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Polizeiticker Leipzig Shiny Flakes: Noch immer Ermittlungen gegen tausende Kunden
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23:09 20.03.2016
Angeklagter Maximilian S. ist nun ein Fall für den Bundesgerichtshof  Quelle: André Kempner
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Leipzig

Knapp fünf Monate nach dem Urteil gegen den Betreiber des Drogenshops Shiny Flakes steht eine Entscheidung des obersten deutschen Gerichts offenbar unmittelbar bevor. Die Revision des Angeklagten würde dem Bundesgerichtshof (BGH) „in Kürze zur Entscheidung vorgelegt“, teilte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz auf LVZ-Anfrage mit.

Wie berichtet, hatte die Verteidigung des beschuldigten Leipzigers Maximilian S. (21) gegen das Urteil des Landgerichts Rechtsmittel eingelegt. Der sogenannte Kinderzimmer-Dealer war im November 2015 zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren verurteilt worden. Der Vorsitzende Richter Norbert Göbel hatte den Angeklagten als naiven Jungen, aber auch als Verbrecher bezeichnet, Verteidiger Stefan Costabel hingegen von einer „Jugendverfehlung“ gesprochen. Er hatte auf sechseinhalb Jahre Haft plädiert, die Staatsanwaltschaft auf acht Jahre und acht Monate.

Laut Anklageschrift vertrieb Maximilian S. aus seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung via Internetversand von Dezember 2013 bis zu seiner Verhaftung am 26. Februar 2015 fast eine Tonne illegale Drogen in Deutschland, verschickte den Stoff aber auch in andere europäische Länder sowie nach Nordamerika und Australien. Das profitable Start-up flog erst auf, als der Betreiber einige Sendungen unzureichend frankierte und die Ermittler ihm dadurch auf die Spur kamen. Im Prozess legte Maximilian S. ein Geständnis ab.

Wann der Bundesgerichtshof sich als letzte Instanz mit dem Fall beschäftigt und das Shiny-Flakes-Urteil Rechtskraft erlangt, ist noch offen. Die Unterlagen zu dem Verfahren seien noch nicht im Hause angelangt, teilte BGH-Sprecherin Angela Haasters jetzt mit.

Für die Ermittler ist der Fall auch mehr als ein Jahr nach der Festnahme von Maximilian S. noch längst nicht erledigt. „Die bei dem Angeklagten in großem Umfang sichergestellten Beweismittel werden durch Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei immer noch ausgewertet“, so Schulz. „Es wird geprüft, ob hieraus konkrete Erkenntnisse gewonnen werden können, welche die Einleitung von Ermittlungsverfahren gegen einzelne mutmaßliche Besteller und Käufer zur Folge haben.“ Von Beginn an hatten die Ermittlungsbehörden versucht, auch an die Kundschaft heranzukommen. Bereits nach der Festnahme des Shop-Betreibers war es bundesweit zu Durchsuchungsaktionen bei Großabnehmern gekommen. „Diese Bestrebungen wurden und werden seitdem fortgesetzt“, erklärte der Oberstaatsanwalt. „Die Ermittlungsbehörden sind weiterhin mit großer Intensität dabei, den sich aus den Ermittlungen zu Shiny Flakes ergebenden Ermittlungsansätzen nachzugehen.“

In welchem Umfang dies geschieht, mochte die Staatsanwaltschaft nicht mitteilen. „Weitere Angaben zu eingeleiteten oder noch in der Prüfung befindlichen Verfahren sind nicht möglich ohne die laufenden Ermittlungen zu mutmaßlichen Bestellern und Käufern zu gefährden“, so Schulz. Im Prozess am Landgericht war von rund 6000 Ermittlungsverfahren gegen mutmaßliche Kunden von „Shiny Flakes“ die Rede. Allein in Leipzig sollen dem Vernehmen nach 2300 dieser Verfahren bearbeitet werden. Der Berliner Strafrechtler Steffen Dietrich schreibt in seinem Blog, dass die Leipziger Staatsanwaltschaft Folgeverfahren auch an die Behörden am Wohnort des jeweiligen Beschuldigten abgegeben hat. Kunden des Internetversands drohen im Falle einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe wegen unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln.

Von Frank Döring

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