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Qualvoller Tod einer reichen Witwe: Sieben Jahre Haft für Leipziger Physiotherapeuten

Urteil am Landgericht Qualvoller Tod einer reichen Witwe: Sieben Jahre Haft für Leipziger Physiotherapeuten

Der Leipziger Wolfgang H. (63) wurde vom Landgericht wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Er soll die 90-jährige Edith A. in ihrer herrschaftlichen Villa erstickt haben. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslänglich wegen Mordes, die Verteidigung eine Bewährungsstrafe wegen Tötens auf Verlangen gefordert.

Angeklagter Wolfgang H. (mitte) beim Prozess im Landgericht.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Urteil im Prozess um den gewaltsamen Tod einer reichen Zahnarzt-Witwe in Leipzig-Probstheida: Physiotherapeut Wolfgang H. (63) wurde am Donnerstag von der Schwurgerichtskammer des Landgerichts wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslänglich wegen Mordes, die Verteidigung eine Bewährungsstrafe wegen Tötens auf Verlangen gefordert. In der Nacht zum 29. Juli vorigen Jahres war die 90-jährige Edith A. in ihrer herrschaftlichen Villa zunächst mit einem Äther-getränkten Lappen betäubt und dann mit einem Kissen erstickt worden.

Für die Kammer unter Vorsitz von Richter Hans Jagenlauf bestand kein Zweifel an der Täterschaft. Wolfgang H. hatte bereits gegenüber den Ermittlern ein Geständnis abgelegt. Wie berichtet, hatte er sich am 31. Juli selbst bei der Polizei angezeigt, nachdem Ermittlungen zum Tod von Edith A. aufgenommen worden waren. Seither sitzt er in Untersuchungshaft, wo er auch einen Suizidversuch unternahm. Während des seit 26. Januar laufenden Prozesses äußerte sich Wolfgang H. ebenfalls umfassend. Vor der Urteilsverkündung sagte er: „Es tut mir unendlich leid, das war der schwerste Fehler meines Lebens.“

Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller wertete die Tat als heimtückischen Mord. „Es ging der Frau sehr schlecht und wie viele ältere und gebrechliche Menschen äußerte sie den Wunsch zu sterben“, so Müller. „Das ist aber keine Aufforderung, sie zu töten.“ Der Anklagevertreter räumte jedoch ein, dass in diesem Fall lebenslänglich – also mindestens 15 Jahre Gefängnis – im Verhältnis zu sonstigen Mordfällen unangemessen sei, das Gesetz für Mord aber keine andere Strafe zulasse. „Das ist eine Regellücke“, so der Staatsanwalt. An den Angeklagten gerichtet sagte er: „Ich hoffe für Sie, dass ein sächsischer Ministerpräsident Sie im Falle einer Verurteilung wegen Mordes nach einer angemessenen Zeit begnadigen wird.“

Verteidiger Stefan Wirth sprach von einem spontanen Töten auf Verlangen. „Es gab in der Tatnacht einen ausdrücklichen Todeswunsch“, meinte er. Edith A. habe in der Nacht starke Schmerzen gehabt. Zudem hatte sie Angst, Dialysepatientin zu werden. Nachdem sich am 14. Juli ihre Nierenwerte verdoppelt hatten, habe sie Wolfgang H. beauftragt, Äther zu besorgen. Wirth berief sich zudem auf den psychiatrischen Gutachter, wonach die Persönlichkeitsstruktur des Angeklagten ganz klar gegen eine Tötung aus materiellen Gründen spreche. „Er ließ sich in verhängnisvoller Weise dazu hinreißen, ihrem Wunsch zu folgen“, so der Verteidiger, „aus reinem Pflichtgefühl.“

Für eine Verurteilung wegen Mordes fehlten auch aus Sicht des Gerichts Beweise dafür, dass Wolfgang H. die 90-Jährige aus Habgier oder mit Heimtücke getötet hat. Auch wenn der Angeklagte selbst ein Testament aufgesetzt haben soll, in dem er sich als Alleinerben des Vermögens von Edith A. einsetzte. Zudem hatte die ältere Dame etlichen Bekannten erzählt, dass Wolfgang H. und seine Frau ihr nach dem Leben trachten würden, hinter ihrem Geld her seien und sie um 40 000 Euro zur Eigenheim-Kredit-Finanzierung angebettelt hätten. Allerdings wurde die Witwe von den Verfahrensbeteiligten als schwierige Persönlichkeit angesehen, deren Aussagen somit auch als weniger glaubwürdig einzustufen seien.

Doch auch für ein Töten auf Verlangen fehlten der Strafkammer die Voraussetzungen. Zwar sagte Edith A. mehrfach, sie wolle zu ihrem Bärchen, wie sie ihren 2015 verstorbenen Lebensgefährten nannte. Doch immerhin habe sie auch Zukunftspläne geäußert, gab Richter Jagenlauf zu bedenken, etwa mit ihrer Hausärztin über einen Umzug in eine Einrichtung für Betreutes Wohnen gesprochen. Für einen ernsthaften und dauerhaften Todeswunsch gebe es mithin keine Hinweise.

Deshalb kam für das Gericht nur eine Verurteilung wegen Totschlags in Betracht. „Es war ein Augenblicksversagen“, so Jagenlauf. „eine vollkommen falsche Entscheidung, die von Edith A. nicht gewollt war.“ Wolfgang H. habe die Seniorin nicht aus eigennützigen Motiven umgebracht, sondern aus Sorge und Mitleid. Allerdings sei ihr Tod nicht friedlich eingetreten, wie das Angeklagte geschildert hatte, sondern ein „mehrminütiger, qualvoller Todeskampf“ gewesen.

Von Frank Döring

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