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Schreie und Schläge: Lärm-Zoff um Leipzigs JVA

Anwohnerbeschwerden Schreie und Schläge: Lärm-Zoff um Leipzigs JVA

Die Leipziger Justizvollzugsanstalt (JVA) an der Leinestraße hat offenbar ein massives Lärmproblem. Anwohner beschwerten sich bereits bei Polizei und Ordnungsamt, weil Häftlinge nachts brüllen und gegen die Gitterstäbe schlagen.

Susanne Schreier und viele andere Anwohner beklagen sich über den nächtlichen Lärm, den die Insassen der Leipziger Justizvollzugsanstalt (JVA) an der Leinestraße verursachen. Die JVA-Führung räumt Probleme ein und sucht nach Lösungen.
 

Quelle: Christian Modla

Leipzig.  Schreie, Schläge, Stunk: Wenn sich der Abend über der Leipziger Justizvollzugsanstalt (JVA) an der Leinestraße senkt, geht es in den Zellen und auch vor der Gefängnismauer offenbar ausgesprochen turbulent zu. Anwohner beschweren sich über nächtlichen Lärm, haben deshalb sogar schon Polizei und Ordnungsamt eingeschaltet. Auf Nachfrage der LVZ räumte die JVA jetzt Probleme mit Gefangenen ein.

„Seit Wochen wird dort jeden Abend bis mindestens 3 Uhr ein ohrenbetäubender Krach veranstaltet, dass keiner hier mehr Ruhe hat und nicht mehr schlafen kann“, schimpft Anwohnerin Susanne Schreier aus der Nordstraße. „Selbst durch die geschlossenen Fenster kann man das bis in die Nebenstraßen hören.“ Anwohner berichten, dass sie nachts aus dem Schlaf schrecken, weil Häftlinge durch die Gitter schreien und mit Gegenständen dagegen schlagen. „Außerdem stehen jeden Abend Leute draußen an der Mauer und brüllen zu den Gefangenen nach oben“, so die JVA-Nachbarin. „Meistens klingen die Rufe arabisch.“

Besonders schlimm sei es in der Nacht zum Montag gewesen. „Das war so extrem, wir dachten, das ist eine Gefängnisrevolte und die Wärter sind vielleicht längst überwältigt worden“, sagt Schreier. „Ich habe deshalb in der JVA angerufen. Da wurde mir erklärt, es gebe nur zwei Wärter in dem Gebäude, außerdem sei gerade Ramadan, das müssten wir schon aushalten.“

Das sächsische Justizministerium – als Aufsichtsbehörde zuständig für die Verhältnisse in Haftanstalten – wollte sich auf LVZ-Anfrage nicht zu dem Problem äußern und verwies an die JVA. Deren Sprecherin Susann Mielke bestätigt auf Anfrage gewisse Schwierigkeiten: „In der Nacht auf den 19. Juni kam es in der JVA Leipzig zu Lärmbelästigungen, die von Gefangenen des Hafthauses verursacht wurden. Warum sich einige Gefangene sehr in das Lärmen hineingesteigert haben, ist nicht konkret ermittelbar. Allein der Unmut über die Inhaftierung im Einzelfall und die gestiegene Konzentration von Gefangenen aus verschiedenen Nationen mögen mitursächlich für die Eskalation in dieser Nacht gewesen sein.“

Bewährt habe sich in solchen Fällen, Gefangene, welche die Ruhe erheblich stören, in einen anderen Vollzugsbereich zu verlegen. „Das war aufgrund der Belegungssituation jedoch kurzfristig nicht möglich“, so Mielke. Deshalb hätten die im Hafthaus eingesetzten Bediensteten wiederholt und gezielt Gefangene angesprochen, um die Lärmbelästigungen zu verringern – letztlich mit Erfolg.

Nach Angaben der JVA-Sprecherin waren in jener Nacht keineswegs nur zwei Bedienstete in der Anstalt, wie das die Anwohnerin bei ihrem Anruf erfahren haben will. „Die Äußerungen des Zentralbediensteten waren möglicherweise für Außenstehende missverständlich, da sie sich ausschließlich auf die temporäre Personalbesetzung in einem bestimmten Bereich bezog, während gleichzeitig weitere Bedienstete in andere laufende Arbeitsprozesse eingebunden waren.“

 Gleichwohl sei die Personalsituation in der Haftanstalt weiter angespannt. Aus diesem Grund und wegen der teilweise bestehenden Sprachbarrieren stehe die Anstalt vor großen Herausforderungen, so Mielke. Aktuell betrage der Anteil ausländischer Gefangener im 397 Plätze umfassenden Hafthaus rund 34 Prozent, davon seien etwa die Hälfte muslimischen Glaubens. Mithin ist auch der Fastenmonat Ramadan ein Thema hinter Gittern. „Der Ramadan spielt insoweit eine Rolle, als dass die gläubigen Muslime ihr Essen in diesem Zeitraum erst nach Sonnenuntergang erhalten und zu sich nehmen“, erklärt die JVA-Sprecherin. „Ob sich die Lärmbelastung nach dem Ramadan deutlich reduzieren wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausreichend sicher eingeschätzt werden.“ Allein darauf vertrauen will die JVA-Führung jedenfalls nicht. „Wir kennen und akzeptieren das Problem und suchen nach administrativen, personellen und baulichen Lösungen“, versichert Sprecherin Mielke. „Und wir sind zu einer direkten Gesprächsführung mit den Anwohnern gern bereit.“

Von Frank Döring

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