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Polizeiticker Leipzig Warum 18-Jähriger zum Smiley-Räuber von Leipzig wird
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Warum 18-Jähriger zum Smiley-Räuber von Leipzig wird
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16:37 03.12.2018
Der Smiley-Räuber konnte drei Wochen nach den Überfällen verhaftet werden (Symbolfoto). Quelle: Sven Hoppe/dpa
Leipzig

Sachen gibt’s: Weil er Schulden hatte und um Geld erpresst wurde, kam ein 18-Jähriger auf eine fatale Idee. Florian K. beging zwei Laden-Überfälle in Leipzig und machte als Räuber mit der Smiley-Maske im April 2018 Schlagzeilen. Wenig später wurde er geschnappt – und packte vor der Polizei aus. Dabei bezichtigte er auch seinen Erpresser: Kevin J. (20) aus Leipzig, den die Kripo im Juni festnahm und gegen den am Montag am Amtsgericht der Prozess begann.

Erpresser gesteht

Die Staatsanwaltschaft legte Kevin J. erpresserischen Menschenraub, vorsätzliche Körperverletzung und weitere schwere Delikte zur Last. Am 19. Januar 2018 soll der Auszubildende eine Freundin als Lockvogel angeheuert haben, um Florian K. habhaft zu werden. Grund: „Ich habe ihm Cannabis verkauft, doch er bezahlte nicht“, so der Angeklagte.

Auf bereits 900 Euro beliefen sich die Schulden. Kevin J. forderte seinen Angaben zufolge aber gleich 2000 Euro.

Als der ahnungslose Schuldner in die vom Lockvogel genannte Wohnung in Schönefeld-Ost kam, erhielt er laut Anklage Schläge und Tritte. „Er musste sich auf den Boden legen. Seine Hände wurden gefesselt“, sagte Staatsanwältin Diana Süß.

Tatort: Schladitzer Bucht

Von der Wohnung in der Julian-Marchlewski-Straße aus brachten Kevin J. und Komplizen ihr Opfer Florian K. an den Schladitzer See, „weil es eine einsame Gegend ist“, wie der Angeklagte zugab. „Und ja, er musste sich dort ganz nackt ausziehen und tanzen“, räumte er in seinem laut Verteidiger Stephan Bonell „reumütigen und umfassenden Geständnis“ ein.

Immerhin war es in jener Nacht eisig kalt, knapp unter null Grad. Er habe jedoch kein Video aufgenommen, um es ins Internet zu stellen, wie ihm die Staatsanwaltschaft anlastete. In der Schladitzer Bucht, etliche Kilometer von Leipzigs nördlicher Stadtgrenze entfernt, ließen die Täter den nur leicht bekleideten Geschädigten zurück. „Ich sollte sagen, dass Kevin der King ist. Na klar, ich hatte Angst.“

Zum Glück gabelte ihn ein Nissan-Fahrer (35) auf, der ihn zu einem Bahnhof fuhr, fünf Euro für die S-Bahn und ein paar Zigaretten gab. „Er hatte ein blaues Auge und blutete im Gesicht“, bezeugte der Fahrer Stephan R. vor Gericht.

Räuber bereits verurteilt

Ein paar Wochen später, am 7. April, überfiel der mittellose Florian K. mit einer Smiley-Maske vor dem Gesicht einen Pizzaservice in der Stötteritzer Papiermühlstraße. Als ein Mitarbeiter dort cool blieb und meinte, Vermummte bekämen nichts, zog der Räuber ab. Und überfiel mit einer Gasdruckpistole gleich noch einen Tabakladen in der Zschocherschen Straße in Plagwitz. Dort erbeutete er 200 Euro.

Die Kripo kam ihm auf die Schliche – am 26. April klickten die Handschellen, er kam in Haft. Zwei Monate später bereits wurde der nunmehr 19-jährige Angestellte verurteilt – wegen seiner umfangreichen Aufklärung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

Der Prozess gegen seinen wegen Drogendelikten vorbestraften Erpresser Kevin J., der sich vor Gericht entschuldigte, wird am 17. Dezember fortgesetzt.

Von Sabine Kreuz

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