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"Schlimm ist das Gefühl, selbst in der Kirche nicht mehr sicher zu sein"

"Schlimm ist das Gefühl, selbst in der Kirche nicht mehr sicher zu sein"

Die Beute ist 110 Jahre alt und etwa 50 Kilogramm schwer: Unbekannte haben gestrigen Polizeiangaben zufolge den Opferstock der Taborkirche in Kleinzschocher gestohlen.

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Unbekannte stahlen den Opferstock aus der Taborkirche.

Quelle: Polizei

Leipzig. Allzu viel Geld sei nicht darin gewesen, sagte Hartmut Kirchhof, Vorsitzender des Kirchenvorstandes, auf LVZ-Anfrage. Ungleich schwerer wiege der ideelle Verlust.

Nach bisherigen Ermittlungen nutzten die Diebe einen Moment, in dem die Kirche in der Windorfer Straße offenstand. "Gewöhnlich ist der Vorraum, in dem der Opferstock hinter der Eingangstür der Kirche im Durchgang zur Kapelle steht, verschlossen", so Polizeisprecherin Maria Braunsdorf. Mindestens zwei Täter schleppten dann den massiven Eichenholz-Block mit schmiedeeisernen Beschlägen nach draußen. Der konische Opferstock ist 70 Zentimeter hoch und stammt aus dem Jahr 1904, als die Kirche dem Berg Tabor geweiht wurde.

Auf rund 1100 Euro bezifferte die Polizei den Schaden. Wie viel Geld der verschlossene Kasten im Inneren des Opferstocks enthält, wisse man aber nicht genau, so Kirchhof. "Viel kann es aber nicht gewesen sein, da der Opferstock regelmäßig alle zwei, drei Wochen geleert wird."

Vor Jahren hatten Diebe es schon einmal auf den Opferstock abgesehen, aber damals lediglich den Schacht aufgebrochen. Dieses Mal waren die Täter offenbar nicht nur auf das Geld aus, sondern hatten auch Interesse an dem kunsthistorischen Stück selbst, vermutet der Chef des Kirchenvorstands. Auch die Polizei hält es für möglich, dass die Diebe den Opferstock zum Kauf anbieten, erklärte Behördensprecherin Braunsdorf.

Kirchengebäude sind für Diebe und Einbrecher längst nicht mehr tabu. Betroffen war zuletzt etwa die Connewitzer Paul-Gerhardt-Kirche im vergangenen Jahr. In den meisten Fällen wollen die Täter Bargeld aus den Büros der Gemeinden oder Opferstöcken erbeuten, wie 2012 aus der weltberühmten Thomaskirche. Auch Metall in jeglicher Form - zum Beispiel Blitzableiter, Kabel, Wasserspeier, Dachrinnen - wird häufig gestohlen. Auch die Gemeinde der Taborkirche hat in der Hinsicht schon Erfahrungen sammeln müssen - und hat deshalb mittlerweile Dachrinnen aus Plastik.

Bisweilen verschwinden auch wertvolle Kunstgegenstände, wie im Juni 2011 das Kruzifix aus der Peterskirche - jenes Stück, das aus dem abgebaggerten Ort Eythra stammt. Aus der Engelsdorfer St. Pankratiuskirche klauten Einbrecher neben dem Opferstock auch einzigartige Abendmahlkelche und einen Krug im Wert von mehreren Tausend Euro sowie die Kanne des Taufbeckens. Danach ließ die Gemeinde eine Alarmanlage installieren (die LVZ berichtete).

An der Taborkirche sei Sicherheits- oder gar Überwachungstechnik bislang kein Thema, sagte Kirchhof. Wenngleich der Diebstahl des Opferstocks durchaus für erhebliche Verunsicherung gesorgt hat. "Man fragt sich jetzt natürlich, was als nächstes passiert", so der Vorstandsvorsitzende. "Ich halte es für ein großes Problem, dass Leute mittlerweile offensichtlich überhaupt keine Hemmschwelle mehr haben, in eine Kirche einzudringen und Geld zu stehlen, das Gemeindemitglieder gesammelt haben. Schlimm ist das Gefühl, selbst in der Kirche vor so etwas nicht mehr sicher zu sein."

Bislang existiert noch die vage Hoffnung, dass der Opferstock wieder auftaucht. Die Ermittler setzen darauf, dass Zeugen etwas Verdächtiges bemerkt haben könnten. Die Tatzeit liegt nach Angaben der Polizei zwischen 3. Oktober, 10 Uhr, und 5. Oktober, 8.30 Uhr.

Zeugen wenden sich an die Kripo Leipzig, Dimitroffstraße 1, Telefon: 0341 96646666.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.11.2014

Döring, Frank

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