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Prozess um verdurstetes Kind in Leipzig: Schock bei Obduktion

Prozess um verdurstetes Kind in Leipzig: Schock bei Obduktion

Neue erschütternde Details wurden am Dienstag im Prozess um den qualvollen Tod eines zweijährigen Jungen und seiner drogensüchtigen Mutter im Juni 2012 bekannt.

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Sozialarbeiter Tino H.: Er steht wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Bei der Obduktion der Kinderleiche stellten Rechtsmediziner fest, dass der kleine Kieron-Marcel schon Monate vor seinem Tod unter Unterernährung und Vernachlässigung gelitten hat.

"Es war erschreckend für uns", sagte Jan Dreßler, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin Leipzig, am Dienstag als Sachverständiger vor Gericht. "Kieron-Marcel war ein sehr stark unterentwickeltes, mangelernährtes Kind, regelrecht ausgezehrt." Bei der Obduktion habe der zwei Jahre und zwei Monate alte Junge nur noch 9,2 Kilogramm gewogen, normal seien 13 bis 19 Kilogramm. Die erhebliche Differenz lasse sich nicht dadurch erklären, dass der Kleine noch tagelang neben seiner toten Mutter in der Parterrewohnung in der Möckernschen Straße ohne Nahrung weiterlebte.

Vielmehr gebe es deutliche Anzeichen für eine längerfristige, mehrere Monate andauernde Mangelernährung, so Dreßler. Es sei denkbar, dass das Kind seit der letzten ärztlichen Untersuchung im April 2012 auf den schlimmen Zustand herunterhungerte.

Die seit ihrem 16. Lebensjahr drogenabhängige Christin F. (26) starb zwischen dem 7. und 10. Juni an einem Mix aus Heroin und Kokain - in der Szene als "Hot and cold" bekannt. Sie war damals im dritten Monat schwanger, so Dreßler, der Embryo war ebenfalls tot. Bei der Obduktion seien mehrere vernarbte und auch aktuelle Injektionsstellen festgestellt worden - Hinweise auf chronischen Drogenkonsum. Ihr kleiner Sohn verdurstete zwischen dem 13. und 14. Juni. Ihre Leichen wurden am 17. Juni entdeckt, weil Verwesungsgeruch durch das Treppenhaus drang.

Seit Januar versucht das Amtsgericht die Frage zu klären, wer die Schuld an dieser Tragödie trägt. Für die Staatsanwaltschaft ist es Tino H. (41). Der Sozialarbeiter habe Kontroll- und Überwachungspflichten verletzt, ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Der Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialdienstes (ASD) - mittlerweile ist er Leiter eines städtischen Schulhortes - hält sich für unschuldig. Gegen einen Strafbefehl - 120 Tagessätze à 40 Euro - ging er in Einspruch. In knapp drei Wochen will Amtsrichterin Elke Kniehase ihr Urteil verkünden.

Dabei drohte der Prozess Dienstagabend zu platzen: Nachdem Verteidiger Stephan Flemming mit vier Beweisanträgen scheiterte, stellte er gegen die Richterin einen Befangenheitsantrag. Der Anwalt wollte unter anderem den Ex-Jugendamtsleiter Siegfried Haller und die abgelöste ASD-Chefin Sybill Radig als Zeugen vor Gericht laden lassen, was von Kniehase abgelehnt wurde.

Flemming sah daraufhin bei der Richterin einen "Anschein von Willkür" und eine innere Haltung gegenüber seinem Mandanten, die Un­par­tei­lich­keit und Un­vor­ein­ge­nom­men­heit stö­rend be­ein­flus­sen könne. Ein aufsichtsführender Richter verwarf dieses Ablehnungsgesuch jedoch als unbegründet. Kniehase wollte dann trotz fortgeschrittener Stunde weiter verhandeln, am späteren Abend sogar noch ein Urteil verkünden. Dies soll nun am 26. Mai geschehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.05.2014

Frank Döring

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