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Stückelmord in Leipzig-Thekla: 37-Jähriger schaffte Leichen im Linienbus fort

Nach zehn Bier, Wodka und fünf Joints Stückelmord in Leipzig-Thekla: 37-Jähriger schaffte Leichen im Linienbus fort

Zehn Bier, eine halbe Flasche Vodka und fünf Joints will Faouzi A. konsumiert haben, bevor er 2016 ein tunesisches Ehepaar in Leipzig tötete. Die zerstückelten Leichen schaffte er im Linienbus fort.

Der Angeklagte Faouzi A. gestand am Montag vor dem Leipziger Landgericht, ein Ehepaar getötet und ihre Leichen im Bagger Thekla entsorgt zu haben. (Archivfoto vom Prozessauftakt)

Quelle: Kempner

Leipzig. Es waren Szenen wie aus einem Horrorfilm: Der mutmaßliche Doppelmörder Faouzi A. (37) hat am Montagfrüh im Prozess am Landgericht in allen grausigen Details gestanden, am 23. Juli 2016 gegen 0.15 Uhr die Eheleute Hadia B. (32) und Ali T. (37) in deren Wohnung in der Zollikoferstraße in Volkmarsdorf getötet und zerstückelt zu haben. Auslöser der Bluttat sei ein Streit um Lohn für Schwarzarbeit gewesen. 

Seit 2013 lebte der Angeklagte, der aus der tunesischen Mittelmeerstadt Bizerta stammt, in Deutschland. Daheim habe er mit diversen Jobs seine Familie – er hat neun Geschwister – unterstützt, so Faouzi A. in seiner Erklärung, die Verteidiger Malte Heise vortrug. Die Hälfte seines Einkommens von 80 Euro habe er seiner Mutter gegeben. Bevor er vor vier Jahren über das Meer zum italienischen Lampedusa und von da über Frankreich nach Deutschland gelangte, saß er in seinem Heimatland in Haft. Er ist wegen Drogendelikten und Körperverletzung vorbestraft.

"Habe von arabischer Straße in Leipzig gehört"

Auch in Deutschland musste er hinter Gitter. „In der JVA Dresden habe ich von einer arabischen Straße in Leipzig gehört, und dass es da Arbeit gibt“, so Faouzi A. Hier, gemeint war die Eisenbahnstraße, habe er auch seinen Landsmann Ali T. das erste Mal getroffen. „Er nahm mich mit zu sich nach Hause, ließ mich zwei, drei Monate da wohnen.“ Zusammen arbeiteten sie schwarz auf dem Bau. Er habe 50 Euro am Tag bekommen, 20 Euro habe er Ali T. für die Unterkunft bezahlen müssen. Doch nach einiger Zeit habe sein Gastgeber ihn mehr und mehr beschimpft und erniedrigt. Zusammen mit anderen Schwarzarbeitern kam Faouzi dann in der Hildegardstraße unter – illegal, denn sein Asylantrag war abgelehnt worden und ihm drohte die Abschiebung.

An jenem 23. Juli habe ihn Ali T. dort abgeholt, so Faouzi A., weil der Chef, ein Mann namens Murat, ihn sprechen wollte. Die Staatsanwaltschaft war in ihrer Anklage davon ausgegangen, dass Faouzi A. seinen Bekannten überraschend aufgesucht und aus Habgier ermordet hat. Bei dem Treffen mit Murat sei es um ausstehenden Lohn gegangen, so der Angeklagte, 1000 Euro sei man ihm noch schuldig gewesen. Murat wies Ali T. an, den Arbeiter zu bezahlen und ab sofort nicht mehr zu beschäftigen. In der Wohnung von Ali T. sei der Streit dann eskaliert. „Er gab mir nur 750 Euro, holte dann aus der Küche ein Messer, drohte mir damit und forderte, ich solle mich verpissen“, schilderte der Angeklagte.

Er habe daraufhin mit einem Hammer, den er zufällig im Flur gefunden habe, auf seinen Kollegen eingeschlagen. „Er fiel sofort zu Boden“, so Faouzi A. „Hadia warf sich auf ihn, auch ihr schlug ich auf den Kopf.“ Noch mehrfach habe er beide mit dem Hammer traktiert, dann habe er das Messer genommen und auf Beide eingestochen. „Ich war in einem mystischen Zustand“, berichtete der Mordverdächtige. Zudem will er zehn Flaschen Bier, eine halbe Flasche Wodka und fünf Joints intus gehabt haben. Nach der Bluttat sei er in seine Wohnung zurückgekehrt, habe weiter getrunken, Haschisch und Speed konsumiert. Gegen 5 Uhr kehrte er an den Tatort zurück, so Faouzi A. Mit seinen Flipflops sah er wie ein Sommerfrischler und nicht wie ein zweifacher Killer aus.

Leichen im Linienbus

„Ich trennte Beine und Kopf vom Rumpf ab, zuerst bei Ali T.“ Die zerstückelte Leiche des Mannes  habe er mit einem Koffer des Paares per Linienbus ans Naturbad Bagger transportiert. Weil der Koffer voller Blut gewesen sei, habe er ihn unter einem Baum versteckt und die Überreste der Frau bei den nächsten Touren in einer gelben Reisetasche mit Rädern zum Badesee gebracht und an der gleichen Stelle versenkt. Dem Geständnis zufolge fuhr Faouzi A. vier Mal mit Leichenteilen vom Tatort zum See. „Ich habe gehofft, dass man sie nicht findet.“

Er versteckte die Tatwaffen, reinigte in den Tagen darauf die Wohnung seiner Opfer, suchte nach Geld. „Weil ich keines gefunden habe, nahm ich einige Gegenstände mit“, erklärte der Angeklagte. Etwa ein Smartphone, das er für 250 Euro an einen Iraker verkauft habe, und Drogen, die er für sich behielt. Kurzzeitig habe er erwogen, sich ins Ausland abzusetzen, doch die Fluchtpläne nicht weiter verfolgt.

Ab 28. Juli wurden die Leichenteile in dem Badesee entdeckt. Zunächst hatte ein Schwimmer Teile der zerstückelten Frau gefunden, später bargen Einsatzkräfte die sterblichen Überreste des Mannes. Am 1. August nahm die Soko „Bagger“ Faouzi A. fest, einen Tag später kam er in Untersuchungshaft. Bei einer Vernehmung  bezichtigte er zwei Landsleute des Mordes. „Ich wollte ihnen wehtun“, räumte er in seinem Geständnis ein.

Schuldfähigkeit ist fraglich

Weiterhin fraglich ist, ob der Tunesier voll schuldfähig ist. Seit einem schweren Motorradunfall 2003, nach dem er tagelang bewusstlos war, habe er Anfälle und höre Stimmen, so Faouzi A. Laut Anklageschrift leidet der mutmaßliche Doppelmörder an einer Persönlichkeitsstörung, einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer Drogenpsychose. Wie berichtet, hat die Staatsanwaltschaft den Tunesier wegen Mord in zwei Fällen, Raub mit Todesfolge, Störung der Totenruhe und Freiheitsberaubung angeklagt. Für den Prozess sind noch neun Verhandlungstage bis 17. Juli geplant.

Frank Döring

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