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Polizeiticker Leipzig Rockerkrieg in Leipzig: „Blutrache und Selbstjustiz wahrscheinlich“
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Rockerkrieg in Leipzig: „Blutrache und Selbstjustiz wahrscheinlich“
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06:00 05.08.2016
Polizeieinsatz rund um das Hauptquartier der United Tribunes nach der Schießerei im Juni 2016 in der Eisenbahnstraße in Leipzig. (Archivfoto) Quelle: LVZ
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Leipzig

Das sächsische Innenministerium spricht von Blutrache und brutalsten Machtkämpfen mit der Gefahr für Leib und Leben Unbeteiligter: Sechs Wochen nach den tödlichen Schüssen im Leipziger Rockermilieu sind Details einer polizeilichen Gefahrenprognose bekannt geworden. Die dramatische Lageeinschätzung hatte Anfang Juli zu einem befristeten Einreise- und Aufenthaltsverbot für Mitglieder von drei Rockerclubs geführt – und zeigt exemplarisch, mit welchem Ausmaß an Gewalt die Behörden auf Leipzigs Straßen inzwischen rechnen. „Entwarnung würde ich auch heute noch nicht geben“, sagte gestern der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Peter Guld, gegenüber der LVZ. „Wir müssen über einen längeren Zeitraum mit so etwas rechnen.“

Rückblick: Am 25. Juni liefern sich Mitglieder der „Hells Angels“ (HAMC) und der „United Tribuns“ (UT) in der Eisenbahnstraße eine massive Auseinandersetzung. Es fallen sieben Schüsse. Der Türke Veysel A. (27), Anwärter bei den UT Iron City, wird tödlich getroffen, zwei UT-Mitglieder (31, 34) erleiden schwere Verletzungen. Wegen Mordverdachts sitzt Hells Angel Stefan S. (30) in Untersuchungshaft, der Haftbefehl gegen den Chef des Angels-Charters, Matthias M. (33), ist mittlerweile aufgehoben.

Obwohl sich bereits Tage später das seit 2008 bestehende Leipzig-Charter der „Höllenengel“ auflöste und sich auch die „United Tribuns“ öffentlich gegen Racheaktionen aussprachen, prognostizierten Sicherheitskreise für das Wochenende darauf fast schon kriegsähnliche Zustände.

„Mit dem Einsatz von Schusswaffen ist zu rechnen“, heißt es in der Gefahrenprognose, über die jetzt Innenminister Markus Ulbig (CDU) informierte – als Antwort auf eine Kleine Anfrage des innenpolitischen Sprechers der Grünen-Fraktion, Valentin Lippmann. Nach den ungeschriebenen Regeln von sogenannten Outlaw Motorcycle Gangs (OMCG) könne die Tötung eines Angehörigen nicht unerwidert bleiben, heißt es in dieser Lagebeurteilung.

Hinzu komme, dass der Getötete einem ethnisch-religiösen Milieu angehöre, in dem Blutrache praktiziert werde. „Nach den der Polizeidirektion Leipzig vorliegenden Informationen sind Blutrachehandlungen gegenüber Mitgliedern des HAMC Leipzig wahrscheinlich.“ Die aktuelle Entwicklung berge die Gefahr einer weiteren erheblichen Eskalation der Gewalt. Die Auseinandersetzungen könnten „die bisher bekannte Brutalität sowohl qualitativ als auch quantitativ an Intensität weit übertreffen“.

Selbstjustiz zur Wahrung der Ehre sei auf beiden Seiten als wahrscheinlich anzusehen. Besonders beunruhigend: „Eine Rücksichtnahme gegenüber unbeteiligten Dritten ist dabei nicht zu erwarten“, Gefahren für deren Leib und Leben „tatsächlich zu befürchten“. Der Konflikt der verfeindeten Rockergangs werde ohne Rücksicht auf Rechtsordnungen unter Anwendung ex­tremer Gewalt in der Öffentlichkeit ausgetragen. Trotz erheblicher polizeilicher Präsenz bestehe keine Garantie, dass Auseinandersetzungen verhindert werden können.

BDK-Bundesvorsitzender André Schulz erneuerte angesichts der Leipziger Ereignisse die Forderung der Kripo-Interessenvertretung nach einem Verbot aller OMCG. „Das sind keine Motorradvereine, sondern kriminelle Vereinigungen“, sagte er der LVZ. „Wir beobachten diese Entwicklung mit großer Sorge.“

Frank Döring

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