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Sanitäter vor Gericht: „Frau war extrem schlimm zugerichtet“

Prozess um Raubüberfall Sanitäter vor Gericht: „Frau war extrem schlimm zugerichtet“

„Die Frau war extrem schlimm zugerichtet, sie hatte Todesangst, ihr Gesicht war blutüberströmt.“ Rettungsassistent Ronny S. schilderte am Freitag vor dem Leipziger Landgericht, in welchem Zustand er am Abend des 5. Februar 2017 das Opfer eines Raubüberfalls – eine Verkäuferin – in Leipzig-Möckern vorfand. Der Angeklagte schweigt bislang.

Das Landgericht Leipzig muss entscheiden: War der Überfall versuchte Erpressung oder gar doch versuchter Mord?

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Die Frau war extrem schlimm zugerichtet, sie hatte Todesangst, ihr Gesicht war blutüberströmt.“ Rettungsassistent Ronny S. schilderte am Freitag vor dem Landgericht, in welchem Zustand er am Abend des 5. Februar 2017 das Opfer eines Raubüberfalls – eine Verkäuferin – in Leipzig-Möckern vorfand. „Sie hat gezittert, war völlig aufgelöst, sie hatte eine Herzfrequenz von 140“, berichtete der Zeuge. Ansonsten hätten selbst sehr aufgeregte Personen, so seine jahrzehntelange Erfahrung, eine Herzfrequenz von 80 oder 90. Die 32 Jahre alte Mitarbeiterin eines Bäckerei-Ladens aus der Axis-Passage in der Georg-Schumann-Straße war schwer verletzt worden. Der überaus brutale Täter soll einer der Stammkunden gewesen sein. Marcus V., der unweit des Geschäfts wohnt, wurde umgehend festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28 Jahre alten Verkäufer vor, die Angestellte am Hals gepackt und gewürgt, ihr massiv ins Gesicht getreten zu haben, als sie bereits am Boden lag. Sie habe kurzzeitig das Bewusstsein verloren, so Staatsanwalt Christoph Kruczynski. Aus Angst um ihr Leben habe sie dem Täter 600 Euro aus ihrem Privatvermögen angeboten. Laut Anklage entgegnete er, dass er die Frau nicht laufen lassen könne, weil sie sonst die Polizei aufsuchen werde. Und er soll den Zahlencode für den Tresor gefordert haben, den sie ihm letztlich nannte. Offenbar scheiterte er jedoch bei der Eingabe. Als der Täter mit dem Tresor befasst war, in dem sich laut Anklage mehr als 1000 Euro befanden, gelang dem Opfer die Flucht. Und auch der Räuber verschwand – ohne Beute.

Vor Gericht schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen. Dem Vernehmen nach will er jedoch für die Tatzeit ein Alibi haben, er sei mit einer Tante unterwegs sowie zudem noch joggen gewesen.

Ursprünglich lastete die Staatsanwaltschaft Marcus V. versuchten Mord an. Die 1. Strafkammer hielt diesen Vorwurf aber für nicht berechtigt und eröffnete das Verfahren wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung. Rüdiger Harr, Vorsitzender Richter der nun zuständigen 8. Strafkammer, sagte dazu nach ersten Zeugenanhörungen allerdings: „Der Vorwurf des versuchten Mordes ist nicht vom Tisch.“ Das Opfer soll am 6. Juli vernommen werden; für den 26. Juli ist ein weiterer Prozesstag geplant.

Von Sabine Kreuz und Eleonora Korovessi

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