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Prozess um Sex-Übergriff in Schkeuditz: "Ich hatte richtig Todesangst"

Prozess um Sex-Übergriff in Schkeuditz: "Ich hatte richtig Todesangst"

"Ich dachte, es ist mit mir vorbei. Ich hatte richtig Todesangst." Der nächtliche Überfall vor acht Monaten im Stadtpark Schkeuditz veränderte ihr Leben radikal.

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(Symbolbild)

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. "Ich habe jeden Moment Angst, dass mich jemand angreift, dass ich beobachtet werde." Nachts sehe sie Schatten, sie könne nicht mehr schlafen, habe Alpträume, schilderte die 25-jährige Verkäuferin am Mittwoch am Landgericht. Unter Tränen fügte sie hinzu: "Und meine Beziehung ist auch kaputtgegangen."

Am 4. September 2014 war sie, als sie den kleinen Hund ihrer im Krankenhaus liegenden Schwester Gassi führte, überfallen worden. Gestern begann der Prozess gegen Rudolf L. (28). Er war noch am Tatabend gefasst worden, saß zunächst für drei Monate in Untersuchungshaft. Staatsanwältin Antje Gasser lastete ihm sexuelle Nötigung, erpresserischen Menschenraub, versuchte räuberische Erpressung und Körperverletzung an.

"Was mir vorgeworfen wird, habe ich gemacht", räumte der Angeklagte gestern ein. "Ich kann mich aber nicht mehr an alles erinnern." Rudolf L. lebte seit Mai 2013 in Leipzig, jobbte als Bauarbeiter und wollte im Oktober 2014 eigentlich ein Studium beginnen. An dem Tattag hatte er vor, zu seiner Mutter nach Unterfranken, nach Bad Kissingen, zu trampen. Doch in Leipzig, am Hauptbahnhof, fand er keine Mitfahrgelegenheit. Also wollte er es seinen Angaben zufolge am Schkeuditzer Kreuz versuchen. Den ganzen Tag über hatte er Bier und Wein getrunken, zudem viele Joints geraucht. "Und dann habe ich richtig viel Scheiße gebaut." Als die junge Frau gegen 21 Uhr an ihm vorüberging, packte, bedrängte und betatschte er sie. "Er drückte ihr den Mund zu", so die Staatsanwältin.

Das Opfer wehrte sich. "Ich flehte ihn an, dass er mir nichts antut. Dann kam mir Geld in den Sinn. Ich bot ihm alles an, was ich zu Hause habe", so die 25-Jährige. Darauf sei der Täter eingegangen. Auf dem Weg zu ihrer Wohnung konnte sie entkommen. Denn als plötzlich ein Mann mit zwei Hunden erschien, rannte sie um Hilfe schreiend zu ihm.

"Intuitiv alles richtig gemacht", lobte gestern der Vorsitzende Richter Jens Kaden. "Sie sind selbst aus der Situation herausgekommen." Zwar hat sich der Angeklagte schriftlich bei ihr entschuldigt. "Ich habe das zur Kenntnis genommen. Verzeihen kann ich aber nichts", sagte die nach wie vor erheblich unter den Tatfolgen leidende junge Schkeuditzerin. Der Angeklagte zahlte bereits knapp 5000 Euro Schmerzensgeld. Das will die Frau voraussichtlich für eine Mutter-Kind-Kur nutzen. Die Höhe der Strafe für den Angeklagten scheint ihr unwichtig zu sein. Sie will nur noch mit diesem Kapitel abschließen. Verteidiger Ingo Stolzenburg: "Mein Mandant ist sich der Schwere der Tat bewusst." Urteil: 11. Mai.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.04.2015

Sabine Kreuz

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