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Polizeiticker Leipzig Staatsanwalt: "Definitiv Brandstiftung" - Flüchtlingsheim in Tröglitz geht in Flammen auf
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Staatsanwalt: "Definitiv Brandstiftung" - Flüchtlingsheim in Tröglitz geht in Flammen auf
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13:22 04.04.2015
Feuerwehrleute nach dem Brand in der geplanten Tröglitzer Flüchtlingsunterkunft. Quelle: dpa
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Tröglitz

Das schrieb die Polizei Sachsen-Anhalt Süd am Samstag in einer Mitteilung, die vor Beginn einer Pressekonferenz in Halle auslag. „Es ist definitiv besonders schwere Brandstiftung“, sagte Staatsanwalt Jörg Wilkmann am Samstag in Halle. Auch ein versuchtes Tötungsdelikt könne nicht ausgeschlossen werden. Es handle sich um eine gemeingefährliche Straftat schlimmster Art. Ein mögliches Motiv der Täter wurde nicht genannt.

Bislang sei bekannt, dass eine oder mehrere Personen in der Nacht auf Samstag in das Haus eingebrochen seien und dort das Feuer gelegt hätten, hieß es in der Mitteilung. „Dabei wurde mit großer Wahrscheinlichkeit auch Brandbeschleuniger verwendet.“ Das Feuer sei gegen 2 Uhr morgens ausgebrochen. Vor allem das zum Wohnbereich ausgebaute Dachgeschoss sei ausgebrannt. Der Staatsschutz ermittle, es sei nicht auszuschließen, dass es sich um eine politisch motivierte Brandstiftung handele, sagte ein Sprecher der Polizei am Samstag.

In dem Haus lebten eine 50 Jahre alte Frau und ihr zwei Jahre älterer Mann. Sie konnten sich laut Polizei unverletzt ins Freie retten. Eine Nachbarin hatte beide rechtzeitig gewarnt. Die beiden wohnten auch im Dachgeschoss des Hauses - allerdings nicht direkt in dem für die Flüchtlinge vorgesehenen Bereich.

Der kleine Ort im Süden Sachsen-Anhalts ist bundesweit in den Schlagzeilen, seit der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth Anfang März wegen rechtsextremer Anfeindungen seinen Rücktritt erklärte. Er hatte keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als eine asylfeindliche Demonstration direkt vor seinem Haus genehmigt wurde. Der Protest gegen die geplante Unterbringung von 40 Flüchtlingen wird von der rechtsextremen Partei NPD angeführt.

Tröglitz. Rotes Flatterband sperrt die Ernst-Thälmann-Straße in Tröglitz ab. Dahinter stehen Feuerwehr-Löschwagen und Polizeiautos, Stoßstange an Stoßstange. In dem kleinen Ort im Süden Sachsen-Anhalts riecht es nach Rauch. Aus dem frisch sanierten Haus, in das Ende Mai 40 Flüchtlinge einziehen sollten, ragen pechschwarz verkohlte Dachbalken in den Himmel. Das Feuer brach in der Nacht zum Ostersamstag aus. Um 2 Uhr nachts.

Nierth zeigte sich am Samstagmorgen entsetzt über das Feuer. „Davon wird Tröglitz sich wohl nie erholen“, sagte er dem „Tagesspiegel“. „Ich bin fassungslos, traurig und wütend zugleich. Da ist die braune Saat so weit aufgegangen, dass man nun lieber Häuser niederbrennt, in denen Familien eine neue Bleibe finden sollten.“

In dem Haus, in das die Flüchtlinge einziehen sollten, hätten zuletzt zwei Menschen gelebt, hieß es bei der Polizei. Wer sie sind, war zunächst unklar. Eine Nachbarin habe beide rechtzeitig gewarnt, sie konnten sich unverletzt ins Freie retten. Die Brandursache sei derzeit unklar, betonte der Polizeisprecher. „Wir prüfen zur Zeit, inwieweit das Dachgeschoss, das am meisten vom Brand betroffen ist, begehbar ist.“ Man erhoffe sich neue Erkenntnisse, wenn Ermittler und Kriminaltechniker dort arbeiten könnten.

Derzeit überwache die Feuerwehr noch den Brandort, Anwohner kämen vorbei und schauten - es sei aber ruhig, hieß es. Erst am Dienstagabend hatte Landrat Götz Ulrich (CDU) auf einer Einwohnerversammlung in Tröglitz über die Pläne zur Asylbewerberunterkunft informiert. Gut 500 Menschen hatten sich im örtlichen Kulturzentrum eingefunden, unter ihnen auch Nierth. Ulrich musste Dutzende Fragen beantworten - und räumte auch Fehler ein. „Ich schließe nicht aus, dass ich und einige andere Verantwortliche im Vorfeld nicht ausreichend den Bewohnern zugehört haben“, sagte der CDU-Politiker. Er habe aus dem Fall Tröglitz gelernt. (mit dpa)

lvz

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