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Stückelmord in Leipzig: Grausige Details zum Prozessauftakt – Angeklagter schweigt

Stückelmord in Leipzig: Grausige Details zum Prozessauftakt – Angeklagter schweigt

Leipzig. In gebückter Haltung betritt Benjamin H. am Montag Saal 115 des Landgerichts Leipzig. Sein Blick ist auf den Boden gerichtet.

Das Gesicht versteckt er vor dem Blitzlichtgewitter der Fotografen hinter einer Sonnenbrille. Auf dem Kopf trägt der mutmaßliche Mörder von Jonathan H. ein blaues Basecamp mit dem Emblem des bulgarischen Fußballvereins Lewski Sofia.

Bis zum letzten Platz ist der Raum gefüllt und die Prozessbeobachter hören gleich zu Beginn des Verfahrens grausige Details eines der schlimmsten Verbrechen in der Leipziger Kriminalgeschichte.

Staatsanwältin Claudia Laube leitete die Ermittlungen in dem Fall. Sie tritt vor der Schwurgerichtskammer als Anklägerin auf. Ein Mordprozess ist für sie kein Neuland. Uwe K., der den neunjährigen Mitja getötet hat, brachte sie vor fünf Jahren lebenslänglich hinter Gitter. Der aktuelle Fall ist aber auch für die Juristin in seiner Brutalität einzigartig. „Es ist etwas ganz Schreckliches, was man auch mit nach Hause nimmt“, verrät sie von ihrer täglichen Arbeit der vergangenen Monate.

Benjamin H. hat sein Verbrechen von langer Hand geplant. Davon sind die Ermittler überzeugt. „Er entschloss sich einen Homosexuellen kennen zu lernen“, berichtet Laube. Dies sei ihm aber nicht gelungen. Am 12. Oktober des vergangenen Jahres, seinem 23. Geburtstag, empfing Benjamin H. das spätere Opfer in seiner Wohnung in der Lindenauer Spittastraße. Es kam ihm „von Anfang an wesentlich darauf an, einen Menschen sterben zu sehen“, erklärt die Staatsanwältin.

H. habe Jonathan H. zunächst Schläge auf Arme und Rumpf versetzt. Schließlich sei es ihm gelungen, den 23-Jährigen an den Handgelenken zu fesseln. Danach habe der Angeklagte sich an ihm sexuell vergangen und anschließend dessen Geschlechtsorgane verstümmelt. „Mit einem Messer stach er seinem Opfer dann 20 Mal in den Rücken“, berichtet Laube.

Die Leiche habe H. in die Badewanne gezerrt, entkleidet und zerstückelt. Die Körperteile, so Laube, verpackte er in Müllsäcke und warf sie später ins rund zwei Kilometer von der Wohnung entfernte Elsterbecken. Dort fand sie ein Pilzesammler am 6. November. Der Kopf ist bis heute verschwunden. Laube klagt Benjamin H. wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen, Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall, schwer Körperverletzung und Störung der Totenruhe an.

Der 23-Jährige verfolgt die Ausführung der Staatsanwältin regungslos. Am Ende des Vortrags sucht er Blickkontakt zu seinem Verteidiger Mario Seydel aus Berlin. Beide schütteln kurz die Köpfe. Das heißt: H. macht keine Aussage. „Wir wollen uns jede Option offen lassen“, sagt der Rechtsanwalt, der das Mandat gemeinsam mit Jens Mader aus Strausberg übernommen hat. Nur einmal spricht H. – bei den Angaben zu seiner Person. Er wirkt unbeholfen und stottert.

Die beiden Anwälte wollen sehen, wie sich der Prozess entwickelt. „Man braucht viel Phantasie für ein solches Verfahren“, sagt Seydel. Bereits jetzt befürchten Polizei und Staatsanwaltschaft eine sogenannte Konfliktverteidigung mit einer Vielzahl von Beweis- und Befangenheitsanträgen. „Die Anwälte werden alles umdrehen“, glaubt ein Ermittler.

Einen kleinen Vorgeschmack bekommen die Fotografen und Kameraleute der Presse schon am ersten Verhandlungstag. Bei ihren Aufnahmen kurz vor der Prozesseröffnung im Saal, nimmt Seydel einen eigenen Fotoapparat aus der Tasche und macht Aufnahmen von den Journalisten – Gruppenbilder und Porträts. Was er damit anfangen will, lässt er offen.

Anne Prestrich verfolgt das Geschehen gelassen. Sie sitzt neben Claudia Laube und vertritt Jonathans Mutter in der Nebenklage. Die Mutter selbst will vor Gericht nicht erscheinen. Anwältin Prestrich informiert sie nach jedem Verhandlungstag. Mehr will die Juristin von der Familie des Opfers nicht preisgeben. „Die Grausamkeit ist das Besondere dieses Prozesses“, sagt die Opferanwältin. Zuerst denke man, so Prestrich, dass so ein Täter nicht schuldfähig sein kann. Diese Frage müsse ein Sachverständiger bis zur Urteilsfindung beantworten.

Das Ziel der Verteidigung ist für Prestrich klar. „Für sie ist es ein Indizienprozess. Sie hoffen, dass er nicht überführt wird“, sagt sie. Das Verfahren wird am 15. Oktober fortgesetzt.

Matthias Roth

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