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Schwere Brandstiftung aus Frust über Asylheim – ein Fall für Justiz in Leipzig

„Kurzschlussreaktion“? Schwere Brandstiftung aus Frust über Asylheim – ein Fall für Justiz in Leipzig

Sie waren offenbar mit der Unterbringung unzufrieden: Zwei Asylbewerber legten deshalb vor knapp einem Jahr in der Erstaufnahmeeinrichtung am alten Flughafen Leipzig-Mockau ein Feuer. Die Folgen: Drei Verletzte, 50.000 Euro Schaden. Nun stehen sie vor Gericht.

Hat bereits zwei Gerichtsinstanzen beschäftigt – eine Brandstiftung in einer Erstaufnahme für Flüchtlinge in Leipzig.

Quelle: dpa

Leipzig. Sie waren sowohl mit der Unterbringung als auch Verpflegung sehr unzufrieden: Zwei Asylbewerber aus Tunesien legten deshalb am 30. August vorigen Jahres in der Erstaufnahmeeinrichtung am alten Flughafen Leipzig-Mockau ein Feuer. Die Folgen: Drei Verletzte, 50.000 Euro Schaden. Beide Männer kamen danach in Untersuchungshaft und vor Gericht.

„Es war eine Kurzschlussreaktion“, sagt Verteidiger Stefan Wirth über seinen Mandanten Mohamed O. (21). „Mit seinem Asylverfahren ging es nicht voran. Er war sehr verzweifelt. In der Einrichtung hatte er ein Bett, aber es gab keinen Stuhl, kein Regal, keinen Tisch“, so der Anwalt jetzt in einer Berufungsverhandlung am Landgericht. „Ich war aufgeregt, habe nicht überlegt“, fügt der 21-jährige Angeklagte hinzu. Gemeinsam mit Lassaad D. (29) hatte er am Tattag für den Fall, nicht endlich auf einer Transferliste für eine andere Asyl-Einrichtung zu stehen, damit gedroht, die Unterkunft am Graf-Zeppelin-Ring abzubrennen. Tatsächlich zündeten beide Männer dann an jenem Tag gegen 16 Uhr zwei Bett-Matratzen an. Die Rußentwicklung war so dermaßen stark, dass zwei Security-Mitarbeiter und ein Teamleiter starke Atembeschwerden, Kopfschmerzen beziehungsweise eine Rauchgasvergiftung erlitten. Darüber hinaus drohte Mohamed O. nach seiner Festnahme noch einem Dolmetscher an, ihn zu töten. Dieser habe Angst um sein Leben bekommen.

Das Amtsgericht verurteilte beide Männer bereits im Dezember 2016 wegen schwerer Brandstiftung, fahrlässiger Körperverletzung und versuchter Nötigung. Der Schuldspruch wurde rechtskräftig, die Strafhöhen allerdings nicht. Grund: Die Staatsanwaltschaft ging in Berufung, weil ihr die Sanktionen absolut zu niedrig waren. Mohamed O. (21) hatte 20 Monate Haft erhalten, der Mitangeklagte Lassaad D. (29) wurde zu 19 Monaten verurteilt – in beiden Fällen setzte das Amtsgericht, die erste Instanz, die Strafen zur Bewährung aus.

Zur Berufungsverhandlung nun am Landgericht erscheint der Ältere allerdings nicht. Er habe, so heißt es daraufhin, seine ihm zugewiesene Unterkunft in Dölzig verlassen, ohne sich abzumelden. Er sei zur Fahndung ausgeschrieben. Nun wird er auch per Haftbefehl gesucht.

Mohamed O., der aktuell in einer Asyl-Einrichtung in der Lausitz lebt, hofft auf Milde. Er will in Deutschland unbedingt Fuß fassen, obwohl sein Asylantrag abgelehnt wurde; derzeit wird sein Aufenthalt geduldet. In Tunesien hatte er eine weiterführende Schulausbildung abgebrochen, keinen Beruf erlernt.

Staatsanwalt Torsten Naumann spricht vom „völlig übersteigerten Anspruchsdenken“ des Angeklagten, lehnt eine Berufungsrücknahme ab, fordert vielmehr eine nicht bewährungsfähige Strafe von zweieinhalb Jahren Haft. Das Landgericht legt im Gegensatz zur Vorinstanz das mildere Jugendstrafrecht statt des Erwachsenenrechts zugrunde, belässt es aber letztlich bei 20 Monaten auf Bewährung. Aus Verärgerung über eine Nichtverlegung Feuer zu legen, habe „jugendtypische Züge“, so die 3. Strafkammer.

Von Sabine Kreuz

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