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Polizeiticker Leipzig Schlechtes Gewissen: Sextäter gesteht Verbrechen an Jungen
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Schlechtes Gewissen: Sextäter gesteht Verbrechen an Jungen
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22:05 09.08.2018
Er verbirgt sein Gesicht: der Angeklagte Michael B. – hier mit seinem Verteidiger Oliver Minkley kurz vor dem Prozessauftakt im Leipziger Landgericht. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Er machte dem kleinen Jungen Geschenke, und er missbrauchte ihn. Immer wieder. Über Jahre hinweg. Und doch verriet das Kind nichts. Erst Mitte 2017 zeigte sich Michael B. aus Leipzig selbst an. Grund? „Mein schlechtes Gewissen“, sagte der 40-Jährige am Donnerstag zum Prozessauftakt am Landgericht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem gelernten Maler und Lackierer außer zehn Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs vor, vier Jungen über soziale Medien mit Intim-Fotos erpresst und sie auch massiv bedroht zu haben. Die Anklage geht zudem von mehreren Delikten des Besitzes und Verbreitens kinderpornografischer Schriften aus.

„Die Vorwürfe sind zutreffend“

„Die Vorwürfe sind zutreffend.“ Verteidiger Oliver Minkley gab zunächst eine Erklärung für seinen Mandanten ab. Demnach war dem Angeklagten bewusst, dass es sich bei den Geschädigten um Kinder und Jugendliche handelte.

„Es fiel mir leichter, mit Jungen in Kontakt zu treten als mit Männern“, räumte Michael B. ein. Er outete sich vor Gericht als homosexuell. Seine Neigungen habe er allerdings gegenüber seiner langjährigen Lebensgefährtin verschwiegen. Den Angaben des Angeklagten zufolge war er mit der Frau gut ein Jahrzehnt lang – von 2001 bis 2013 – liiert, wohnte mit ihr teils in Leipzig, aber auch in einer Kleinstadt in Bayern.

„Es ist schweres Unrecht“

Während dieser Zeit soll er mehrfach den Neffen der Frau schwer missbraucht und Analverkehr mit ihm durchgeführt haben. Laut Anklage war der betroffene Junge zu den Tatzeiten etwa zwischen fünf und 14 Jahre alt. Strittig ist noch die Anzahl der Fälle. „Ich bereue, was ich getan habe. Es ist schweres Unrecht, für das ich mich öffentlich entschuldigen möchte.“

In diesem Geständnis inbegriffen war, dass Michael B. ab Mitte 2016 regelmäßig über Facebook die Bekanntschaft von 13- bis 16-jährigen Jungen gesucht hat. Zunächst ließ er sich von den Teenagern Intim-Fotos senden, mit denen er sie dann allerdings erpresste, um noch weitere Sex-Fotos oder Sex-Videos von ihnen zu erhalten.

Mit Ermordung gedroht

Für den Fall ihrer Weigerung drohte er den Jugendlichen an, Bilder von ihnen in der Schule auszuhängen oder im Internet zu veröffentlichen. Einem 13-Jährigen kündigte er sogar an, ihn und seine Familie umzubringen, sollte er den Forderungen nicht umgehend nachkommen, sagte Staatsanwalt Ulrich Jakob. Aus Angst habe der Jugendliche getan, was Michael B. verlangte. Auf dem Laptop des Angeklagten befanden sich zudem noch Schmuddeldateien.

„Ich will eine Sozialtherapie, ich will nie wieder rückfällig werden“, sagte Michael B. weiter vor Gericht. Er kündigte an, dem Neffen seiner damaligen Partnerin 4000 Euro Schmerzensgeld zahlen zu wollen. Der 40-Jährige jobbte zuletzt als Laster-Fahrer, dann Arbeiter, Lagerist und zeitweise auch als Bestatter.

Urteil voraussichtlich am 16. August

Für den Fall seines glaubhaften und umfassenden Geständnisses hatte die zweite Strafkammer des Landgerichts dem Angeklagten zum Prozessauftakt eine Haftzeit zugesichert, die nicht über sieben und nicht unter fünfeinhalb Jahren liegen werde. „Viele Straftaten hätten ohne Geständnis gar nicht aufgeklärt werden können“, sagte der Vorsitzende Richter Michael Dahms.

Nach der Selbstanzeige erging vor einem Jahr Haftbefehl gegen Michael B.; am 1. September wurde er festgenommen. Ein Urteil ergeht am 16. August.

Von Sabine Kreuz

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