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"Sie musste um ihr Leben fürchten"

Späti-Überfall "Sie musste um ihr Leben fürchten"

Mal eben bewaffnet einen Späti ausrauben? Zwei bis dahin völlig unbescholtene Azubis kamen im Oktober 2014 auf diese Idee, weil sie Geld brauchten. Womit sie nicht rechneten, war die erstaunliche Reaktion einer couragierten Frau.

Leipziger Amtsgericht (Symbolfoto)

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Gestern sahen sich Täter und Opfer vor dem Amtsgericht wieder. Es war am 21. Oktober um 21.42 Uhr, als Roger K. und Ardijan K. (beide 19) vermummt in den Spätverkauf an der Gohliser Virchowstraße stürmten. Katrin M. (51) hatte gerade die letzten Kunden bedient, räumte auf, bereitete sich auf den Feierabend vor. Doch dann sah sie in den Lauf einer Pistole mit Schalldämpfer.

Im Prozess legten die Angeklagten gestern umfassende Geständnisse ab. Demnach bestand ihr Plan darin, dass Ardijan K. die Verkäuferin mit der täuschend echt aussehenden Softair-Pistole in Schach hält, während Roger K. das Zigarettenregal ausräumt. Auf keinen Fall sollte körperliche Gewalt zum Einsatz kommen, schworen sich die Kraftsportler. Aber dann kam alles anders: Völlig unbeeindruckt von der Pistole, die auf ihren Kopf gerichtet war, packte Katrin M. den Zigarettenräuber. Aufgrund dieser jähen Wendung schalteten die maskierten Männer in den Fluchtmodus. Mit einer Kopfbewegung bedeutete Ardijan K. seinem Freund: "Komm', wir hauen lieber ab!" Nicht einmal die Tasche mit dem bisschen Beute ließ Katrin M. dem Duo, sondern riss sie an sich.

"Wir hatten besprochen, dass wir uns stellen wollen", so Roger K. Als dann auch noch Fahndungsfotos von ihnen in der LVZ veröffentlicht wurden, war es so weit. Beide kamen für kurze Zeit in Untersuchungshaft. Noch vor der gestrigen Hauptverhandlung schickten sie Katrin M. über ihre Verteidiger Andreas Meschkat und Axel Kaufmann Entschuldigungsschreiben. "Ich bin kein böser Mensch", beteuerte etwa Roger K. Dachdeckerlehrling Ardijan K. bot der Frau sogar an, als Wiedergutmachung ihr Dach neu zu decken.

Doch Katrin M. will davon bislang nichts wissen, lehnte auch 300 Euro in bar ab, die Ardijan K. zur Sitzung mitgebracht hatte. So tough wie sie bei dem Überfall wirkte, ist sie nicht, kann sie nicht sein. Wie auch? "Sie musste um ihr Leben fürchten", so Staatsanwalt Eike Gildemeister. Laut ärztlichem Attest hat Katrin M. seit dem Überfall akute Angstzustände, Panikattacken, Depressionen. "Nachts wache ich schweißgebadet auf, fühle mich bedroht", erklärte sie unter Tränen. "Mir wurde geraten, eine stationäre Therapie zu machen, aber das geht aufgrund meines Schichtdienstes nicht."

Amtsrichterin Irmgard Seitz beließ es in ihrem Urteil letztlich bei Auflagen für beide Angeklagte. Sie müssen innerhalb eines halben Jahres jeweils 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und zudem 300 Euro an einen Verein zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte für beide Räuber eine Jugendstrafe von zehn Monaten auf Bewährung gefordert. Doch Seitz sah dafür keine Voraussetzungen, obwohl es sich, wie sie betonte, um einen Verbrechenstatbestand handele. Sie folgte den Anträgen der Verteidiger und der Empfehlung der Jugendgerichtshilfe. Demnach haben beide Jugendliche eine positive Kriminal- und Sozialprognose.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.07.2015
Frank Döring

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