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"Shiny Flakes": Drogen-Kurier aus Mazedonien droht hohe Haftstrafe

Prozess in Leipzig "Shiny Flakes": Drogen-Kurier aus Mazedonien droht hohe Haftstrafe

Bis zu sechs Jahre und zwei Monate Haft drohen dem Drogen-Kurier, der die im Februar in Leipzig ausgehobene Internet-Plattform "Shiny Flakes" mit Drogen belieferte.

Drogenfund bei Shiny Flakes

Quelle: dpa

Leipzig. Auf das Strafmaß einigten einigten sich gestern die 6. Strafkammer des Landgerichts Leipzig und der 51-jährige Mazedonier, der im Gegenzug ein Geständnis ablegte. Ursprünglich hatte Staatsanwalt André Kuhnert bis zu sieben Jahre Haft gefordert.

Drogen-Kurier Zhivko Z. berichtete, er stamme aus der Stadt Prilep, habe Wirtschaftstechnik studiert und versorge neben seiner Ehefrau auch zwei Kinder und seine Eltern. Weil er in Mazedonien arbeitslos wurde, war er nach Holland gereist und habe mit Gelegenheitsjobs Geld verdient. Eine Kneipenbekanntschaft habe ihm angeboten Kosmetikartikel nach Deutschland zu fahren. Obwohl er wusste, dass es sich um Drogen handelt, habe er eingewilligt - für 400 Euro auf die Hand plus 200 Euro Spesen.

Die Übergabe von sieben Kisten mit insgesamt 55 Kilogramm Drogen-Fracht lief am 26. Februar in der Landsberger Straße noch ungestört über die Bühne. Doch als er die Rückfahrt in Richtung Max-Liebermann-Straße antrat, wurde er ein paar Straßen entfernt von SEK-Beamten unsanft aus dem Auto gezerrt. Sein Abnehmer - der 20-jährige Leipziger Maximilian S. - bekam von allem nichts mit und verstaute währenddessen die sieben Kisten in seinem Kinderzimmer, in dem er in der Wohnung seiner Mutter lebte. Wie seine Mutter gestern berichtete, hielt er dort die Tür fast immer verschlossen, seitdem er seine Kellner-Lehre abgebrochen hatte. Da die geschiedene 48-Jährige im Einzelhandel arbeitet, sei sie auch jeden zweiten Sonnabend nicht zu Hause gewesen, berichtete sie. Ihr Sohn habe gesagt, er spiele Computerspiele und bereite sich auf eine Selbstständigkeit vor. Geld habe er keines gehabt, so die Mutter, sogar von ihr mal 20 Euro erbeten. Ihr Sohn habe auch kein Auto, keinen Führerschein und keine Freundin gehabt.

Mehrere Ermittler, die gestern in den Zeugenstand traten, berichteten andere Dinge. Danach baute der Jugendliche in seinem Kinderzimmer einen professionell verschlüsselten E-Mail-Verkehr auf, hatte Kontakte mit mehreren Drogenhändlern in Holland, die ebenfalls mit verschlüsselten E-Mails agierten, und war selbst im Internet mit gefälschten Computer-IP-Adressen unterwegs. Die Drogen aus Holland seien ihm zunächst per Post zugesandt worden, später kamen im Wochenrhythmus Kuriere. Ein Fahnder berichtete, dass der Leipziger die Kurierfahrten bezahlen musste und ihm 1000 Euro dafür zu viel waren - daraufhin sei der preiswerte Mazedonier Zhivko Z. ins Spiel gekommen.

Von den Kunden, die die Drogen-Ware von Maximilian S. im Internet-Shop "Shiny Flakes" orderten, verlangte der Leipziger Vorkasse. Sie mussten in der Internet-Währung Bitcoin bezahlen. Die Bitcoins seien für neue Drogen-Ware ausgegeben, ein Teil davon aber auch in Euro an den Jugendlichen ausgezahlt worden, sagte ein Beamter. Dies sei möglich gewesen, weil sich Maximilian S. dafür bei mehreren Banken gefälschte Konten einrichten ließ. Als die Fahnder am 26. Februar den Jugendlichen in seinem Kinderzimmer festnahmen, fanden sie dort neben 320 Kilogramm Rauschgift auch 48 000 Euro und Bitcoins für 325 000 Euro.

Aufmerksam geworden war die Kripo, weil Kunden von S. ihre Post ungeöffnet ließen oder falsche Adressen angegeben hatten - weshalb die Postsendungen geöffnet wurden. Nur wenig später seien die Fahnder auf den Internet-Laden "Shiny Flakes" gestoßen, der unter Suchbegriffen wie "Drogenerwerb" für jedermann leicht zu finden war. Schließlich geriet auch der 20-Jährige ins Visier und wurde observiert. Dabei sahen die Ermittler, wie er regelmäßig mit einer Sporttasche zu einem Briefkasten ging und dort Minuten vor der Leerung zahlreiche Kuverts einwarf - offenbar der Drogen-Versand an seine Kunden. Heute beginnt im Landgericht der Prozess von Maximilian S.

Das Urteil des Kurierfahrers, der mindestens vier Fahrten nach Leipzig unternahm, wird morgen verkündet. "Mir tut das alles aufrichtig leid, vor allem auch für meine Familie", sagte der Mazedonier gestern mit Tränen in den Augen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.08.2015
Andreas Tappert

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