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Rechtsradikale Angriffe in Leipzig: „Die hatten Äxte und Baseballschläger“

Straßenterror in Leipzig Rechtsradikale Angriffe in Leipzig: „Die hatten Äxte und Baseballschläger“

Während am Montag in der Leipziger Innenstadt Legida und Pegida gemeinsam aufmarschierten und sich viele Leipziger dagegen engagierten, fielen etwa 200 bis 300 rechtsradikale Hooligans im alternativen Stadtteil Connewitz ein. Zwei Augenzeugen berichten über die Gewaltorgie.

Blick auf das Restaurant Shahia. Die rechten Hooligans sollen hier Stühle und Bänke durch die Scheiben hinaus geworfen haben.
 

Quelle: Kempner

Leipzig. Mehr als 200 rechtsradikale Hooligans haben am Montagabend in Leipzig-Connewitz gewütet. Während viele Leipziger sich in der Innenstadt mit Lichterkette und lautstarkem Protest gegen einen Aufmarsch von Legida und Pegida engagierten, griffen die Schläger im alternativen Stadtteil ungehindert Einzelhandel, ein Restaurant, mehrere Bars und Räume des Fußballvereins Roter Stern Leipzig an. In wenigen Minuten entstand ein Bild der Verwüstung. Augenzeugen David und Steffen haben die Randale der Rechten miterlebt.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen soll der rechte Mob mit Autos nach Connewitz angereist sein, die im Umfeld abgestellt worden waren. Nachdem sich die Hooligans dann formiert hatten, sah Steffen sie schon anrücken: „Ich kam gerade aus dem Konsum, als eine Horde schwarz gekleideter Männer die Biedermannstraße aus südlicher Richtung im Stechschritt hochmarschierte. Die ganze Straße war voll mit denen. Ich dachte erst, das ist eine Demo. Als die aber näher kamen und man auch blau-gelbe Hass-Masken sah, wusste ich: Das sind Faschos, die mitten durch Connewitz marschieren.“ Der Mob soll stillschweigend am Augenzeugen vorbeigelaufen sein, bog dann in Richtung Wolfgang-Heinze-Straße ab. „Es war ganz klar, die hatten ein konkretes Ziel“, so Steffen weiter.

In der Wolfgang-Heinze-Straße stand Daniel, wollte vor dem Haus von Freunden gerade eine Zigaretten rauchen. Auch er glaubte erst an eine Connewitzer Spontandemo. Als wenig später die Rechtsradikalen aber massiv Pyrotechnik und Böller auf die Häuser rings herum zu schießen begannen, dämmerte ihm: das sind Nazis mitten in Connewitz. „Sie brüllten die ganze Zeit ‚Hooligans, Hooligans‘, hatten Äxte und Baseballschläger in den Händen“, sagte Daniel. Und Steffen ergänzte: „Die trugen fette Steine, offenbar mitgebrachte. Auf mich wirkte das so, als hätten die einen regelrechten Anführer, der ein Signal geben musste.“

Aufräumen in Connewitz

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Etwa auf Höhe der Simildenstraße eskalierte die Gewalt. „Die begannen jetzt, komplett alle Fenster der Straße einzuwerfen und einzuschlagen. Fünf oder sechs von denen sind auch in den Imbiss ‚Shahia‘ rein. Als dann dort noch Bänke und Stühle aus den zerstörten Fenstern hinausflogen, wusste ich, jetzt muss ich weg. Mein Auto stand direkt um die Ecke, ich wollte es schnell umparken gehen“, erzählt David. Neben dem Döner-Imbiss gingen unter anderem auch Scheiben im Laden des Fußballvereins Roter Stern Leipzig, in den Bars „Könich Heinz“, „Bill Hart“ und „Goldfisch“ sowie beim Augenoptiker Staske zu Bruch.

Erst auf Höhe der Auerbachstraße fand die rechtsradikale Gewaltorgie ein vorübergehendes Ende. „Als die Gruppe dann in die Auerbachstraße direkt vor dem Kreuz einbog, kamen etwa 20 bis 30 Polizisten und versuchten den Mob einzukesseln. Die waren natürlich absolut in der Unterzahl. Einige der Hooligans konnten über die Hinterhöfe noch entkommen, aber einen Großteil bekamen die Polizisten trotzdem unter Kontrolle“, sagt Daniel. Und Steffen fügt an: „Die Polizei war wirklich schnell da, keine zwei Minuten, nachdem die Eskalation begann, rollten auch schon die ersten Wagen an.“

Die Hooligans wurden von den Beamten mit Kabelbindern fixiert und mussten bis zum Abtransport ins Polizeipräsidium sitzend auf der nassen Straße ausharren. Nach Angaben der Behörde wurden insgesamt 211 Personen festgenommen. Sie waren zu einem „nicht unerheblichen Teil bereits als ’rechtsmotiviert’ und/oder ’Gewalttäter Sport’ aktenkundig sowie aufgrund mitgeführter Utensilien dem Fußballfanklientel zuzuordnen“, hieß es später in einer ersten Stellungnahme.

Von Matthias Puppe

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