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Polizeiticker Leipzig Stress in Asylheim - Anwohner in Sorge
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Stress in Asylheim - Anwohner in Sorge
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06:00 10.08.2018
Umstritten; Die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Eutritzscher Straße. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Schule statt Gemeinschaftsunterkunft – darauf hoffen Anwohner der Eutritzscher Straße, seit Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) im LVZ-Interview angekündigt hatte, den ehemaligen Hauptsitz der Stadtwerke als möglichen Schulstandort prüfen zu lassen. Denn das ursprünglich für 369 Flüchtlinge ausgelegte Asylheim ist offenbar ein steter Unruheherd im Viertel, Polizeieinsätze sind an der Tagesordnung.

Sicherheitsgefühl deutlich beeinträchtigt

„Seit Inbetriebnahme des Asylantenheimes vergeht keine Woche, in der nicht in mehr oder weniger großer Mannschaftsstärke Polizeikräfte, Rettungswagen oder Feuerwehr zu jeder erdenklichen Tag- und Nachtzeit dort anrücken“, so Anwohnerin Anja Rudolph. „Das Sicherheitsgefühl ist deutlich beeinträchtigt.“ Andere Bewohner bestätigen diesen Eindruck. Ganz bewusst habe man sich einst für dieses ruhige Wohngebiet entschieden und auch die Einrichtung eines großen Flüchtlingsheimes vorurteilsfrei hingenommen, berichtet eine andere Frau (Name ist der Redaktion bekannt). Seither gehe das Sicherheitsgefühl immer mehr verloren.

Unterkunft nicht voll belegt

Dieses Unbehagen der Anwohner trügt nicht, wie ein Blick auf die Einsatzzahlen der Polizei zeigt. Allein vom 4. Oktober 2017 bis einschließlich 1. August 2018 kam es an der Asylbewerberunterkunft zu rund 60 Einsätzen – jede Woche mindestes einer. Und das muss nicht einmal alles sein. „Die Zahlen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit“, sagt Polizeisprecher Andreas Loepki. „So ist die Anwesenheit von Polizeikräften beispielsweise aufgrund eines an völlig anderem Ort stattgefundenen Anlasses denkbar, weil im Objekt eine im Zusammenhang stehende Person vermutet wurde. Diese Anlässe lassen sich dann über die ortsbezogene Recherche nicht erheben, weil der recherchefähige Inhalt nur mit dem Anlassort verknüpft wäre.“ Außerdem ist das Heim alles andere als voll belegt, nach Angaben der Stadt sind derzeit 173 Menschen aus 21 Ländern hier untergebracht.

Einsätze auch wegen Lärmbelästigung

Allerdings sei der Eindruck, dass in dem Objekt eine Straftat nach der anderen passiere, trügerisch, betont Loepkis Kollege Uwe Voigt. „Unter den 60 Einsätzen befanden sich noch andere Sachverhalte, die die Polizei auf den Plan riefen. So hatten wir Abschiebungen aus diesem Objekt zu realisieren, es gab Fahndungstreffer nach gesuchten Personen in dem Objekt, Brandmelderfehleinläufe, Durchsuchungen im Zusammenhang mit bestehenden Ermittlungsverfahren, Lärmbelästigungen.“ Allerdings muss die Polizei auch immer mal wieder bei gewaltsamen Konflikten einschreiten. So kam es bereits im Oktober 2016, wenige Wochen nach Inbetriebnahme, zu einer folgenschweren Auseinandersetzung zwischen zwei afghanischen Familien. Eine Frau (36) und zwei Männer (18, 48) wurden verletzt. Auch ein Security-Mitarbeiter, der schlichten wollte, erlitt Verletzungen. Zerstört wurden zudem die Einrichtungen von zwei Zimmern. Die Polizei nahm drei Tatverdächtige (13, 17, 53) mit, wobei das Kind dem Jugendnotdienst übergeben wurde. Derartige Konflikte bleiben auch aktuell nicht aus. Aktenkundig ist eine Auseinandersetzung zwischen fünf Personen am 13. Juli dieses Jahres, wobei ein Beteiligter am Kopf verletzt wurde. Am 30. Juli gerieten acht bis zehn Personen aneinander, wobei jedoch das Opfer, das eine Schnittverletzung am Bauch erlitt, gar nicht aus der Unterkunft stammte. Loepki und Voigt betonen jedoch, dass der weitaus geringere Teil der Einsätze aufgrund von derartigen Straftaten nötig gewesen sei.

Gleichwohl sind nicht wenige Anwohner ob der häufig nötigen Polizeipräsenz beunruhigt. „Es wäre ein Segen für die Anwohner rund um die Einrichtung in der Eutritzscher Straße, wenn die Unterkunft in eine Schule umgebaut werden würde“, meint etwa Anja Rudolph. Die Stadt versicherte, dass eine schulische Nutzung Priorität habe, sofern das Gebäude dafür geeignet ist. Andernfalls bleibe es eine Asylunterkunft.

Von Frank Döring

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