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Schlägerei bloß wegen böser Blicke - Prozess vor dem Leipziger Amtsgericht

Schlägerei bloß wegen böser Blicke - Prozess vor dem Leipziger Amtsgericht

Für den Leipziger Kevin T. endete diese Fahrt mit der Linie 16 sehr schmerzvoll. Kaum hatte der Jugendliche mit drei Freunden die Straßenbahn an der Haltestelle Märchenwiese verlassen, wurde er zu Boden geschlagen und dann noch getreten.

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Das Amtsgericht in der Leipziger Bernhard-Göring-Straße (Archivfoto).

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Die Folgen: ein gebrochener rechter Unterarm, Kieferprellung, eingeklemmte Muskeln, Beulen am Hinterkopf.

Der damals 18-Jährige war zwei Monate lang krank. Knapp zwei Jahre nach dieser Schlägerei vom 21. Dezember 2012 gegen Mitternacht begann gestern am Amtsgericht der Prozess gegen vier junge Männer, 19 und 20 Jahre alt. Vorwurf: gefährliche Körperverletzung.

Auslöser der Auseinandersetzung? "Böse Blicke." Das sagten gestern mehrere der damals Beteiligten. Als Amtsrichterin Claudia Eppelt-Knochenstiern daraufhin ungläubig in die Runde schaute, meinte Zeuge Benjamin T. grinsend: "So ist die Jugend." Der 18-Jährige gehörte damals mit zwei Mädchen zur Gruppe des späteren Opfers. Diese wollte vom Hauptbahnhof nach Lößnig. Als an der Deutschen Bücherei die vier Angeklagten die "16" betraten, entwickelte sich zwischen beiden Cliquen ein "aggressiver Blickkontakt", wie Katrin K. (19) schilderte. Es folgten Lästereien und Sprüche à la "Was guckst du?"

Katrin K. schlug deshalb vor, die Bahn schon eine Haltestelle vorm eigentlichen Ziel zu verlassen, um Stress zu vermeiden. Zumal der spätere Geschädigte Kevin T. befürchtete, "abgezogen" sprich beklaut zu werden. Doch die Clique der gestrigen Angeklagten folgte. Kevin T. bekam Faustschläge und Fußtritte zu spüren. "Ich sah bloß noch Schuhe", berichtete der 20-Jährige gestern.

Im Rückblick betrachtet, so meinten die Angeklagten gestern, hätten sie damals "überreagiert". Es sei "dumm und falsch" gewesen. Sie hätten die anderen "einfach labern lassen" sollen. Vor zwei Jahren noch hätten sie nicht darüber nachgedacht, dass man sich mit so einer Geschichte "das Leben verbauen" könne.

Nach Angaben der Jugendgerichtshilfe handelt es sich bei allen Angeklagten keineswegs um Schläger, aggressives Verhalten sei untypisch für sie. Seit dieser "Ausnahmesituation" habe es keinerlei Auffälligkeiten mehr gegeben. Drei des Quartetts hatten die Sportmittelschule besucht und über Jahre im Verein Fußball gespielt, der vierte absolviert nach seinem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr, will Sozialwesen studieren. Mit Zustimmung von Staatsanwältin Silke Kühlborn stellte die Richterin das Verfahren gegen drei Angeklagte ein - sie zahlen je 100 Euro an das Opfer. Einer der Angeklagten wurde freigesprochen. Er hatte die Keilerei nicht verhindert, sich aber auch nicht beteiligt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.11.2014

Kreuz, Sabine

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