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Razzien bei einst führenden Neonazis in Leipzig und Rudolstadt - Ermittler finden Waffendepot

Razzien bei einst führenden Neonazis in Leipzig und Rudolstadt - Ermittler finden Waffendepot

Rudolstadt/Saalfeld/Leipzig. Mehr als 140 Polizisten haben am Mittwoch in Rudolstadt und Leipzig Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Sie ermitteln wegen des Verdachts auf Versicherungsbetrug, der in die rechtsextreme Szene führt.

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Quelle: Christian Nitsche

Zwei einst hochrangige Neonazis und V-Männer des Thüringer Verfassungsschutzes sollen in einen gewerbsmäßigen Bandenbetrug verstrickt sein, bei dem ein Schaden von mehr als einer Million Euro angerichtet worden sei. Dies erklärte Jens Wörmann, Sprecher der ermittelden Staatsanwaltschaft Gera, am Mittwoch gegenüber LVZ-Online. Bei der Razzia, die bis zum Nachmittag dauerte, haben die Ermittler auch ein Waffendepot ausgehoben.

Die beiden früheren NPD-Kader Tino Brandt und Thomas Dienel stehen im Verdacht, zusammen mit elf weiteren Personen mehrere Versicherungen mit fingierten Arbeitsunfällen um bis zu eine Million Euro betrogen zu haben. Während ein Großteil der Beschuldigten im thüringischen Rudolstadt lebt, ist Thomas Dienel seit geraumer Zeit Leipziger.

Neben dem einstigen Chef der Thüringer NPD sei nach Angaben der Geraer Staatsanwaltschaft auch der Messestädter Uwe-Michael E. ins Visier der Ermittler geraten. Während einer groß angelegten Razzia am Mittwochmorgen hat die Polizei unter anderem auch dessen Wohnung in der Nähe des Coppiplatzes im Stadtteil Gohlis durchsucht.

Waffenlager mit Streitäxten, Schwertern und Pistolen

Im Haus des früheren Neonazis und V-Mannes Tino Brandt in Rudolstadt sei eine ganze Reihe illegaler Waffen gefunden worden, hieß es. Dazu zählen ein Seitengewehr, eine Machete, zwei Streitäxte, eine Armbrust mit Köcher, Schwerter und zwei Schreckschusspistolen, die nun beschlagnahmt worden. Bei dem Waffenfund handelt es sich um ein gesondertes Verfahren.

Neben den Waffen stellten die Ermittler Dokumente und Computer sicher. In einem Fall wurden auch elf Hunde wegen unsachgemäßer Haltung mitgenommen und in ein Tierheim gebracht.

Laut Staatsanwaltschaft haben die Beschuldigten mehrere Firmen angemeldet und hier weitere Personen aus dem Verdächtigenkreis als Mitarbeiter eingestellt. „Über eine eigene Versicherungsagentur wurden schließlich preisintensive freiwillige Gruppen- und Privatunfallversicherungen mit überdurchschnittlich hohen Leistungen abgeschlossen“, heißt es aus Gera. Kurz nach Anstellung und Versicherungsabschluss soll es dann zu Arbeitsunfällen und anderen Schadensereignissen gekommen sein.

Firma aus Leipzig-Gohlis im Visier der Ermittler

Aufgrund der hohen vereinbarten Gehälter, die entsprechend versichert worden waren, seien daraufhin Entschädigungssummen von mehreren privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen gefordert worden. „Insgesamt geht es hier um eine Schadenssumme in Höhe von einer Million Euro. Mehr als 600.000 Euro wurden davon schon ausgezahlt, zum Teil in bar“, sagte Wörmann. Eine der betrogenen Versicherungen sei der Schwindel aufgefallen und diese habe dann Anzeige erstattet.

Bei den bisherigen Ermittlungen sei festgestellt worden, dass zwei der angemeldeten Firmen überhaupt nicht, ein drittes Unternehmen nur marginal geschäftstätig ist, heißt es aus Gera. Laut des Sprechers der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei einer der Firmen um eine Scout- und Modelagentur aus Leipzig, die ebenfalls in Gohlis ihren Hauptsitz hat.

Obgleich zwei bekannte, einst führende Neonazis unter den 13 Beschuldigten sind, spiele der rechtsradikale Hintergrund in diesem Fall allerdings laut Staatsanwaltschaft nur eine Nebenrolle. „Tino Brandt und Thomas Dienel ragen hier sicher heraus und andere Beschuldigte mögen auch aus dem Sympathisantenkreis kommen. Das lässt sich aber noch nicht mit Sicherheit feststellen“, sagte Wörmann.

Der beschuldigte Tino Brandt war in den 1990er Jahren Landesvorsitzende der NPD in Thüringen und Mitinitiator der Freien Kameradschaften und des Thüringer Heimatschutzes. Er war von 1994 bis 2001 V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes und sollte in dieser Zeit Informationen auch bei der letztlich erfolglosen Fahndung des 1998 untergetauchten Jenaer Mörder-Trios Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe liefern.

Dienel begann seine politische Karriere Anfang der 1990er als Geschäftsführer der so genannten Deutschen Sex Liga in Weimar. Später wechselte er zur NPD und stieg ebenso zum Landesvorsitzenden in Thüringen auf. Dienel wurde ebenso wie Brandt 2001 als Spitzel und Verbindungsmänner des Thüringer Verfassungsschutzes enttarnt.

Matthias Puppe/dpa

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