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Polizeiticker Leipzig Sexueller Missbrauch: Studentin zeigt Stiefvater ein Jahrzehnt später an
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Sexueller Missbrauch: Studentin zeigt Stiefvater ein Jahrzehnt später an
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19:08 09.11.2018
Als Kind immer und immer wieder sexuell missbraucht: Junge Frau zeigt Stiefvater an. (Symbolbild) Quelle: Patrick Pleul/dpa
Leipzig

„Ich kann keinen Vater mit seinem Kind auf der Straße sehen, ohne dass das Thema bei mir präsent ist“, berichtet eine 20-jährige Leipzigerin am Amtsgericht. Das „Thema“: sexueller Missbrauch.

Mehr als zehn Jahre, nachdem sich ihr Stiefvater immer und immer wieder an ihr vergangen hat, zeigte ihn die Studentin im Februar dieses Jahres an. Bei der Verhandlung am Freitag bricht der 61-jährige Angeklagte in Tränen aus – sie nimmt weder seine Entschuldigung noch sein angebotenes Schmerzensgeld an. Ihr Eindruck: „Er hat noch immer nicht verstanden, was er mir angetan hat. Das kann er nicht wiedergutmachen.“

Staatsanwältin geht von 150 Fällen aus

Staatsanwältin Anja Butenschön klagt Matthias K. wegen 150 Fällen des sexuellen Missbrauchs an. Tatzeit: Anfang 2005 bis Oktober 2007. Da war die Kleine zwischen sechs und neun Jahren alt. Immer wieder stieg der Stiefvater ins Hochbett im Kinderzimmer, manipulierte an ihren Genitalien.

Auch in der Laube des Gartens im Stadtteil Böhlitz-Ehrenberg wiederholte sich die schlimme Prozedur. Als sie so klein gewesen sei, „konnte ich das gar nicht einordnen“, sagt die Betroffene. „Es war immer mitten in der Nacht. Er hatte immer weniger Hemmungen.“

Nach der Feier zu seinem 50. Geburtstag 2007 hatte sich Matthias K. wieder ins Bett der Stieftochter gelegt – und wurde von der Ehefrau erwischt. Doch er redete sich irgendwie heraus, und die Neunjährige bestritt einen Vorfall. „Ich habe mich nicht getraut, etwas zu sagen.“

Mutter plagt schlechtes Gewissen

Die Ehefrau schildert, dass sie damals mit sich gerungen habe, zur Polizei zu gehen. „Was aber, wenn nichts dran ist?“, habe sie sich gefragt – und schließlich nichts unternommen. Jetzt plagt sie ein schlechtes Gewissen. Sie habe in all der Zeit „nichts mitgekriegt“. Die 44-Jährige steht zu ihrer Tochter, will sich scheiden lassen.

Richterin Ute Fritsch spricht von einer „seelischen Tortur“ für das Mädchen, das „jeden Abend Angst hatte, ins Bett zu gehen“. Die ganze Kindheit sei „überschattet“ gewesen. Das Amtsgericht geht schließlich von 100 Fällen aus und verurteilt den Stiefvater zu drei Jahren und vier Monaten Freiheitsentzug.

Die Staatsanwältin hält vier Monate Haft mehr für angemessen. Verteidiger Daniel Luderer indes will auf zwei Jahre Haft – ausgesetzt auf Bewährung – hinaus. Er verweist auf das Geständnis seines Mandanten von Anfang an. Bereits seit Juni sitzt der Angeklagte, ein Kraftfahrer und Versand-Mitarbeiter, in Untersuchungshaft.

Weitere Anklage am Landgericht anhängig

Anwältin Ina Alexandra Tust, die vor Gericht die Interessen der Geschädigten vertritt, meint, dass die Folgen für ihre Mandantin „schlimm“ seien, auch wenn deren Umgang „mit dem Thema“ beeindrucke.

Die Anzeige der Studentin, die nicht länger hinnehmen wollte, dass ihr Peiniger unbehelligt weiter lebt, löste umfassende Ermittlungen aus. Dabei offenbarten sich zwei Stieftöchter aus einer vorherigen Beziehung des Angeklagten. In Bezug auf eine Betroffene sind die Vorwürfe verjährt. Und bezüglich ihrer Schwester ist eine Anklage am Landgericht anhängig, die dem 61-Jährigen hundertfachen sexuellen Missbrauch anlastet. An seinen leiblichen Töchtern hat sich Matthias K. nie vergriffen.

Von Sabine Kreuz

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