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Neue Panzerwagen für Sachsens Polizei – Stationierung in Leipzig

Übergabe mit Innenminister Ulbig Neue Panzerwagen für Sachsens Polizei – Stationierung in Leipzig

Am Freitag wird in Leipzig der erste Panzerwagen für die sächsische Polizei übergeben. Das Fahrzeug des Typs "Survivor R" kommt vom Hersteller Rheinmetall und soll unter anderem gegen Beschuss aus Sturmgewehren und Sprengfallen gesichert sein und hat einen mulifunktionalen Drehturm.

Der Panzerwagen des Typs „Survivor R“ ist 6,5 Meter lang und wiegt mehr als 13 Tonnen.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Mit Blaulicht kommt er um die Ecke geschossen, und kobaltblau ist er selbst: der bullige neue Panzerwagen der sächsischen Polizei. „Survivor R“ heißt er –  der Überlebende. Schnell senkt sich die hydraulische Heckklappe, und schwer bewaffnete Beamte des Spezialeinsatzkommandos entsteigen der 17 Tonnen schweren Maschine. Es ist der erste von zwei neuen Panzerwagen in Sachsen, die die 25 Jahre giftgrünen Polizeipanzer SW-4 verstärken sollen. „Terrorismus ist auch bei uns in Deutschland Realität geworden“, sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU) gestern bei der Schlüsselübergabe auf dem Gelände der Leipziger Bereitschaftspolizei. „Wir müssen auf lebensbedrohliche Situationen wie vor einem Jahr in Berlin vorbereitet sein.“

In keinem der rund 2500 sächsischen Polizeifahrzeuge ist man so sicher unterwegs wie in dem gepanzerten Ungetüm. Sieben Meter lang, sieben Liter Hubraum, 350 PS. Mit ihnen können elf SEK-Beamte einerseits gefahrlos an Einsatzorte gebracht, Verletzte oder Hilfsbedürftige andererseits aus dem Gefahrenbereich gerettet werden.

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„Survivor R“ hat die sächsische Polizei ihr beiden neuen Sonderfahrzeuge getauft. Am Montag stehen sie in Leipzig für den Kampf gegen den Terror bereit.

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Am Montag kommt dann der zweite „Survivor“ in die Messestadt und soll ebenfalls bei der Bereitschaftspolizei stationiert werden. Zusammen kosten die beiden neuen Draufgänger etwa drei Millionen Euro. Finanziert werden sie durch das Antiterrorpaket des Freistaates. Seit 2015 wurden für rund 21,5 Millionen Euro neben den Panzern auch Stichschutz- und Schutzwesten, ballistische Helme, Mitteldistanzwaffen und neuen Dienstpistolen angeschafft.

Dem Rüstungshersteller Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV) zufolge ist das geländegängige Fahrzeuge gegen Beschuss und Sprengmittel gesichert. Die Kabine soll auch Angriffen durch Sturmgewehre des Typs AK-47 standhalten. „Der Survivor R basiert auf einem leistungsstarken Allrad-Lkw-Fahrgestell von MAN und einer Sicherheitszelle aus Panzerstahl. So verbindet das hochmobile und schnelle Fahrzeug Großserientechnik mit modernster Schutztechnologie“, sagte Rheinmetall-Geschäftsführer Michael Wittlinger.

Das ist der neue Panzerwagen des Typs „Survivor R" der Sächsischen Polizei.

Das ist der neue Panzerwagen des Typs „Survivor R" der Sächsischen Polizei.

Quelle: Dirk Knofe/Patrik Moye

Während die Insassen gegen biologische oder chemische Kampfmittel geschützt sind, können Reizgas- oder Nebelgranaten gegen Angreifer verschossen werden. Als großen Vorteil bezeichnete Sachsens Polizeipräsident Jürgen Georgie das moderne elektronische Videosystem des Survivor, mit dem auch versteckte Waffen und polizeibekannte Straftäter in der Menge erkannt werden. „Dass unsere Leute die Situation ringsum verfolgen können, ohne die geschützte Kabine verlassen zu müssen, ist vorbildlich gelöst“, lobte Georgie.

Zum genauen Zweck des drehbaren Waffenhalters auf dem Fahrzeugdach, der mit Munitionskasten und Gurtführung offensichtlich für großkalibrige Waffen vorbereitet ist, gab es eher schwammige Auskünfte. „Ein Maschinengewehr kommt nicht drauf, das gibt das Polizeigesetz nicht her“, sagte Landespolizeipräsident Jürgen Georgie der Leipziger Volkszeitung. Ob Gummigeschosswerfer vorgesehen sind, ließ er offen. „Das Thema ist noch nicht ganz spruchreif.“ In Sachsen werden Gummigeschosse nicht als Schussmunition gewertet, sondern „als nicht tödliches Mittel angesehen, das im Rahmen der Verhältnismäßigkeit anzuwenden ist“, bestätigte das Innenministerium auf Nachfrage. „In der jüngeren Vergangenheit wurden Gummigeschosse ausschließlich beim G 20-Einsatz in Hamburg eingesetzt“, betonte ein Sprecher.

In anderen europäischen Ländern wie der Schweiz oder der Türkei setzt die Polizei gelegentlich Gummigeschosse ein. In weiten Teilen Deutschlands darf sie das bislang nicht. Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert deshalb seit langem, dass Spezialkräfte Gummiwucht- und Gummischrotgeschosse einsetzen dürfen, um gewaltbereite Demonstranten wie etwa Steinewerfer auf Distanz zu halten.

„Ich hoffe, dass wir die beiden neuen Spezialfahrzeuge nie brauchen werden“, sagte Minister Ulbig. Sollte der Sächsische Rechnunghof nach ein paar Jahren feststellen, dass es sich bei den Survivor-Panzern um die größte Fehlinvestition des Freistaates war, weil die Panzerwagen nie zum Einsatz kamen, „dann wäre ich froh darüber“, so Ulbig.

Von Matthias Puppe und Winfried Mahr

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