsanwalt habe sich selbst gestellt, hieß es gestern am Gericht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.12.2013

Sabine Kreuz/Frank Döring

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