Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Räuber auf Europa-Tournee - 25-Jähriger wegen Überfällen auf Tankstellen vor Gericht

Räuber auf Europa-Tournee - 25-Jähriger wegen Überfällen auf Tankstellen vor Gericht

Österreich, Niederlande, Italien, Belgien und zuletzt Deutschland - das sind nur einige Stationen des Lukas N. auf seiner Europa-Tournee. 2011 verließ er seine Heimat Tschechien, lebte seither auf der Straße.

Voriger Artikel
Versuchter Totschlag in Grünau: Trinker attackiert Bekannten mit Messer
Nächster Artikel
Bluttat in Leipzig-Paunsdorf: Verwirrter 31-Jähriger sticht Frau mit Messer nieder
Quelle: dpa

Leipzig. Mittellos reiste der Mechaniker für Forstmaschinen in Deutschland ein. "Ich habe keine Chance, Arbeit zu finden, weil ich zu wenig Deutsch spreche", sagte der 25-Jährige am Donnerstag am Landgericht. Dort musste er sich wegen gleich drei Tankstellen-Überfällen verantworten.

Betroffen waren laut Oberstaatsanwältin Beate Herber die Leipziger HEM-Tankstelle in der Theklaer Straße am 3. Juni 2014, Total in der Rackwitzer Straße am 4. Juni, Shell in Braunschweig am 10. Juni.

Unmittelbar nach dem dritten Beutezug in Niedersachsen ertappte ihn die Polizei. "Er wirkte resigniert, zuckte mit den Schultern, als er bemerkte, dass wir ihm im Streifenwagen folgten", erinnerte sich ein Beamter vor Gericht, der den Verdächtigen damals festgenommen hatte. "Er leistete keinen Widerstand." Schon in der ersten Vernehmung gab Lukas N. auf die eher beiläufige Frage, ob er so etwas schon in der Vergangenheit getan habe, freimütig seine zwei Überfälle in Leipzig zu. "Ohne Geständnis wäre die Aufklärung nicht möglich gewesen", sagte der Vorsitzende Richter Berthold Pfuhl. Jedenfalls nicht zeitnah, meinte auch die Oberstaatsanwältin. "Es hätte eines hohen technischen sowie Ermittlungsaufwands bedurft", so Herber. Vor allem seine Ehrlichkeit und die Tatsache, nicht gewalttätig geworden zu sein, werteten alle Prozessbeteiligten zu seinen Gunsten. Zu Lasten verbuchten sie jedoch die Folgeschäden für die betroffenen Mitarbeiter. So schilderte Kassierer Ingolf S. (42) über den Abend des 3. Juni, dass ihm erst, nachdem schon alles vorbei war, klar geworden sei, was hätte passieren können. "Ich war plötzlich wacklig auf den Beinen, mir wurde mulmig." Er habe dem Täter mit Gesten erklärt, dass sich die Kasse nicht öffnen lasse. So war Lukas N. ohne Beute geflohen.

Am Folgetag zeigte die erneut eingesetzte Waffe, die Verkäuferin Evelin K. (52) für echt hielt, Wirkung. "Er hat mir die Pistole vor den Körper gehalten." Nach der Bedrohung übergab sie etwa 600 Euro, mit der Lukas N. entkam. Nach dem Übergriff, der nur 35 Sekunden dauerte, ging es dem Opfer schlecht. Die 52-Jährige bekam Schlafstörungen, war eine Woche lang krank. Und auch Manuel G. (36) aus Braunschweig meinte, zum Glück habe ihn seine Familie aufgefangen. "Mein erster und hoffentlich letzter Überfall." Die Beute fiel mit 68,77 Euro gering aus. Sie stammte aus einer Not-Kasse. Üblicherweise "verschwindet bei uns das Geld gleich in einer Maschine". Bei der Festnahme stellte sich heraus: Lukas N. hatte eine Spielzeug-Waffe, eine Soft-Air-Pistole, eingesetzt.

Das Landgericht verhängte eine Haftstrafe von sechs Jahren und einem Monat, bezog ein vorangegangenes Urteil wegen Diebstahls mit ein. Die Staatsanwaltschaft wollte sechseinhalb Jahre Haft, die Verteidigung stellte keinen konkreten Antrag. "Wenn sich die Situation nicht ändert, wird er weitere Delikte begehen. Denn er selbst hat keinen Plan, keine Struktur", schätzte Psychiater Ralf Sternitzke ein. Lukas N. hatte nach dem Tod des Vaters 2006 jeglichen Halt verloren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.10.2014

Sabine Kreuz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Leipzig
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Leipziger Ordnungsamt. mehr