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Spätverkauf in Gohlis: Gegenwehr der couragierten Verkäuferin

Spätverkauf in Gohlis: Gegenwehr der couragierten Verkäuferin

Es war am Dienstag um 21.43 Uhr und Katrin M. (50) war ganz allein in dem kleinen Spätverkauf in der Gohliser Virchowstraße. Noch eine Viertelstunde bis zum Feierabend.

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Am Dienstagabend haben Unbekannte einen Späti in Leipzig-Gohlis überfallen. Verkäuferin Katrin M. schlug die Täter in die Flucht.

Quelle: dpa

Leipzig. „Ich beugte mich herunter, suchte das Ladekabel für mein Telefon“, erinnert sie sich. „Als ich wieder hochschaute, stand plötzlich ein maskierter Mann vor mir, richtete eine Pistole auf meinen Kopf.“

Was danach passierte, ist kaum zu fassen. Denn Katrin M. ließ sich von der vorgehaltenen Waffe überhaupt nicht einschüchtern. Sie ignorierte den Pistolen-Mann und wandte sich dessen ebenfalls maskierten Komplizen zu. Dieser fing gerade an, das Zigarettenregal auszuräumen und die Schachteln in einer Reisetasche zu verstauen. Katrin M. drängte den Räuber zurück.

Als sich die beiden Täter in einer Rangelei mit der resoluten Späti-Angestellten wiederfanden, reifte in ihnen ein dringender Wunsch: Rückzug! Fluchtartig wollten sie den Laden verlassen und natürlich wenigstens die Sporttasche mit den Zigaretten mitnehmen. Doch nicht einmal das ließ Katrin M. den beiden durchgehen. Sie bekam die Tasche zu fassen, umklammerte sie fest. Konsequenz: Die beiden Ganoven waren am Ende wohl froh, überhaupt entkommen zu sein – wenn auch ohne Beute.

Ihre Tasche erwies sich bei der sogenannten Tatortnahbereichsfahndung der Polizei zunächst als hilfreich. Denn ein Fährtenhund nahm Witterung auf und verfolgte die Spur der geflohenen Räuber. Allerdings nur bis zur nahen Straßenbahnhaltestelle. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter mit der Bahn abgehauen sind.

Womöglich können die Ermittler auf verwertbare Bilder von Überwachungskameras der Leipziger Verkehrsbetriebe zurückgreifen. Zwar lief nach LVZ-Informationen auch im Spätverkauf während des Überfalls eine Kamera. Doch da beide Täter zur Tatzeit Skimasken trugen, dürfte eine Identifizierung schwierig sein. Entsprechend vage ist bislang die Täterbeschreibung: Beide sind 1,70 Meter groß, schlank, 20 bis 25 Jahre alt, waren dunkel gekleidet.

Waren es womöglich dieselben Täter, die schon einmal hier auf Beutezug waren? Ende 2013 überfielen ebenfalls zwei Vermummte das bei Anwohnern beliebte Geschäft. Damals traf es die andere Verkäuferin, Clivia G. (50). „Das war so gegen 21 Uhr und ich war auch allein im Laden“, schildert sie den Abend. „Sie drohten mir mit einer Pistole und wollten Tabak und Geld haben.“

Nach Angaben der Ermittler hatte die mattschwarze Tatwaffe damals einen etwa 20 Zentimeter langen Lauf. „Ich habe ihnen gegeben, was sie wollten“, so die Angestellte. Dazu rät auch die Polizei in solchen Fällen. Courage sei bewundernswert, so  Sprecher Alexander Bertram, doch das Risiko sei unkalkulierbar, wenn scharfe Waffen im Spiel sind. „Zigaretten sind ersetzbar“, sagte er.

Katrin M. war am Dienstagabend wohl nicht in der Stimmung für eine solche Risikoabwägung. „Ich lasse mir nichts gefallen“, begründete sie ihren mutigen Einsatz. „Angst habe ich nicht gehabt. Wenn man Angst hat, kann man ja bald gar nicht mehr aus dem Haus gehen.“

Zeugenhinweise an die Kripo unter Telefon 0341 96646666.

Frank Döring

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