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Rocker-Mord: Bruder des Getöteten fordert gerechte Strafe, verweigert aber Aussage

Prozess in Leipzig Rocker-Mord: Bruder des Getöteten fordert gerechte Strafe, verweigert aber Aussage

„Ich will eine gerechte Strafe für die Schuldigen.“ Das sagt Mehmet A. (48) als Nebenkläger im Strafverfahren gegen die mutmaßlichen Mörder seines Bruders. Vier Mitglieder des Motorradclubs Hells Angels sollen laut Anklage am 25. Juni 2016 den Tod von Veysel A. (27) verursacht haben. Doch aussagen will Mehmet A. als Zeuge am Landgericht Leipzig nicht.

Unmittelbar vor Prozessbeginn im Landgericht Leipzig: Die vier wegen Mordes angeklagten Hells-Angels-Mitglieder mit ihren jeweils zwei Verteidigern.
 

Quelle: Kempner

Leipzig.  „Ich will eine gerechte Strafe für die Schuldigen.“ Das ist einer der Beweggründe für Mehmet A., 48 Jahre alt, als Nebenkläger im Strafverfahren gegen die mutmaßlichen Mörder seines Bruders vor dem Leipziger Landgericht aufzutreten. Vier Mitglieder des Motorradclubs Hells Angels sollen laut Anklage beim blutigen Rockerkonflikt am 25. Juni 2016 in der Eisenbahnstraße den Tod von Veysel A. verursacht haben. Der 27-Jährige, Anwärter des mit den Höllenengeln verfeindeten Clubs United Tribunes, war erschossen worden.

Alle Prozessbeteiligten wüssten doch, was passiert sei, sagt der Bruder des Getöteten. Ein Familienmitglied sei umgebracht worden. „Und einem zweijährigen Kind wurde der Vater genommen“, ergänzt er. Mehmet A., der im Leipziger Osten einen Laden betreibt, sollte gestern als Zeuge vernommen werden. Doch entgegen seiner Absichtserklärung von vor einer Woche wollte er sich nun doch nicht äußern. Am vorigen Prozesstag war die Verteidigung auf ein Foto in den Ermittlungsakten gestoßen, das justament den Nebenkläger in Tatortnähe in der Eisenbahnstraße zeigen soll. Das Bild wirft viele Fragen unter anderem danach auf, inwieweit der 48-Jährige womöglich selbst in den Gewaltexzess verwickelt war. Gestern berief er sich auf Paragraf 55 der Strafprozessordnung, wonach Zeugen ein Auskunftsverweigerungsrecht zusteht, müssten sie sich selbst oder einen nahen Angehörigen belasten. „Und ich verweigere die Aussage, weil ich mich nicht belasten möchte“, erklärt er. Eine Forderung der Verteidigung, dass er dies auch noch eidesstattlich versichern solle, weist die Schwurgerichtskammer zurück. Nach Aktenlage bestehe die Möglichkeit, dass der 48-Jährige an strafrechtlich relevanten Handlungen beteiligt beziehungsweise an deren Planungen teilgenommen haben könnte, sagt der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf. Inwieweit diese Feststellung Anlass für Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sein könnte, bleibt zunächst offen.

In den Zeugenstand gerufen werden dann Bundespolizisten, die am Tattag von ihrem Einsatzort am Hauptbahnhof abgezogen und in die Eisenbahnstraße beordert wurden. Dabei handelte es sich um drei Beamte. „Wir waren gerade ausgestiegen, als gleich mehrere Schüsse fielen“, schildert ein 32-jähriger Polizist. „Die Lage war nicht so übersichtlich.“ Seiner Erinnerung zufolge dauerte es nach der Schussabgabe noch 15 Minuten bis zum Eintreffen der Bereitschaftspolizei. Verstärkung hatte, wie berichtet, Polizei-Außendienstleiter Mike J. (43) angefordert, als sich eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen den verfeindeten Rockern anbahnte. Mike J. stand daneben, als die Schüsse fielen. Einige Höllenengel wurden festgenommen. Der Prozess ist bis Anfang 2018 terminiert.

Von Sabine Kreuz

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