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Schwerer Missbrauch: Doch Mutter hielt ihre Tochter jahrelang für eine Lügnerin

Haft für Stiefvater Schwerer Missbrauch: Doch Mutter hielt ihre Tochter jahrelang für eine Lügnerin

Fünfeinhalb Jahre Haft – so lautete das Urteil des Leipziger Landgerichts am Dienstag über einen 32 Jahre alten Stiefvater. Laut Geständnis hatte er eine Tochter seiner Lebenspartnerin mehrfach missbraucht und vergewaltigt. Bereits an dem Kind seiner vorherigen Freundin hatte er sich vergangen.

Das Landgericht Leipzig verhandelt einen Fall über schweren sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Klara* war elf Jahre alt, als der neue Mann ihrer Mutter das erste Mal über sie herfiel. Das war 2014. Als sie sich ihrer Mutter offenbarte, glaubte diese ihr allerdings nicht. Sie hielt ihre Tochter für eine Lügnerin. Das Martyrium des Mädchens sollte noch bis zu seinem 13. Lebensjahr andauern – erst im Herbst 2016 kam Stiefvater Marcel A. (32) in Untersuchungshaft. Klara hatte sich schließlich einer Verwandten anvertraut.

Gleich zum Prozessauftakt am Dienstag vor dem Leipziger Landgericht legte der einstige Verkaufshelfer nun ein „schonungsloses, lückenloses Geständnis“ ab, wie es sein Verteidiger Jürgen Kohlen formulierte. Der Anwalt gab für seinen Mandanten eine Erklärung ab, wonach die Anklagevorwürfe zutreffend seien. Demnach hatte sich Stiefvater Marcel A., der zuletzt von Hartz IV lebte, in sechs Fällen an dem Kind vergangen. Tatort: Jeweils seine Wohnung in Paunsdorf. „Wobei sich die Übergriffe kontinuierlich steigerten“, sagte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel. Von der Manipulation an Geschlechtsteilen des Mädchens bis zur dreifachen Vergewaltigung.

Aufgrund des Geständnisses konnte Klara, mittlerweile 14 Jahre alt, eine Aussage als Opferzeugin vor Gericht erspart werden. Auch andere Zeugen wurden wieder abgeladen. Schon als Elfjährige war Klara in eine Psychiatrie-Klinik eingewiesen worden; sie hatte sich das Leben nehmen wollen. „Sie hatte ständig damit zu kämpfen, dass ihr von der Mutter nicht geglaubt wurde“, so Oberstaatsanwältin Heike Poganiatz. Die Jugendliche strebt nun – nach Abschluss des Strafverfahrens – eine Psychotherapie an.

„Ohne Geständnis hätte ich mehr als acht Jahre Haft beantragt“, kündigte die Oberstaatsanwältin am Dienstag an. Sie plädierte auf fünfeinhalb Jahre Haft – das Urteil der 3. Strafkammer entsprach letztlich ihrer Forderung. Verteidiger Kohlen hielt fünf Jahre Freiheitsentzug für angemessen. „Der Angeklagte versteht selbst nicht, warum das passiert ist.“

In das Urteil einbezogen wurde eine Vorstrafe von zwei Jahren Haft – wegen sexuellen Missbrauchs eines anderen Mädchens. Auch an der Tochter seiner vorherigen Lebenspartnerin hatte sich Marcel A. vergangen. Der Schuldspruch war im Juli 2016 rechtskräftig geworden. „Während des laufenden Strafverfahrens haben Sie in einer anderen Familie weitergemacht; das ist dreist“, sagte Richter Göbel. „Sie laufen Gefahr, in Sicherungsverwahrung zu kommen. Dann sind Sie auf unabsehbare Zeit weg“, kündigte er dem Angeklagten bereits an.

Klara lebt bei ihrer Mutter. Diese hat mit dem Angeklagten gebrochen. Die Beziehung sei nicht mehr aktuell, sagte die Frau am Dienstag. Doch der Vater ihrer jüngsten Tochter ist der Angeklagte.

(*Name geändert)

Von Sabine Kreuz

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